Plattenkritik

KÖNIGE IM EXIL - s/t

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Info

Release Date: 29.09.2017
Datum Review: 17.10.2017
Format: CD

Tracklist

 

1. Motor für Alles
2. Einseitige Polygamie
3. Land in Sicht
4. Sakura
5. Zeitmaschine
6. Mondenkind

Band Mitglieder

 

Robin Liedtke(Vocals,Guitar)
Felix Gastmeyer (Vocals, Guitar)
Alex Borchers (Bass)
Henning Schönbeck (Drums)

KÖNIGE IM EXIL - s/t

 

Als Schreiberling für ein Musikmagazin ist es immer wieder erfrischend, wenn einem zwischen den neuen Veröffentlichungen weitestgehend etablierter Künstler auch mal die Musik einer Band zufliegt, die in ihrer Karriere noch ziemlich am Anfang steht. Man weiß nicht, was einen erwartet und kann vollkommen unvoreingenommen an die Sache herangehen. Umso erfreulicher ist es dann natürlich, wenn das Produkt auch noch gut ist und von einem gewissen Ehrgeiz zeugt. So geschehen mit der Debüt-EP der KÖNIGE IM EXIL aus dem schönen Bremen.

 

Geboten wird sechsmal knackiger Alternative Rock mit deutschen Texten, bei dem man das Prädikat "Deutschrock" bewusst weiträumig umschiffen sollte. Der eingängige Opener "Motor für Alles" groovt überraschend druckvoll und erdig aus den Boxen, der Refrain bleibt schnell im Ohr hängen. Spätestens nach dem straight rockenden und etwas raueren "Einseitige Polygamie" ist klar, dass man nicht nur seine Instrumente beherrscht und in der Lage ist, gute Rocksongs zu schreiben, sondern auch großen Wert auf eine ordentliche Produktion gelegt hat. Das klingt schon alles sehr professionell. Die musikalischen Vorbilder, um noch mal auf das zu umschiffende Prädikat "Deutschrock" zurückzukommen, sucht man dabei eher in der Ecke von ALTER BRIDGE und STONE SOUR, auch SOUNDGARDEN haben wohl ein paar Spuren hinterlassen. Da gibt es weitaus schlechtere Kompassnadeln.

 

Mit "Land in Sicht" folgt eine emotionale Halbballade, die ruhig anfängt und sich langsam in rockigere Sphären hochschaukelt, kitschige Untiefen werden bravourös vermieden. Die vertonte Liebesbekundung "Sakura" legt besonders im Vergleich zu "Motor für Alles" nochmal eine Schippe Eingängigkeit drauf und ist im besten Sinne radiotauglich. "Zeitmaschine" beginnt als fröhliche Ode an die Nostalgie und zeigt, dass die KÖNIGE IM EXIL auch durchaus punkige Wurzeln haben, kommt zur Mitte dann aber plötzlich mit einem epischen Hardrocksolo um die Ecke, mit dem so nicht zu rechnen war. Überraschend und ziemlich geil. Das verträumte "Mondenkind" lässt die EP schließlich besinnlich ausklingen und wünscht den Nachtschwärmern unter uns einen angenehmen Schlaf.

 

Die Debüt-EP der KÖNIGE IM EXIL hinterlässt insgesamt einen sehr guten ersten Eindruck, auch wenn natürlich grade bei einer so frischen Band immer noch irgendwo Luft nach oben ist. Bespielsweise hätte der Gesang hier und da etwas kräftiger ausfallen dürfen und bei vereinzelten Textzeilen wirken die Reime etwas erzwungen, das sind aber alles eher kleine Details und Letzteres kriegt selbst ein Campino bis heute nicht richtig hin. Die KÖNIGE IM EXIL wissen, wie man dynamische Rocksongs schreibt und stecken sich hier im Verlauf von sechs Songs ihre musikalische Spielwiese gezielt ab. Auf große Experimente verzichtet man erst mal, für so was ist auch später noch Zeit.

 

Es bleibt der Eindruck einer professionell agierenden jungen Band mit einem Plan und einem Ziel vor Augen. Daumen hoch und weiter so.

 

Edit: Beziehen kann man das Teil übrigens per PN über die Facebookseite der Jungs.

 

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Hans

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Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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