Plattenkritik

L\'Esprit Du Clan - Chapter V: Drama

Redaktions-Rating

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Release Date: 29.08.2011
Datum Review: 28.09.2011

L\'Esprit Du Clan - Chapter V: Drama

 

Als ich “Chapter V: Drama” in den Händen halte, erwischt mich eine kleine Nostalgiewelle, denn ich erinner mich dunkel an meinen Freund Ocke, der mir im noch sehr jungen Jahrtausend vor ein paar Jahren, auf dem Weg nach Münster, eine CD einlegte, auf der eine französische Hardcore Truppe in Oldschool Manier loslegte. Damals begeisterte mich mehr der Name “Der Geist des Clans”, als die Musik. Heute, mir “Chapter V: Drama” verhält es sich anders!

Zuerst bin ich überrascht, denn L´ESPRIT DU CLAN setzen zwar weiterhin auf ihre französischen Texte, ein nationales Selbstverständnis der Franzosen, das mich immer wieder überrascht, sind jedoch musikalisch in den letzten Jahren unglaublich gewachsen. Songs wie “Belzebeuth & Jesus”, “Royaume De La Peur” oder “Impérialisme” sind epische, dunkle, harte Metalsongs, die Luft zum Atmen und Leiden lassen. Wie bei einer Elektroschocktherapie, setzen die Franzosen und Extremtourer auf signifikant gesetzte Ruhephasen, bevor sie mit einem weiteren Riff-Gewitter über den Hörer herfallen. Zwar klingen sie nun metallischer, als noch vor vielen Jahren, das macht aber gar nichts. Die Songs sind aus privaten Schicksalsschlägen heraus entstanden und aus der Motivation heraus, sich den Unebenheiten auf dem Weg des Lebens zu stellen.

“Chapter V: Drama” ist ein vernichtendes Werk neuzeitiger Metalkunst. Die HC Anleihen noch durchschimmern lassend, baut der CLAN nun vor allem auf Atmosphäre, die wir bei Bands wie ISIS oder OPETH finden, vermischen diese mit Blackmetal-Anleihen á la OLD MAN´S CHILD und gebe noch eine deftige Spritze Deathmetal hinzu. Das Ganze wird dann noch mit dem nötigen Element Beatdown versehen und schon hat man eine schmackhafte Suppe modernem Metal, der mit Sicherheit für viel Spaß im Moshpit sorgt.
Bezeichnend ist die Fähigkeit von Hochgeschwindigkeitspassagen zurück in melodiöse Midtempi zu kommen, bevor man sich wieder in den beliebten 2/4 Takt fallen lässt. Das alles so homogen und doch spannend, wie ich es selten gehört habe und auch nicht gerne mit anderen Bands vergleichen würde.

Bei “Chapter V: Drama” kann man den Schmerz, die Wut, den Verlust und die Trauer, welche hier vertont wurden förmlich spüren, auch wenn mein Französisch hart eingerostet ist und ich nicht behaupten möchte, ich könnte die Lyrics verstehen. Sie behandeln aber laut Pressemitteilung nicht nur persönliche Verlusttraumata, sondern auch den französischen Konservatismus, der für viel Unruhe im Land sorgt, und natürlich (wie kann es anders sein) natürlich auch die Hypothese, dass jegliche Religion phantastischer Unsinn ist.

Was fehlt ist guter cleaner Gesang und hammer Gitarrensoli für die volle Punktzahl. Reicht aber auch so noch für Begeisterungsstürme. Ein bisschen mehr Variation im Schreigesang und vielleicht noch ein bisschen mehr von den progressiven Einschüben.

Dass “Chapter V: Drama” das Dunkelste Album der Band ist, mag ich gern glauben. Es ist für mich das Dunkelste, das ich bislang in 2011 gehört habe. Ich liebe diese Platte jetzt schon, obwohl es erst der zweite Durchgang ist. Der Sound, das Arrangement, die Stimme, die Gitarren, die Energie, die destruktive Dynamik ist einfach herzzerreißend anmutig. Da kommen dunkle Gedanken...schnell eine Prise MR. PRESIDENT mit “Coco Jambo”, haha.

Tracklist
1. Atheist Metal
2. Déclarations
3. Fils De Personne
4. Belzebuth & Jesus
5. Royaume De La Peur
6. Des Astres
7. Impéralisme
8. Le Jour Des Saigneurs
9. Guerre Mentale
10. Noir Sidéral
11. Catharsis

Alte Kommentare

von Fast wäre es ein 28.09.2011 14:18

gutes Review geworden. Doch dann kommt man zum letzten Satz! Der versaut alles. No Go, und kommt mir jetzt nicht mit Humor und Ironie. Schade, lässt aber tief blicken.

von Black Coffee 28.09.2011 14:39

Dunkle Gedanken und "Coco Jambo"? Also ich finds ein gelungenes Wortspiel. Ein Schelm der böses dabei denkt.

von Clement 28.09.2011 14:51

ich bin mir 100% sicher, dass das nur auf die "oberflächliche" musik bezogen war und mit dunkel = hautfarbe aber rein gar nichts zu tung hatte!!!

von Der Autor 29.09.2011 13:23

Mich hat dieses Album sehr bewegt und ich begann mich über die eigenen eher destruktiven Gedankengänge zu wundern, die die Band in mir weckte. Daher der "Witz" mit "Coco Jambo", um mich einfach wieder aufzuheitern. Ich wollte diesem Album damit nur eine unglaubliche emotionale Komponente bescheinigen, die auf mich sehr stark affektiv wirkte und daher unglaubliche Authentizität besitzt. In dieser Hinsicht habe ich "tief" blicken lassen, ja. Ich weise jegliche absurden Rassismus-Vorwürfe von mir! Zumal Mr. President zu 2/3 aus weißen Damen bestand. Zudem besitze ich diesen Song nicht. Sollte ich jemandem (ungewollt) mit diesem Spontan-Witz (ob nun lustig für jedermann oder nicht) in seiner ethisch- und politisch-korrekten Grundhaltung beleidigt haben, tut es mir leid! Mir fehlt anscheinend die nötige Bedachtheit und Sensibilität. Oder auch einfach nur das Verständnis für das Problem, das her diskutiert wird. Mfg Linc

von Der Autor 29.09.2011 13:26

Oha, und anscheinend auch ein gewisses Gespür für Tippfehler, aber ich denke ich habe meinen Standpunkt klar gemacht. Es geht hier um die Musik und nicht um die Verknüpfung "dunkle Gedanken" und dem farbigen Rapper von Mr. President. Würde sich jemand aufregen, hätte ich spontan an Davi Hasselhoff gedacht? Oder hätte man mir dann unterstellt ich würde etwas gegen alkoholkranke B-Promis haben? Wie gesagt, ich werde an diesem Fehlverhalten meinerseits arbeiten!

von @Linc 30.09.2011 07:17

Mach Dir keinen Kopf, und ein Büßergewand musst Du Dir schon garnicht anziehen. Fuck ´em if they can´t take a joke!

von Martin B. 04.10.2011 14:37

Genau so ein scheiß Review wie alle andern Allschools Reviews auch.

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Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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