Plattenkritik

Make Do And Mend - End Measured Mile

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 26.10.2010
Datum Review: 09.11.2010

Make Do And Mend - End Measured Mile

 

Okay, es ist noch kein Jahr her, dass die erste EP der Ausnahmemusiker aus Connecticut hier amtlich abgefeiert wurde, da legen die Herren ihr erstes offizielles Album vor. Doch es geht nicht genauso kraftvoll weiter wie auf dem Erstlingswerk. Die Erststimme vielleicht noch ein bisschen mehr mit dem Reibeisen bearbeitet, aber ansonsten ist etwas verloren gegangen. Was das ist, das verrate ich zum Schluss.

Die ersten drei Songs hören sich MAKE DO AND MEND nämlich einfach nur an, wie eine HOT WATER MUSIC FOO FIGHTERS- Abklatschband. Nicht weniger kraftvoll, aber eben dieses gewisse Etwas fehlt. Instrumente werden in den Gesangsparts dezent zurückgenommen. Eines von beiden spielt meistens die Hauptrolle, der Unbescholtene Hörer würde dem Herrn Sänger bestimmt gerne eine Packung Ricola schenken. „Ghostal“ kommt ein bisschen in die alte THRICE Ecke, zaubert dazu aber auch noch ein bisschen Sprechgesang aus dem Zylinder. Gab es bei „Bodies Of Water“ zwar noch nicht, ist aber nicht wirklich MAKE DO AND MEND. Und dieses Wechselspiel der Hauptrollen zwischen Gesangsparts und Intrumenten auf Dauer schon etwas zermürbend und einfallslos.

„Transparent Seas“ beginnt auch erschreckend Emo. Zum Glück bekommen MAKE DO AND MEND hier die Kurve noch rechzeitig und schaffen es der takteweise Traurigkeit keine wirkliche Chance zu geben. Zwar kehrt sie immer wieder, aber der Resignation und zirkulär auftretenden Infragstellung der Umstände können sie auch noch ungehemmt ins Gesicht schreien. Am Ende erhält man die Quintessenz, dass es irgendwann doch noch besser wird. Oder wenigstens anders. Und das ist auch der erste Song auf dem Album welcher einen an die Besonderheiten der letzten EP erinnern lässt.

Als Träumer wir man aber abgestraft. „For A Dreamer“ ist mit Sicherheit das Düsterste Stück auf dem Album. Alles gerät außer Kontrolle, Gesang und Instrumente. Schon fast gegesätzlich driften sie auseinander. Wenn das mal nicht ein Alptraum ist. „Thanks“ schafft es trotz Verlangsamung zur Fastballade einen gewissen Schwung nicht zu verlieren. Aber irgendwie immer noch Abklatsch.

Bis einschließlich Track 8 von 10 klingen MAKE DO AND MEND weniger eingänglich, eher monotoner und schaffen es nicht wirklich einen vom Hocker zu rupfen. Die wirklichen Kracher kommen dann aber doch noch. Leider nur zwei an der Zahl. „Firewater“ bringt die detailverliebten und die schwungvoll verzerrten Gitarren direkt und vor allem gemeinsam an die Startlinie. Da ist er wieder der zweistimmige Gesang und vor allem diese langgezogenen Gitarrenklänge. Frauenfeengesang taucht auf, ein wenig irritierend aber nicht unpassend. Der Gesang und die Instrumente geben sich eher einen Rangelkampf um den Platz in der ersten Reihe. Und dann die ersten Streicher! Endlich! Eben jene, welche einem früher schon bei der Show im Geiste die Schweißperlen auf die Stirn trieben. Wunderbar! Großartig! Bei Fireworks noch fast im Stile alter Mittelaltermetalbands, ohne den Postpunk aus dem Auge zu verlieren. Vokalchorus auf „A“ im Hintergrund. „Night´s The Only Time Of Day“ beginnt so klar und geht so gut nach vorne wie die Sachen von „Bodies Of Water“. Hier wird aufgezeigt, was diese Band ausmacht. Die Geige geht Hand in Hand mit den Gitarren. Das ist der Moment in dem man diese Band ebenso uneingeschränkt und gnadenlos abfeiern kann, will und muss. Das Herz zerspringt einem fast vor Freude. Sie nutzen das Soundvolumen, welches sie doch noch beherrschen. Das „So it goes“ im letzten Song klingt fast schon ein bisschen schnippisch. Vielleicht hätten wir nicht zuviel erwarten sollen. Übrig bleibt ein Loch und die Leere und Stille das das Cello nach 4:21 Minuten leise davonstreicht. Zu Ende gemessen, vielleicht ein bisschen vermessen. Definitiv zu spät losgelegt. Schade.

