Plattenkritik

James Vincent McMorrow - Post Tropical

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Release Date: 14.01.2014
Datum Review: 08.01.2014

James Vincent McMorrow - Post Tropical

 

Wen alle Festtagsgemütlichkeiten bis dato komplett kalt gelassen haben, der bekommt mit "Post Tropical" jetzt eine letzte Chance. JAMES VINCENT MCMORROW bittet in die hinterletzte Ecke des spärlich beheizten Kaminzimmers.

Dort angekommen, Platz genommen und erst einmal heimisch gefühlt, streichelt der Songwriter aus Dublin das Gehör - anstatt es zu nötigen. "Red Dust" ist nicht der einzige Track, der sich unter der Kopfstimme McMorrows zu verlieren droht, während minimale Instrumentierung und zarte Lautstärken im Hintergrund agieren. Vorbei an BON IVER und flüssigen Folkeinheiten steuert MCMORROW seinen melancholischen Kahn durch Ruhepole wie das von einer sternklaren Pedalsteel und bequemen Snarewirbeln gestützte "The Lakes".
Der Nachfolger zur "We Don´t Eat´-EP behauptet sich vor allem durch den Gesang des Iren, wodurch Songs wie "Look Out" bei "Nebenbeihörern" schwer zu knabbern haben dürften. Von einsam bis theatralisch hangelt sich JAMES VINCENT MCMORROW hier durch die Natur seiner Arrangements und streift dabei einzig die Gipfel der Baumkronen. Melodien oder Dynamiken leiden darunter nicht zwangsweise, jedoch blickt "Post Tropical" oft in ein und dieselbe Richtung, wenn es um die Pflege und Stimmungen seiner zehn Songs geht.
Das Titelstück ist dabei verspielter und moderner gestrickt als etwa das (wortwörtlich) zart besaitete "Gold", welches im Chorus sogar einen Blick in Richtung Pop riskiert.

Alles in allem ist "Post Tropical" so eher eine Art anspruchsvolle Entspannungstherapie als das quengelnde Kind im überfüllten Bus, welches um jeden Preis seinen Willen durchsetzen will. JAMES VINCENT MCMORROW mag sich seines gewöhnungsbedürftigen Gesanges bewusst sein und presst diesen bereits während "Cavalier" nach Belieben ins passende Raster. Die artikulierten Bläser und schmalen Background-Stimmen können das vertragen und so stetig das Produkt über Wasser halten. Wer dafür nicht bereit ist, kommt im Kaminzimmer, in dem "Post Tropical" läuft, nicht vollständig zur Ruhe.


Trackliste:

01. Cavalier
02. The Lakes
03. Red Dust
04. Gold
05. All Points
06. Look Out
07. Repeating
08. Post Tropical
09. Glacier
10. Outside, Digging

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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