Plattenkritik

Jim Kroft - Lunatic Lullabies

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Release Date: 15.03.2013
Datum Review: 01.03.2013

Jim Kroft - Lunatic Lullabies

 

Mit den Jahren, in denen der ur-schottische London-Berliner durch die Welt tingelte, lernte JIM KROFT nicht nur Kehr- und Schattenseiten des Rock´n´Roll kennen. Auch in Sachen scharfer Popmusik, ernst gemeinter Melodien und schneidendem Gitarrenspiel kennt sich das Kind aus zerrütteten Verhältnissen mittlerweile aus. Hören kann man das nun - von kinderleicht bis himmelblau - ganze zwölf weitere Male am Stück.

Von den Anfangstagen bis „The Hermit And The Hendonist“ spülte es KROFT auf grober Seite startend immer mehr in den nun auch gerne elektronisch gestützten Indiepop, der bei „I Hope You Know“ oder „The Hooligan Army“ vielleicht eher mit einer ausufernden Disconacht als mit dem Taschentuch flirtet, aber mit Inbrunst noch als „stolz“ – und mit einem Augenzwinkern sogar als „flott“ bezeichnet werden darf. „Flott“ heißt übersetzt wohl soviel wie „Lunatic Lullabies“. „See The Darkness Grows“ zumindest flattert leicht und ungefährlich aus den Boxen, eine verzerrte Gitarre schaut bloß noch als gelegentlicher Aufschrei vorbei. „Through My Weakness“ hingegen suhlt sich einsam auf der Couch und ist noch nicht sicher, ob heute Nacht gefeiert oder geheult werden muss.
Dabei ist das Dutzend bekloppter Schlaflieder wörtlich zu nehmen: Gerne kauft man „Threads“ sein verträumtes Image ab und lauscht, wie „Celebrate“ aus dem Autoradio tropf, während die Taxifahrt nach Hause die Nacht besiegelt. Die Höhen flimmern, von Bass oder Druck lässt die wahldeutsche Band nur wenig an die Oberfläche sickern. Anders zuvor, als „Tell Me (Where To Begin)“ noch mit Flummi-Orgel und wedelndem Refrain auf Airplay setzt.

JIM KROFT droht sich sogar selbst manchmal nicht wiederzuerkennen – „Dreaming To Some Purpose“ verwischt daher zum Schluss alle Spuren, die am rühmenden Facettenreichtum des Albums zweifeln wollen. „The Loneliness Of The Vampire“ schämt sich ausgiebig für die Achtziger , „Bye Bye The Elbe“ kredenzt pompöses bis folkiges Independent-Kino.
Mit einem Song die Schnittmenge auf „Lunatic Lullabies“ aufzutischen – unmöglich. Hier kocht der Chef noch selbst und benutzt dafür für ausgestorben erklärte Gewürze, eine Menge importierte Zutaten und vor allem einen Mannschaftstopf voller Rückgrat. So also schmecken schottisch-deutsch-englische Gute-Nacht-Geschichten. Verrückt.

Trackliste:

01. See How The Darkness Grows
02. I Hope You Know
03. Through My Weakness
04. Tell Me (Where To Begin)
05. The Hooligan Army
06. Threads
07. There's Something Missing
08. The Loneliness Of The Vampire
09. Celebrate
10. Bye Bye The Elbe
11. Memory Lane
12. Dreaming To Some Purpose

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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