Plattenkritik

Kidcrash - Snacks

Redaktions-Rating

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Release Date: 16.10.2009
Datum Review: 01.12.2009

Kidcrash - Snacks

 

„Jokes“ war anno 2007 das Album, welches die Screamo Gemeinde endlich vereinte und zum kollektiven Jubel aufforderte. Jeder wird sich nach dem studieren dieser Platte unweigerlich gefragt haben, was danach noch folgen soll, denn dieser technisch mehr als versierte und unglaublich vertrackte Screamo konnte einfach nicht mehr übertroffen werden. Und doch haben KIDCRASH den Schritt gewagt und ein neues Album geschrieben. Herausgekommen ist dabei „Snacks“, die nunmehr dritte Platte der Herren aus Portland und genau diese soll also im Jahre 2009 den würdigen Nachfolger darstellen. Die Frage ist jedoch nach wie vor, wie das bitte aussehen soll und die Antwort ist tatsächlich gleichermaßen einfach wie kompliziert. KIDCRASH legen einfach noch einen drauf. In der letzten Zeit haben sie viele Ideen gesammelt und diese zu sieben Songs verwandelt. Nach dem Genuss von „Snacks“ ist klar, dass diese Ideen sicherlich für zwei oder mehr Alben gereicht hätten. Es ist nun einmal eben nicht ihre Aufgabe, einfache und zugängliche Songs zu schreiben und so haben es KIDCRASH dieses Mal ein wenig übertrieben.

Auf den ersten Blick ist „Snacks“ wesentlich ruhiger, als es noch bei Jokes der Fall war und doch ist es anstrengender. Die laute Instrumentierung wurde zurück geschraubt und man konzentriert sich eher auf locker wirkende Gitarrenarbeit, die nicht laut ist, dafür aber um einiges komplizierter. Soll im Klartext heißen, der Jazz-Anteil wurde um ein immenses Maß erweitert. Die Band hat es dabei geschafft, ihre Stücke derart mit Ideen zu überfrachten, dass sie zu weiten Teilen einfach überfordernd wirken, besonders für den in diesem Genre noch nicht so geübten Hörer. Der passend betitelte Opener „Spaces Between Mountains“ stellt jedoch eine Brücke dar, die es dem Hörer erlaubt, den sicheren Pfad zu wählen, statt sich auf einen Sprung über den tiefen Abgrund zu wagen, um auch nur im Ansatz zu verstehen, was in der nächsten halben Stunde geschieht. Die Struktur des Songs erweist sich als schlüssig und auch die Melodien, mit denen hier gearbeitet wird, verwöhnen die Ohren. Das Gefühl, welches man von KIDCRASH bis hierhin vermittelt bekommt, ist eigentlich dem sehr ähnlich, welches man während des Konsums von "Jokes“ erleben durfte. Auch „Slow Applause“ stellt zur Mitte hin einen dieser Wegweiser dar, die einem helfen sollen, sich in all dem Gewirr auch nur annähernd zurecht zu finden. Dazwischen regiert aber zu weiten Teilen ein kreatives Chaos, bei dessen Genuss man sich wünscht, nur einmal einen Blick in die Köpfe der einzelnen Bandmitglieder werfen zu dürfen.

KIDCRASH sind aber nach wie vor grandiose Musiker und wissen, sobald sich ein wenig Licht durch all das Dunkle frisst, zu unterhalten. Besonders die Gitarrenarbeit lässt den Mund oftmals weit offen stehen. Diese wirkt größtenteils fast lieblich leise, was für ein angenehmes Hörerlebnis sorgt. Wenn man hier also ein paar Ideen weniger verwurstet hätte, ja dann hätte „Snacks“ ein würdiger Nachfolger werden können. So bleibt das Aha-Erlebnis leider zu weiten Teilen aus und was bleibt, sind ein paar Musiker, die für sich persönlich sicher ein durch und durch schlüssiges Album geschrieben haben, den größten Teil ihrer Hörerschaft damit aber wohl oder übel überfordern werden. Was sich jetzt durchaus negativ anhört, ist eigentlich gar nicht so gemeint, denn letztlich ist es ja löblich, dass man nicht immer nur die gleiche Kost aufgetischt bekommen. "Snacks" ist eigentlich nicht mehr, als ein großes Puzzle. Wenn man als Hörer die passenden Teile nicht findet, schlägt man einfach immer wieder so lange auf ein unpassendes ein, bis es sich fügt und in die Lücke zu gehören scheint - genau so verhält es sich mit diesem Album. Hat man das erst einmal kapiert, hat man dann doch eine Weile seinen Spaß!

Tracklist:

01. Space Between Mountains
02. Where Nerves Were
03. Grim Collections
04. Wound Eraser
05. Slow Applause
06. Brainsnares
07. Sleeper Wave

Alte Kommentare

von Heinzelmann 02.12.2009 12:59

hört sich doch richtig geil an das teil, bei denovali darf mans anhören (wie so oft) ich finde die komplexität nicht störend, braucht halt n paar anläufe bis se richtig kommt.

von Alex // Allschools 02.12.2009 13:06

Sag ich ja, dauert halt :) Ich weiß auch, dass man eigentlich Vergleiche besser lassen sollte, aber es muss sich eben mit Jokes messen und das war einfach stärker!

von Heinzelmann 02.12.2009 13:09

ja stimmt schon. deswegen darf man sein meisterwerk als band immer erst kurz bevor man sich auflöst schreiben, so wie at the drive-in. dann passiert sowas nicht :)

von Alex // Allschools 02.12.2009 13:17

Ist sicherlich nicht der unschlauste Schachzug, könnte auf Dauer dann ja aber auch langweilig werden, wenn nur noch mittelmäßige Platten rauskommen, haha.

von fu 03.12.2009 20:52

'screamo' scheint nicht so dein spezialgebiet zu sein, oder?

von Bobby D 05.12.2009 15:31

ganz nett... kann gegen bob dylan aber einpacken

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Alex G.

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