Plattenkritik

Hollow Sons - Thirst

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Release Date: 23.08.2013
Datum Review: 09.11.2013

Hollow Sons - Thirst

 

Das Kontrastprogramm könnte unterschiedlicher nicht sein; während ich diese Zeilen verfasse flimmert die neuste Staffel eines Casting-Gesangscontest über die Mattscheibe;natürlich schön auf stumm, ansonsten droht minimum Ohrenkrebs. Ist aber auch so schon anstrengend genug, denn die immer wieder seitens der Juroren geforderten großen Gefühle triefen auch in silentium in Strömen am Flachbild herunter. Und auf den Lauschern? Da gibt’s Hirnwäsche gratis...

Denn HOLLOW SONS, eine junge fünfköpfige Band aus teilweise so imposanten Städten wie München, Rom, Köln und Karlsruhe machen keine Gefangenen. Und sie verlieren auch keine Zeit mit unnützem Ballast. Atmosphäre, tragende Melodien? Nein! Nicht auf dieser EP.

Auf ein Minimum reduziert, wird gleich aus allen Rohren geballert und mit „Words Only“ die eben noch abgeschlossene Tür aufgetreten. Hallo, hier sind wir, wir sind wütend, wir sind echt angepisst, und wir haben für Jeden noch mindestens einen Arschtritt über. Das gefällt nicht im ersten Durchlauf, auch nicht im Zweiten und selbst beim dritten Hörgenuss will man genervt den Finger in epileptischer Manier auf der Skiptaste tanzen lassen. Das hat man doch alles schon zigmal in ähnlicher Form gehört. Oder?

Hat man. Definitiv! Was aber vielen dieser Hartwurstklonen fehlt, ist die Authentizität. So ein brüllender, hyperaktiver und mikrofonfressender Shouter ist sicher kein Unikat, aber Dave nimmt man seine Wut ab. Zweifellos. Glücklicherweise growlt er sich nicht durch die Tracks, sondern vergewaltigt einfach auf's Übelste seine Stimmbänder. Das kann zwar auch schon leicht an den Nerven zerren, doch HOLLOW SONS haben auch ein Händchen für die alte, im Hardcore/Punk der früheren Tage gelebte Weisheit, dass in der Kürze die Würze liegt. Keiner der vier Tracks wird künstlich in die Länge gezogen, nur um der Spielzeit willen. Wozu auch. Wenn alles gesagt ist, dann auf zum nächsten Track und bloß keine Zeit verlieren.

Die Songs bewegen sich bis auf „Dominance“ alle im Uptempo und galoppieren im schwitzigen, angedreckten Hardcore-Outfit innerhalb von knapp 12 Minuten über Einen hinweg. Das ist mitnichten das laue Frühlingslüftchen - das ist dieser ätzende, beißende Herbstwind, der einem morgens verschlafen kalt ins Gesicht schlägt und die Grimasse mit den Mundwinkeln nach unten einfriert. Da dauert's meist einen Moment, bis man sich weiter bewegen kann, alles zieht sich zusammen. Kurz sammeln, Kraft tanken. Genau hierfür ist „Dominance“, der etwas andere Track. Stark elektronisch angehaucht, vom Charakter mehr ein Interlude anstelle eines vollwertigen Songs, deshalb aber nicht minder schlecht oder fehl am Platz. Und passend genau in der Mitte der EP platziert.

Mit „Harm“ schliesst eine EP, die mehrere Anläufe braucht, stark ab. Dave mobilisiert die letzten Simmbandreste und brüllt „Don't forget your roots...“ als Appell hinaus und man möchte ihm glauben, schliesslich ist der Shouter mehr als aufopfernd mit seinem Organ umgegangen und das macht man aus Überzeugung. Wie auch der Rest der Band – reduziert aufs Wesentliche! Auch wenn der geneigte Hörer mehrere Anläufe braucht, um das zu begreifen.

Tracklist:
1.Words Only
2.Like Beaten Dogs
3.Dominance
4.Leech
5.Harm

Alte Kommentare

von Nate Newton 10.11.2013 10:09

Tolles Review!. Mal dem Kollegen Moppi zeigen, damit der mal sieht, wie man schreibt.

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Markus L.

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Wenn mich interessieren würde, was andere über mich denken, könnte man sicherlich mit mir über meine Einstellung und den ganzen Bla diskutieren. Tut es aber nicht, ergo kann man es sich auch ersparen. Beratungsresistent eben!

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