Plattenkritik

ITCHY - All We Know

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Info

Release Date: 21.07.2017
Datum Review: 20.07.2017
Format: CD Digital

Band Mitglieder

 

Sibbi (Sebastian Hafner) - voc, git, bass
Panzer (Daniel Friedl) - voc, bass, git
Max (Max Zimmer) - drums

ITCHY - All We Know

 

Wie beweist man als Band mit 15 Jahren Erfahrung auf dem Buckel, dass man noch nicht der Altersschwäche zum Opfer gefallen ist? Nichts leichter als das: Man ist ITCHY - und bringt mit "All We Know" ein weiteres Festival-taugliches Album auf den Markt.

 

Wenn dies eine ehrliche Rezension sein soll, so muss ich mir als Autorin an dieser Stelle ein Geständnis abringen: ITCHY, the ehemals one and only POOPZKID, haben in mir tatsächlich noch nie großartig viel ausgelöst – bis auf den Wunsch, gute Musik aufzudrehen.

(Empörte Schnappatmung des Lesers oder der Leserin in 3, 2, 1...)

Als Band waren sie für mich bisher so austauschbar, so glattgebügelt im Sound und so völlig ‚ganz okay eben’, dass kaum ein Song je hängen geblieben ist.

(„Hat die keine Ohren am Kopf?“)

Legt die Mistgabeln noch kurz zur Seite, denn zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich offen an „All We Know“ herangegangen bin, so nett mutete die Single-Auskopplung „Keep It Real“ an. Als Nicht-Fan kann ich selbstredend nicht die Spannung nachempfinden, mit der Forever-and-longer-Fans das kommende Album erwarten. Aber vielleicht kann auch ein nüchterner Blick auf diese Platte einen Mehrwert schaffen, bevor die ersten Fackeln angezündet werden? Bitte?

ITCHY (dt.: juckend, kratzig) werden jedenfalls ihrem Namen auf „All We Know“  nicht gerecht, denn es wurde ein recht harmonischer, partytauglicher Kurs mit viel Allegro eingeschlagen. Im Kern noch genauso kickass-haudruff wie früher, aber insgesamt ziemlich launig ist das siebte Studio-Werk der Jungs aus Eislingen. Für den Track „Fall Apart“ mit seinem kalifornischen Saitenstreicheln und der mehrstimmigen Bridge wurde das Wort Ohrwurm erfunden und „Knock Knock“ ist so energiegeladen, dass man sich bereits die Atmosphäre auf dem kommenden Open Flair vorstellen kann. Dabei wird auf gesellschaftskritische Inhalte genauso wenig verzichtet wie auf persönliche Themen, siehe das etwas düster verfärbte, oben erwähnte „Keep It Real“. Es zeigt sich eine authentische Reife in den Songs, die vom Altern dennoch weit entfernt ist.

Wäre da nur nicht dieser langweilige Opener „Stuck With The Devil“, der schon die größten Schwachstellen des Albums offenbart: Mitsingcharakter statt instrumenteller Diversität und Experimentierlust bestimmt „All We Know“. Vielleicht ist „All We Know“ aber gerade deshalb eine gute Tour-Setlist. ALL I KNOW ist, dass ich ITCHY live vielleicht sogar eine Chance geben würde. Mit und ohne eure drohenden Mistgabeln im Rücken.

 

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Sandra

Autoren Bio

Wahlnordlicht, Pott by nature. Nimmt den Hamsterkauf-Aufruf der Regierung ernst und hortet bereits die ersten Wagenladungen Schokolade und Koffein.

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