Plattenkritik

Imperium Dekadenz - Dämmerung der Szenarien

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Release Date: 01.01.2007
Datum Review: 31.08.2007

Imperium Dekadenz - Dämmerung der Szenarien

 

Niklas Olson ist ja bekanntlich ein Marketing-Stratege. Der Knabe mit dem besser bekannten Namen "Kvarforth" lebt einmal, mal lebt er nicht mehr. Marketing zwecks Image-Gründen um seine Band Shining in krasserem Licht erscheinen zu lassen? Shining rein musikalisch betrachtet sind das Nonplusultra des morbiden, schleppenden und vor allem angsteinflössenden Black Metal. Schön. Schön für Kvarforth. Schön für Shining. Nur braucht in diesem Fall Shining keine Sau mehr. Das schaffen Imperium Dekadenz nämlich auch so. Imperium Dekadenz, das Duo aus dem Süden Deutschlands meldet sich nach dem brillianten Debut "...und die Welt ward kalt und leer" zurück!

"Dämmerung der Szenarien" ist nun also startklar, bietet 10 Songs, abermals
auf deutsch und englisch. Das Gesamtbild ist abermals klar: eben Shining, alte Satyricon, die eiskalten Darkthrone und Immortal-Riffs, Burzum, teilweise die epische Erhabenheit von Menhir. Ulver's "Bergtatt" ist sicherlich auch noch jedem ein Begriff. "Reich der fahlen Seelen"? Dort hätte es besser nicht drauf gepasst und "The Night Whispers To The Wise"? Darkthrone's "Ravishing Grimness"
weitergeführt. Nocturno Culto und Fenriz, hätten sie den Song je ausgebaut "Staub und Erinnerungen"? Dieser Song ist langsam. Sehr langsam. Aber heavy. Eine pechschwarze Walze, inklusive Gänsehaut-Intermezzo. Ihr kennt das akustische Intermezzo zu Satyricon's "The Dawn Of A New Age"-Machwerk? Wem es da schon schaudert, so wie mir, dem krabbelt zum furchtbaren Geflüster hier eine Gänsehaut den Rücken herunter, die es in sich hat. Pure Black Metal. Zersetzt.
Auf den Punkt gebracht. "Nebelbrandung": Soundtrack meets Norway. Und die
Synthesizer dazu geliehen von Burzum - und das nicht negativ gemeint. Die Debatte, inwiefern Black Metal heute "true" ist, ist einerseits genauso hirnverbrannt wie hier auch wiederlegt. Die Gitarren spielen nicht, sie sägen, sind kalt, rau und unverfälscht. Der Gesang ist nicht verstehbar, er ist als
keuchendes Krächzen in den Moloch eingebannt. Imperium Dekadenz bedienen sich den Stilmitteln, die den Black Metal als besonderes ausmachen. Die den Black Metal an sich belegen. Horaz und Vespasian, das sei gesagt, haben begriffen, um was es geht. Es geht um Stimmung. Um Atmosphäre. Die Produktion tut sein übriges: Glasklar, eisig, steril. Dennoch gleichermaßen so gefüllt von dunklen Emotionen und Auswegslosigkeit. "Dämmerung der Szenarien" ist ein Album, das jeder, aber wirklich jeder Freund des Black Metal hören sollte. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die teilweise zulange geratenen akustischen Zwischenstücke. Nur ein kleiner Makel an einem Black Metal-Werk, dass 2007 seinesgleichen sucht,
ja, seine Konkurrenz im Heimatlande Norwegen erblassen lässt.

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Moritz

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