Plattenkritik

NEW NATIVE - Swing Low

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 12.08.2016
Datum Review: 12.10.2016
Format: Digital Tape

Tracklist

 

1. It Must Be Nice to Be You
2. Swing Low

Band Mitglieder

 

Alex Straub - Drums
Simon Ecker - Bass
Michael Hanser - Gitarre & Vocals
Christian Schwarz - Gitarre

NEW NATIVE - Swing Low

 

Seit dem Umzug von Frontmann Michael sind New Native inzwischen keine hundertprozentige Wiener Band mehr. Dies könnte einer von mehreren Gründen sein, warum die vier Jungs inzwischen etwas in der Versenkung verschwunden zu sein scheinen. Die Songs schreiben sich vermutlich etwas schwerer, noch komplizierter wird es beim Thema Konzerte. Nichtsdestotrotz legen New Native in ihrem gewohnten Turnus (jedes Jahr eine Veröffentlichung) eine EP mit zwei Songs nach.

„Swing Low“ heißt das gute Stück, das neben einem Titeltrack nur noch den Opener „It Must Be Nice to Be You“ aufweist. Zwei Songs nur? Ja, aber beide haben das Hitpotenzial einer eigenständigen Single-Auskopplung. War die „Soul Cult“ EP eine deutliche Progession in Richtung eines vielseitigeren Songwritings, so könnte man meinen, New Native hätten nun endgültig den Dreh raus. Beide Lieder nisten sich in den Gehörgang ein wie das sonst Radiohits tun, nur dass bei „Swing Low“ jegliche peinliche Begleiterscheinung der Pop-Musik (zu glatt, zu aufdringlich, zu repetitiv) ausbleibt. So komisch das klingen mag, aber die Wiener sind einer von den dutzend Künstlern, die ich mir mit meiner Mutter anhören könnte, ohne dass es einen von beiden irgendwann nervt. Im letzten Jahr waren das zum Beispiel Turnover. Woran liegt das? Zum einen überzeugt die glasklare und variable Stimme von Michael noch mehr als auf den vorherigen Veröffentlichungen. Das beste Beispiel dafür ist der Titeltrack „Swing Low“, zu dessen Beginn er sein Gefühl für gute Platzierung des Textes beweist. Zum anderen verzichten New Native mittlerweile komplett auf die Ecken und Kanten der Rock-Musik und setzen stattdessen auf Fingerpicking statt auf Akkorde und auf Atmosphäre und Klarheit statt auf Energie. Dieses Soundgewand steht den Wienern sehr gut, die Parts gehen nahtlos ineinander über und die Songs fließen einfach. „It Must Be Nice to be You“ handelt von einem arbeitsbedingt in der Weltgeschichte herumreisenden Freund Michaels, Swing Low“ hingegen von den gegensätzlichen Gedanken und Gefühlen im Hinblick auf das eigene Perfektionsstreben. Beide Liedern weisen ein schönes Wechselspiel zwischen nachdenklich-melancholischen und optimistisch-aufmunternden Anteilen auf, die die textlichen Ambivalenzen im Hinblick auf diese persönlichen Stories sehr gut einfangen. Ob das so von New Native geplant war oder eher meine Interpretation der Dinge ist? Wenn ja, und davon gehe ich aus, dann: Chapeau!

 

Bezogen auf die vorherigen beiden EPs konnte der geneigte Hörer vielleicht noch Vergleiche mit Bands wie Seahaven oder Balance & Composure ziehen, doch mit „Swing Low“ spielen sich New Native soundtechnisch in eine eigene Liga. Gäbe es in unseren Gefilden ein Label à la Run For Cover oder Topshelf Records, wären New Native schon lange eine Konsensband und ständig auf Tour. Da bin ich mir sicher. Momentan sind sie für unseren Kosmos nach wie vor ein Geheimtipp. Hier ein Weekender mit Twin Red, dort ein Weekender mit The Cardboard Swords. Das sind natürlich super Bands, doch die große Aufmerksamkeit abseits von kleinen DIY-Shows bleibt nach wie vor aus. Dabei würden New Native denkbar gut in das Vorprogramm einer Band wie beispielsweise Moose Blood passen. Man könnte eine EP mit zwei Songs durchaus als Teaser für ein Album verstehen. Die folgerichtige Frage ist daher natürlich: Kommt eines? Und wenn ja, bringt es den (Ex-)Wienern endlich ein angemessen großes Echo?

Autor

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Marcel M.

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