Plattenkritik

Incubus - If Not Now, When?

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 08.07.2011
Datum Review: 14.07.2011

Incubus - If Not Now, When?

 

Es war einmal eine leicht verranzte Crossoverband aus dem sonnigen Californien. Die tankte gerne Sonne, surfte klischeemäßig auf den Wellen der Westküste und hatte trotz allem ziemlich viel Wut und Verzweiflung in den Knochen. Eines Tages koppelte man aus einem sehr gelungenen Album die Ballade aus, produzierte dazu ein ganz fantastisches Video und ein ganzer Haufen kleiner Teeniemädels verliebte sich in den Schlafzimmerblick und den Waschbrettbauch des Sängers. Von da an musste man scheinbar andere Wege gehen, um diese Schar von Fans zu befriedigen.

INCUBUS sind längst nicht mehr wütend oder verwirrt und unsicher gegenüber den Geschehnissen dieser Welt. Im Grunde genommen, gab es da nicht mehr viel zu erwarten und genau diese Einstellung wird nicht enttäuscht. Für die aktuelle Platte „If Not Now, When?“ könnte das Motto getrost „Eine Flasche Weichspüler, bitte!“ lauten. „Morning View“ begann diesen Trend mit schönen, glatten Baladen, mehrstimmig, treibend aber eben kaum noch zornig und so geht es weiter. INCUBUS treten auf ihrer neuesten Produktion so glatt, soft und gut rasiert wie eine gute rockige Boygroup auf. Wo sind eigentlich die DJ- Einsätze von Chris Kilmore? Nicht zu hören, er übernimmt nun die Tasteninstrumente. Brandon Boyd schmalzt sich auf jedem Song die Stimme aus dem Hals, seine Bauchmuskeln dienen längst nicht mehr dem zum Schreien notwendigen Luftdruck auf den Stimmbändern. Seine Stimme ist das einzige, was diese Band sich noch von anderen unterscheiden lässt.

„Thieves“ erinnert durchaus noch daran, was diese Band mal gut konnte, doch auch hier traut sich niemand wirklich mal richtig böse zu werden, vergebens wartet man auf den Aufschrei. Der Song wirkt etwas gehemmt und bleibt gut strukturiert. „In The Company Of Wolves“ erfährt das selbe Schicksal, auch wenn es durchaus Verzweiflung geben könnte, wird sie eher kuschelig depressiv, statt aktiv und progessiv ausgelebt.

Im Grunde genommen könnte „If Not Now, When?“ auch gut als Sammlung alter balladesker INCUBUS- Hits durchgehen. Tanzbar wird es mit „Isadore“. Herr Boyd trällert die Tonleiter ganz gut rauf und runter. Passt auch ganz gut zu dem californischen Surferbild, Fenster runterkurbeln und den Boulevard entlang cruisen- Yeah! Aber bitte immer schön angeschnallt bleiben, und das Tempolimit einhalten, wir wollen mal nicht übertreiben. „Switchblade“ kommt dann doch etwas kraftvoller raus, wirkt aber im Hinblick auf die Schar an langsamen Songs eher wie ein Alibisong und bis Track 9 ist man ja eh schon eingelullt.

INCUBUS sind in der Kulturindustrie angekommen. Ihre markanten, liebenswerten Eigenschaften haben sie am Eingang abgegeben. Hört sich immer noch schön und gut an, wirkt aber leider zu nett und wird somit auf Dauer ziemlich langweilig.

Tracklist:
1.If Not Now, When?
2.Promises, Promises
3.Friends And Lovers
4.Thieves
5.Isadore
6.The Original
7.Defiance
8.In The Company Of Wolves
9.Switchblade
10.Adolecents
11.Tomorrow´s Food

Alte Kommentare

von Enno 14.07.2011 13:55

So ruhig die Platte auch ist, nach etwas Zeit entdeckt man die Tiefe hinter den Songs. 8 Punkte!

von DrFaust 14.07.2011 15:01

Die einzigen Alben von Incubus die ich mir regelmäßig gebe, sind die "Fungus Amongus" und die "S.C.I.E.N.C.E.". So grossartige Musik. Und ich ärgere mich jedes Mal was da für eine Schnulznummer draus geworden ist. Schätze mal ich stehe auf die "leicht verranzte Crossoverband".

von Mitch 14.07.2011 15:53

jule zuerst einmal: wirklich tolles review! zu incubus. ich werd wohl auch der typ von verranzter indiemusik bleiben. incubus sind für mich einfach nicht glattgebügelt wie ein sonntagshemd. schade darum ist es auf jedenfall.

von puppy 14.07.2011 16:53

ach, ihr verdaut doch alle mit steinen -..-

von Sven 14.07.2011 18:14

jule zuerst einmal: wirklich beschissenes Review! Für Incubus braucht man zeit, jedes Album wächst mit dem hören, nicht nur einmal, um ein Klischeereview mit vielen Schachtelsätzen und bewusst gewählten Sarkasmus und Humorpassagen gespicktes zu schreiben, sondern um die Band, die Texte und den Sinn dahinter zu verstehen. Warum muss die Band in Ihrer Entwicklung stehen bleiben, warum auf einer Stufe verweilen, die auf die Teenager von einst passte, doch auf die Männer von heute eben nicht mehr? Warum muss man wütend und richtig böse sein, wenn man keinen Grund dazu hat? Warum in der Vergangenheit bleiben wie dieses Review, Menschen entwickeln sich, Bands auch, dieses Review und seine Verfasserin sicher nicht! Danke und gute Nacht! So etwas kommt dabei raus, wenn Germanistikstudenten zuviel Nagel lesen!

von Cloudkicker 14.07.2011 20:28

@Sven meinst du Thomas Nagel? Zum Album muss ich sagen, dass es an Überproduktion und einer an Britney Spears anschließenden Stimme krankt. Offenbar kann Incubus mittlerweile gut Herzschmerz, persönliche Gefühle und erfolgsorientierte, einfache Songs schreiben. Schade drum. Potential sollten sie mittlerweile mehr haben. Ich habe das Album mehrere Male durchgehört und da entwickelt sich meines Erachtens nicht viel. Aber evtl. bin ich auch aus dieser Musik "rausgewachsen". Das Review ist fein, aber eben eine Subjektive Momentaufnahme. Kulturindustrie bezieht sich wohl eher auf Adorno^^ Sagen wir mal die Fangemeinde hat sich geändert und mit ihr die Musiker und deren Lebens und Wirkungsstil. Also lasst den Sven die Entwicklung genießen, ihr hört weiter die frühen Alben und ich widme mich jetzt dem großartigen Hands-Album :D statt über Vergangenes zu meckern!

von Incubus 14.07.2011 21:29

waren schon immer doof

von hm 14.07.2011 21:33

"cloudkicker" made my day ^^

Autor

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Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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