Es hätte so schön werden können. Zwei richtig gute, „typische“ MAKE DO AND MEND Songs auf dem Album. Reicht das? Ich bin ein wenig enttäuscht...

Tracklist:
1.Unknowingly Strong
2.Oak Square
3.Ghostal
4.Transparent Seas
5.For A Dreamer
6.Stand Stagger
7.Keep This Thanks
8.Firewater
9.Night´s The Only Time Of Day

Alte Kommentare

von veganhardcore 09.11.2010 22:40

muss dem review leider zustimmen, aber ne 7 ist ja auch ok :)

von Fabian 10.11.2010 06:48

War nach den großartigen beiden EPs auch etwas enttäuscht, die Split mit Touché Amoré ging ja schon etwas weg von dem typischen Sound der EPs aber Album hat nach mehrmaligem "schönhören" immer noch genug zu bieten und live machen Transparent Seas oder Unknowingly Strong bestimmt auch Spaß. 8/10

von naja... 15.11.2010 09:26

ja, irgendwie anders, aber find die Songs trotzdem ziemlich gut. Die HWM Referenz ist auch nicht tragisch. 8/10. Hätte das Album allein schon der Band zuliebe gerne in dem Empfehlungen gesehen.

von Sascha 17.11.2010 12:16

Bin zuversichtlich, dass das Album trotzdem ein Hit wird. Klar, an "Bodies..." ranzukommen dürfte schwer werden, aber ich fand auch die Songs auf der Split mit Touche Amore sehr stark.

von veganhardcore 17.11.2010 15:17

definitiv...die split war noch auf dem bodies and water niveau!

von mrv 04.01.2011 12:52

ich find die platte eigentlich übelst abgefahren, auch wenn anders.

von lululu 14.01.2011 11:39

"ich find die platte eigentlich übelst abgefahren, auch wenn anders." ^this

von DrKolossos 18.01.2011 12:29

Mir gefällt die Platte sehr gut. Die geht sofort ins Ohr ohne sich anzubierdern! Sehr schön. Gerade "Ghostal" und "Firewater" haben es mir schwer angetan. Hoffentlich wird die Tour bald nachgeholt, denn mich macht das Album süchtig nach mehr!! Uneingeschränkt zu empfehlen.

von alex 05.03.2011 11:08

Die Platte is der Knüller. Die Rezension überzeugt fachlich wie sprachlich weniger..

von awesom-o 05.03.2011 11:13

kenne das zeugs davor nicht und hab die split auch erst nach dem album gehört, und bin echt überwältigt vom album. 9/10

von Sascha 05.03.2011 13:11

Kann die anfängliche, leichte Ernüchterung verstehen, aber das Teil wächst und wächst und wächst und wächst... Hammer.

von Yeah 18.05.2011 09:50

Yeah, im August mit HOT WATER MUSIC auf Tour!

von Sascha 18.05.2011 10:01

Echt? Wie geil ist das denn?!!!

von Yeah 18.05.2011 14:04

Verdammt geil! :-)

von Töbsen 06.08.2011 20:36

die 7 Punkte sind übertrieben wenig, insbesondere wenn man sich die Songs live gibt. Da lohnt der HWM Besuch schon bei der Vorband. Gestern im Chez Heinz war einfach nur geil. Geht mal alle hin!

von Der Jens 29.02.2012 10:37

Also die 7 ist echt etwas mager. Vor allem wenn man sich ein wenig Mühe macht, und sich mal mit den Texten auseinander setzt, ist doch alleine der Opener schon eine Granate. Im letzten Drittel ebbt es etwas ab, das stimmt. Aber die Platte ist sicher keine pure Enttäuschung wie es hier dargelegt wird.

von auch jens 29.02.2012 15:54

kann jens nur zustimmen. mega gutes album, bei dem die letztenLieder sogar nochmal zulegen können find ich. Wobei Ghostal klar der beste track ist.

von 9,5 / 10 bitte 12.06.2012 18:34

Allein GHOSTAL ! GHOSTAL !! Jule is wohl taub.

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Jule

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wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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