Plattenkritik

John Coffey - Bright Companions

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Release Date: 14.09.2012
Datum Review: 12.09.2012

John Coffey - Bright Companions

 

Jedes Mal, wenn ich sterbe, erscheinen schwedische Buchstaben auf den Schultern einer angepissten Krebsfledermaus und flehen abgenutzt: lebenlassen. Oder: Ein klappriger Campingtisch gegen den Fausthieb des 2-Meter-Bruce Willis-Buddys. Oder: Vom Durchbruch des Schnauzbartes in Headbangerkreisen.

Eine Woche vor Veröffentlichung dieses Werkes erliegt Michael Clarke Duncan in Los Angeles den Folgen eines Herzinfarktes. Die nach seiner Filmrolle benannte Band aus Utrecht hätte ihm sicher ein getreuer Begleiter sein wollen auf seinem persönlichen letzten Weg. Ruhig wären die finalen Tage dann allerdings nicht ausgeklungen. Eher brachial und chaotisch - so wie einen das Leben eben manchmal überrumpelt: Zwischen verwirrten Gemetzel und zerhackstückelten Riffs steigt „Bright Companions“ mit „Announce“ ins Karussell des Lebens ein. „Still Can´t Set My Mind To Rest“. Die erste Textzeile ihres zweiten Albums kauft man JOHN COFFEY blind ab. Nebenan kreischt eine Gitarre, darüber pflegt Sänger David Achter De Molen mal brüllend, dann lieber waagerecht und melodisch seine Worte in Songs wie das mächtige „Dirt & Stones“ oder „Whispers“ mit seinem bleischweren Intro ein.
„Bright Companions“ ist eine aufmüpfige Platte - und dabei knochentrocken. „Me Vs. I“ groovt auf einmal verhalten davon, „Featherless Redheads“ erschreckt erst mit Kinderchor, dann mit EVERY TIME I DIE-Memorialgitarren. Die Holländer kontrollieren dennoch jeden Moment: Ob der Songtitel an sich („I’ve Got A Bastard Virus And I Don’t Even Know Where It Came From“) oder die zahlreichen lebendigen Schockmomente während „I, In The Year 18“ – irgendwas zum kaputtmoshen findet sich an jeder Straßenecke. „So I Set Up My Guns In Position – And Make My Way To Fire Through The Worst Conditions...“ Again: Die ungeteilte Aufmerksamkeit.

„The Well“ darf sich da mit seinen sechseinhalb Minuten auf der Schlachtbank auch mal genüsslich anlehnen und im Audiogewitter ausarten – Pelle Gunnerfeldt (u.a. REFUSED, THE HIVES) und Jag Jago (THE GHOST OF A THOUSAND) halten den bekloppten Haufen hintenrum verlässlich zusammen.

Sollte diese junge Band nur ansatzweise in der Lage sein, das Gefüge von Energydrink und Rohrstock ebenso von der Clubbühne herunterzurotzen, würden JOHN COFFEY die Listen der in Kürze beizuwohnenden Konzerte dominieren. An jenen Abenden hätten Trommelfelle, Crashbecken und Gitarrensaiten dann in etwa soviel zu lachen, wie Tom Hanks vor der Heilung seiner Blaseninfektion. Dank JOHN COFFEY aber ist es egal, woher dieses verfluchte Virus auch immer stammen mag.


Trackliste:

01. Announce
02. Dirt & Stones
03. Bright Companions
04. Whispers
05. Me Vs. I
06. Oh, Oh, Calamity
07. Featherless Redheads
08. I, In The Year 18
09. I’ve Got A Bastard Virus And I Don’t Even Know Where It Came From
10. Romans
11. The Well

Alte Kommentare

von Martin.the.man 19.12.2012 23:50

Also ich hab die Jungs schon einmmal live erlebt. Allerdings noch mit dem alten Sänger und mit Songs aus dem Vorgängeralbum "Vanity". Ich kann nur sagen, dass sie live genauso gut und dreckig rüberkommen wie auf der Platte!!

von fail 20.12.2012 11:18

yup. echt geniales album und verflucht sympathische spinner (:

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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