Plattenkritik

Mount Washington - Mount Washington

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Release Date: 10.02.2012
Datum Review: 23.02.2012

Mount Washington - Mount Washington

 

Die Chancen, beim googlen auch nach der Umbenennung von WASHINGTON in MOUNT WASHINGTON mehr Ergebnisse zu erzielen, die sich tatsächlich der Band (und nicht dem dritthöchsten Gebirgsteil der Appalachen) widmen, stehen nahezu der Anzahl der Songs gegenüber, die diese skandinavischen Wahlberliner nach der Produktion ihres vierten Longplayers hätte über Bord stoßen sollen.


Berlin im Winter kann gemein sein. Mindestens genauso fies und ausgeprägt ist jene Jahreszeit jedoch sicher in Tromso, der eigentlichen Heimat von Rune Simonsen und seiner Band, die es vor gut zwei Jahren inklusive Proberaum in die deutsche Großstadt zog. Nach „Rouge/Noir“ ziehen die Indiepopper mit „Silver Screen“ oder „Lisboa“ vollkommene und transparentere Melancholieperlen aus dem Hut, der nicht überheblich, aber auch nicht monoton mit musikalischen Wegelandschaften gespickt ist. Verstrickt sich „Next Year“ auch anmutend und doch aufregend im eigenen Takt, so löst die ungetrübte Art, auf die sich MOUNT WASHINGTON direkt aus dem Schneetreiben Stücken wie „If Ever“ oder den kullernden Synthesizern des Openers „How Does It Feel?“ nähern, ein Gefühl von Wärme und Kaminfeuer aus. Nicht zu kompliziert oder abgehoben, aber ebenso wenig dröge oder unbedarft plätschert „Concords“ mit bekümmerten Vocals, „A Good Run“ quetscht sich im langen Mantel durch die düsteren Arrangements der vier Norweger. Geht die emotionale Seite der Songs mit zunehmender Spielzeit fast mit der Band durch die Decke, so findet „Mount Washington“ mit „Radio Silence“ ein beinahe sphärisches und betäubendes Ende mit über sechs Minuten voll bedrückten Klangbildern.

MOUNT WASHINGTON spielen wie gewohnt toll mit Sounds, Dramatik und homogener Feder, so dass die zehn neuen Werke mehr können, als bloß nach Schauern und Niesel zu klingen. Treu nach dem Vorbild, mit dem die sonnengefluteten Fotos im Booklet des schmucken Digipacks vorangehen. Auch in New Hampshire ist eben irgendwann mal Sommerzeit.

Trackliste:

01. How Does It Feel?
02. Silver Screen
03. Lisboa
04. A Good Run
05. Toscana
06. Next Year
07. Concords
08. If Ever
09. Broken Home
10. Radio Silence

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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