Plattenkritik

MOONSORROW - Jumalten Aika

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Info

Release Date: 01.04.2016
Datum Review: 05.04.2016
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Jumalten Aika
2. Ruttolehto incl. Päivättömän Päivän Kansa
3. Suden Tunti
4. Mimisbrunn
5. Ihmisen Aika (Kumarrus Pimeyteen)

Band Mitglieder

 

Ville Sorvali - Bass & lead vocals
Henri Sorvali - Guitars, keyboards & vocals
Mitja Harvilahti - Guitars & vocals
Markus Eurén - Keyboards
Marko Tarvonen - Drums & vocals
Janne Perttilä – Guitars & vocals (live only)

MOONSORROW - Jumalten Aika

 

Fünf Jahre ist es her, seitdem MOONSORROW ihr letztes Epos mit dem einprägsamen Titel "Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa" auf die Metalwelt losgelassen haben. Ein relativ langer Zeitraum für die umtriebigen Finnen, die ihre Alben in der Vergangenheit in Abständen von zwei bis drei Jahren veröffentlicht haben. Andererseits ist es angesichts der kolossalen Ausmaße ihrer Werke wohl auch eher verwunderlich, dass MOONSORROW trotz dieser vergleichsweise kurzen Intervalle bisher keinen nennenswerten Qualitätsverlust zu verzeichnen hatten. Diesmal hat es also eben etwas länger gedauert, gut Ding will ja bekanntlich Weile haben und hetzen lassen sich die Finnen sowieso nicht. Mit "Jumalten Aika" (übersetzt "Zeitalter der Götter") steht nun das siebte MOONSORROW-Album in den Startlöchern und es stellt sich natürlich zuerst die Frage, ob sich die lange Wartezeit durch großartige Veränderungen im Sound der Band bemerkbar macht. Naja, eigentlich nicht wirklich und doch ein wenig.

 

MOONSORROW stehen nach wie vor für epischen Pagan Metal mit den typischen Zutaten aus Black Metal, folkloristischen Instrumenten, erhabenen Männerchören und atmosphärischen Keyboardteppichen. Dabei bewegen sich die Sorvalis und ihre Mitstreiter wie immer fernab metseeliger Wikingerklischees und bestechen durch eine unglaublich dichte Atmosphäre. Große stilistische Experimente braucht es schlichtweg nicht. Die Variation macht den Unterschied und MOONSORROW präsentieren sich im Verlaufe eines einzelnen Songs meist ohnehin schon facettenreicher als artverwandte Bands auf einem ganzen Album. So kommt bei den fünf Stücken von "Jumalten Aika", von denen mit dem überraschend gradlinigen Stampfer "Suden Tunti" nur eines unter die 10-Minuten-Marke fällt, zu keiner Zeit Langeweile auf. Überhaupt will im direkten Vergleich mit dem Vorgänger auffallen, dass das neue Material diesmal etwas leichter zugänglich und weniger düster geraten ist; trotz Überlänge wirken die Stücke kompakter als noch auf "Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa", ohne dass man dabei von konventionellem Songwriting sprechen könnte. Ein gutes Beispiel dafür liefert der Titelsong, der durch einen großartigen Spannungsaufbau zu begeistern weiß. Im ersten Drittel wird das einleitende Grundthema stetig weitergesponnen und ausgebaut, bevor im Mittelteil angeschwärzte Raserei und finnischer Bombast das Ruder übernehmen, um dann zum Schluss in fast schon ausgelassener Stimmung zu gipfeln. "Mimisbrunn", anfangs noch sehr ruhig und getragen, entwickelt sich mit fortschreitender Dauer zu einem emotionalen Wahnsinnstripp, bei dem einem nur ungläubig die Spucke wegbleiben kann. Das alles hat etwas von einem epischen Soundtrack, der zur Entfaltung seiner Wirkung keinen Film benötigt; man muss bloß die Augen schließen und sich von der Musik in eine andere Welt entführen lassen.

 

Im Wesentlichen funktionieren alle Songs auf "Jumalten Aika" nach diesem Prinzip, wobei hier natürlich wieder das Wechselspiel unterschiedlicher Stimmungen und Atmosphären als großer Trumpf der Finnen anzumerken ist. So ziehen sie den Hörer im Verlaufe des Albums mit ausladender Epik, einem verstärkten Augenmerk auf mystische Folklore und auch mit dem ein oder anderen BATHORY-Gedächtnis-Riff in ihren Bann. Genau genommen verdient fast jeder Titel des Albums sein eigenes ausführliches Review, grundsätzlich kann man dieser Musik aber mit Worten ohnehin kaum gerecht werden. Die Magie von "Jumalten Aika" muss man einfach selbst entdecken und auf sich wirken lassen, Beschreibungen helfen da nur bedingt.

 

MOONSORROW ist also wieder ein außergewöhnliches, wahnsinnig vielseitiges und fesselndes Album gelungen, mit dem sie weiterhin außer Konkurrenz stehen und erneut beweisen, dass Pagan Metal sehr viel mehr kann, als mit beliebigem Rumgedudel, Saufliedern und plumper Heldenromantik den Freizeitwikinger zu begeistern.

 

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Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.

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