Plattenkritik

IMPERIAL STATE ELECTRIC - All Through The Night

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Info

Release Date: 23.09.2016
Datum Review: 16.09.2016
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1.Empire of Fire
2.All Through the Night
3.Remove Your Doubt
4.Break It Down
5.Over and over Again
6.Bad Timing
7.Read Me Wrong
8.Get off the Boo Hoo Train
9.Would You Lie
10.No Sleeping

Band Mitglieder

 

Nicke Andersson: vocals, guitar
Dolf de Borst: backing vocals, bass
Tobias Egge: backing vocals, guitar
Tomas Eriksson: drums, percussion

IMPERIAL STATE ELECTRIC - All Through The Night

 

Eines vorweg, der Name Nicke Andersson ist mir zwar durchaus geläufig, insbesondere natürlich durch seine ehemalige Band THE HELLACOPTERS, ich kann aber nicht behaupten, dass ich mich jemals besonders intensiv mit seiner Musik beschäftigt hätte. Was durch meine peripheren Begegnungen mit dem Schaffen des umtriebigen Schweden aber auch ohne größere Auseinandersetzung schnell klar wurde: mit modernen Sounds hat Nicke Andersson nichts am Hut. Grob wusste ich also, wohin die Reise mit Anderssons aktueller Band IMPERIAL STATE ELECTRIC in etwa gehen würde, trotzdem kann man durchaus von einem jungfräulichen und unbefangenen Hörerlebnis sprechen.

 

Waren THE HELLACOPTERS schon tief im Garagen Sound und Hardrock der 70er und 80er verwurzelt, so geht es mit IMPERIAL STATE ELECTRIC noch ein Stückchen weiter zurück in die goldenen Zeiten der Rockmusik. Die 80er lassen Andersson und Co. im Rückspiegel des Delorean weitestgehend hinter sich, auf "All Through The Night" huldigen die Schweden dem Rock und Power Pop der 60er und 70er. Dementsprechend geht es zwar weniger wild und schweißtreibend als bei THE HELLACOPTERS zu, weniger leidenschaftlich aber auf keinen Fall. Schon der Opener "Empire Of Fire" frisst sich unaufhaltsam in die Hirnwindungen und klingt, als hätten sich LED ZEPPELIN mit einem sehr jungen OZZY zusammengetan. Der Titeltrack dagegen verbeugt sich tief vor TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS, während fetzigere Nummern wie "Remove Your Doubt" und "Over And Over Again" einen ordentlichen Schuss RAMONES und THE CLASH abbekommen haben. Bei der lässigen Country Rock Nummer "Break It Down" vemeine ich mit meinem beschränkten Classic Rock Wissen außerdem einen Hauch DIRE STRAITS rauszuhören. Besonders dem Pop der 60er würde man aber nicht gewissenhaft Respekt zollen, würde man dabei die BEATLES vergessen. Das passiert IMPERIAL STATE ELECTRIC natürlich nicht und so verbeugen sich Nicke Andersson und seine Gefährten mit "Read Me Wrong" und "No Sleep" tief vor den Ikonen der Popmusik.

 

Im Prinzip könnte man jetzt zu jedem weiteren Song auf "All Through The Night" eine Referenz aus den 60ern und 70ern finden, das ist aber überflüssig und würde möglicherweise den Eindruck erwecken, als würden hier schamlos die Heldentaten der Rock- und Popgeschichte neu aufgewärmt werden. Das ist aber ganz klar nicht der Fall, denn IMPERIAL STATE ELECTRIC gehen nicht nur mit einer tiefen Leidenschaft und mit großem Respekt für die Musik dieser Zeit ans Werk, sondern auch mit einer bemerkenswerten Frische und Lässigkeit. So klingt "All Through The Night" nie angestaubt oder zu sehr auf Retro getrimmt, vielmehr unterstreichen Nicke Andersson und seine Mitstreiter noch einmal die Zeitlosigkeit dieser Musik. Kurzum, "All Through The Night" macht tierischen Spaß, liefert zum Ausklang des Sommers nochmal die perfekte musikalische Untermalung und ist mit seinen nur etwas mehr als 30 Minuten Spielzeit eigentlich viel zu schnell vorbei. Aber so muss gute Rockmusik wohl sein: kurz, knackig und ohne großen Firlefanz.

 

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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