Plattenkritik

Kettcar - Zwischen den Runden

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 10.02.2012
Datum Review: 29.01.2012

Kettcar - Zwischen den Runden

 

Was fällt einem eigentlich ein, zu versuchen eine so großartige Band zu besprechen? Eine Band deren Texte immer eine so große Anzahl an Interpretationsmöglichkeiten produzieren, wie sie Hörer haben? Man kann mit einem Review nur daneben liegen. Darum sei der einleitende Satz hier: Für die Richtigkeit der Angaben übernimmt die Autorin keine Haftung. Von der Richtigkeit- so es denn eine gibt- mag sich jeder und jede selbst überzeugen.

Grundsätzlich sei gesagt, dass KETTCAR auf ihrer neuen Platte weitaus versöhnlichere Klänge anschlagen als auf ihren Vorgängern. Musikalisch ruhiger, fahren sie teilweise unterstützt von Trompeten, Streichern und mehr Klavier in bluesige Gebiete. Die Gitarren krachen seltener. Öfter streichelt der Besen beide Trommelfelle. KETTCAR erfinden sich nicht gänzlich neu, verstärken nur Elemente, welche sie früher breits zu nutzen wussten.

Mit diesem musikalischen Elementen unterstreichen KETTCAR gekonnt die textlichen Inhalte. Gab es auf den Vorgängeralben immer mehrere Songs, die wachrüttelten, sich dagegen stemmten, gegen die unerträglichen Auswüchse der Gesellschaft, so sind diese Momente nun rar gesät. Das Vorgängeralbum "Sylt" war noch vollgestopft davon. "Schrilles, buntes Hamburg" ist ein versprengter Song mit dieser Qualität auf der aktuellen Platte. Und er repitiert auch "nur" die Inhalte, welche im Hamburg und andernorts schon zum guten Ton gehören: Gentrifizierung, die Kommerzialisierung der Kunst- und Kulturszene und der Mangel an der wahren Werterkennung von kulturellem Kapital. Ohne diese Inhalte wäre die Szene wohl nicht das, was sie meint zu sein. Das dürfen KETTCAR dann auch gerne besingen und man kann es ihnen nicht übel nehmen.

Andernorts strotzt "Zwischen den Runden" nur so vor Liebe. Liebe zu Menschen, zur Umgebung mit allem, was dazugehört. Aber keinesfalls beschränken sich KETTCAR hier darauf, nur die lichten und Trennungsmomente von Beziehungen auszuleuchten. Vielmehr suchen sie die Stellen, an denen Liebe anders ist und nicht lediglich mit Herzschmerz oder Herzplatzen Händchen hält. "Liebe ist nicht das, was man empfindet/ Nicht nur das, was man fühlt/ Nicht, was man voller Sehnsucht sucht/ Liebe ist das, was man tut." heißt es in "Rettung". Meiner Meinung nach einer der großartigsten Liebeslieder der letzten Jahre, der Song in welchem der Protagonist liebevoll Kotzebrocken aus den Haaren einer geliebten Person zupft. Ja, da ist die Liebe und eben auch in Ohlsdorf, wenn man Menschen auf Hamburgs größtem Friedhof zu Grabe trägt, eben "Zurück aus Ohlsdorf". Die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe werden von KETTCAR mit Leichtigkeit weggefegt. Zwischen Geburt und Tod kann die Liebe so viele Facetten haben und eben auch bis über den Tod hinaus halten. Und dann eben auch die, in denen vermeintliche Liebe sich so anfühlt, dass man gar nicht wissen möchte, was Krieg bedeutet. Aber zwischen den Runden ist immer Zeit sich den Schweiß abzuwischen und mal Luft zu holen.

Multiperspektivität, eine von KETTCARs unangefochtetenen Stärken und dafür kann man sie nur lieben. Dafür und für das Gefühl des Aufgehobenseins zwischen jeder ihrer Zeilen und Klänge. Wer dieses Gefühl nicht kennt, der höre sich bitte als erstes "Schwebend" an und denkt an den letzten freien Tag, als die Welt zwischen schlafen und wachen für ein paar Atemzüge bis ins letzte absolut in Ordnung war.

Tracklist:
1. Rettung
2. Im Club
3. Schwebend
4. R.I.P
5. Kommt ein Mann in die Bar
6. Weil ich es niemals so oft sagen werde
7. Schrilles buntes Hamburg
8. Nach Süden
9. In deinen Armen
10. Die apokalyptischen Reiter und das besorgte Pferd
11. Erkenschwick
12. Zurück aus Ohlsdorf

Alte Kommentare

von DrFaust 23.03.2012 08:44

Es hat etwas gedauert, aber nach Heavy Rotation im Auto gefällt mir das Album wirklich gut. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sich Kettcar passend zu meinem lebensverlauf weiterentwickelt. Als man jung war mit "But Alive" noch gegen das System, dann bei der "dicken Frau" auf den Parties imm die letzten drinks "ausgetrunken". Dann war man Teil des Rattenrennens in "Am Tisch". Und jetzt fängt man an in "Ohlsdorf" auf die ersten Beerdigungen von Freunden zu gehen die man ewig nicht gesehen hat. Ich werd alt.

von lol 23.03.2012 12:26

Kettcar sind doch teens

von fail 23.03.2012 14:39

das war so dermaßen klar dass so n studenten-scheiß von jule reviewed wird. immer dasselbe. aber das is wie mit der frage ob verrückte selber wissen ob se verrückt sin: wissen solche dermaßen pseudo-intelligenten neon-studenten dass se n komplettes klischee sin? nö, un wenn würden ses nich wahrham wolln oder sich sagen dass das nix schlimmes is un se ja eh was bessres sin weil se ja so hochintelligent und studiert sind. ich geh ne runde kotzen, muss eh klo putzen :'D

von @fail 23.03.2012 14:54

ich habe abitur und ich habe studiert. ich habe eine ausbildung gemacht und ich arbeite. ich habe familie und kinder. und ich liebe jules besprechungen. und deine kommentare sind einach sinnentleert und völlig dämlich.

von Shit 23.03.2012 14:59

+1 an den Verfasser über mir!

von fail 24.03.2012 01:43

naja dann is es ja schön für dich. klischee erfüllt. freu dich

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Jule

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wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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