Plattenkritik

Long Distance Calling - Avoid The Light

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Release Date: 24.04.2009
Datum Review: 12.04.2009

Long Distance Calling - Avoid The Light

 

Facettenreicher, leichtfüßiger, atmosphärischer, ausgereifter: LONG DISTANCE CALLING treten mit ihrem Zweitwerk "Avoid The Light" wieder einmal den Beweis an, dass aufwühlende Musik auch (fast) ohne Stimme auskommt. So etwas lässt sich immer schwer in Worte fassen. Ein gescheiterter Versuch:

Das langweilige Intro inklusive einiger Gemeinplätze
Die Etiketten haben es sich hinter sich. Schon lange. Musik in Ermangelung eines besseren Begriffs mit dem Post-Präfix zu versehen, mag es der schreibenden Zunft zwar erleichtern, Zeilen zu füllen – getting black on white und so – aussagekräftig bleibt jenes Affix jedoch selten. Wir versuchen es mal anders. Beschreibung in Adjektiven und Stimmungen. Und Zahlen. Für den Empiriker in uns. "Avoid The Light" sind sechs Songs, Gesamtspielzeit fast 55 Minuten. Ausufernd, majestätisch, gekonnt. Kurt Ebelhäuser (u.a. BLACKMAIL) hat die Aufnahmen betreut, eine exzellente Wahl. Das Album klingt schön offen, kräftig, basslastig, abwechslungsreich und so gar nicht nach diesem muskelstarrenden Produktionsprotz, der viele zeitgenössische Aufnahmen auszeichnet. Für das persönliche Hörvergnügen ausgestattet mit diversen auditiven Gimmicks, eine klassische Kopfhörerplatte halt. Aaron Turner von ISIS würde jetzt von ear candy sprechen.

Sezieren einzelner Songs (auch hier: Gemeinplätze)
Psychedelisch, sich stetig aufbauend und mit enormer Varianz im Schlagzeugspiel (hervorzuheben: die gemäßigt-getaktete Doublebass nach etwa fünf Minuten) leitet das längste Stück 'Apparitions' in das Album ein. 'Black Paper Planes' wiederum beginnt forsch rockend, lädt Dramaturgie mit Schlagzeug-Rhythmus auf, atmet Ambient-Atmosphäre und zerfällt zum Schluss hin in tausend wärmende Klänge. Und da Prinzipientreue so eine schöne Sache ist, darf gegen Ende des Albums doch wieder gesungen werden. Und wie. Jonas Renske von KATATONIA haucht 'The Nearing Grave' träumerisches Leben ein. Kraftvoll, zugleich fragil und unaufgeregt-beschwörend thront Renskes Organ über Klanglandschaften, die ein wenig an DREDG erinnern. Wunderschön. 'Sundown Highway' markiert den tempovariierten Schlusspunkt eines Albums, welches die auf dem Vorgängerwerk angedeuteten Stärken der Band fast beängstigend leichtfüßig auszubauen weiß. Der gute Dramatiker ist sich im klaren darüber, dass am Ende ein unkitschiges Akustik-Outro mit perkussiver Begleitung stehen muss.

Der Schlussabsatz: Noch so ein paar Gemeinplätze und eine nicht allzu gewagte Prognose
LONG DISTANCE CALLING steigern sich mit "Avoid The Light" hörbar. Irgendwo zwischen DREDG, EXPLOSIONS IN THE SKY und MOGWAI behaupten sie ihren Spitzenplatz in hiesigen Instrumentalmusikgefilden. Nichtsdestotrotz beschleicht den aufmerksamen Rezensenten unweigerlich jene Vorahnung: Sie werden immer Kritikerband bleiben. Auch wenn die oftmals nicht wissen, was sie schreiben sollen.

Tracklist:

01: Apparitions 12:16
02: Black Paper Planes 7:13
03: 359° 7:51
04: I Know You, Stanly Milgram 10:20
05: The Nearing Grave 7:42
06: Sundown Highway 9:10

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René

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