Plattenkritik

Niila - Abheutsindwirnichtmehralleine

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Release Date: 27.01.2012
Datum Review: 18.03.2012

Niila - Abheutsindwirnichtmehralleine

 

Von sich selbst sagen NIILA, dass einer ihrer größten Einflüsse der Film "Populärmusik aus Vittula" sei. Kindheit an der dänisch-schwedischen Grenze. Tut man sich das was sie auf ihrem Debutalbum präsentieren dann mal rein, erinnert man sich doch auch an die alte Hamburger Schule plus eine ordentliche Portion Orgel. Und wenn der Orgel immer das leicht angestaubte Image des Alleinunterhalters auf runden Geburtstagsfeiern auf dem Land zwischen Eierlikör und volltrunkenen Onkels und Tanten anhaftet, dann ist es NIILA vielleicht einfach mal egal. "Cola trinken" klingt auch ziemlich alt. Doch NIILA versuchen dieses Image mit rotzigen, streckenweise chaotisch und verwirrend klingenden Gitarren ordentlich abzuschütteln. "Die Spucke auf deiner Zunge" könnte auch locker als Rotz mitten ins Gesicht durchgehen. Dennoch wirkt der Sound größtenteils trist, nebst den Texten könnten wir bei der Filmbeeinflussung auch beim Charme von "Absolute Giganten" und den dort gezeigten Hochhaussiedlungen bleiben. Es ist ein Fluch mit den Parallelen.

Doch zum textliche Dargebotenen passt der Sound ganz gut. Songs von Liebe und zwischenmenschlichen Beziehungen mit all ihren Facetten: fröhliche unbeschwerte Freundschaft; kopflose Liebe; besorgte, kummervolle Freundschaft; zerstörte, schmerzende, hoffnungslose Liebe. Vielleicht spielten da VOLTAIRE aus Bonn auch eine Rolle. Normativitätsverständnis vs. Individualisierung und wie man verwirrt dazwischensteht, sind immer wieder zentrale Themen. Ein wenig Sturm und Drang? Wohl kaum, wenn man sich die Szenen in welchen man so abtauchen kann so anschaut. Somit treffen NIILA vielleicht gerade hier den Zahn der Zeit und rammen den quietschenden Bohrer voll in den von Karies ausgehölten Backenzahn, um ihm anschließend die Amalgamfüllung zu verpassen. Privat oder Kasse? Das tut an dieser Stelle keinen Unterschied. Vielleicht ist es auch egal ob Einfamiliendoppelhaushälfte oder Plattenbausiedlung. Die Emotionen und der Schmerz sind der gleiche. Einfach sind NIILA nicht, doch Krawall kann sich so und so entladen. Warum nicht also die Orgel aus dem Vereinsheim der Kleingartenanlage klauen und damit Rabatz machen, um das mal loszuwerden, Grenzen zu überwinden und Menschen zu verbinden? Bitteschön. Auf zu mehr Gemeinschaftsgefühl!

Tracklist:
1. Das Kribbeln der 1000 kleinen Beine (Sie weinen unsere Tränen)
2. Big Love Forever (Der Kirschbaum blutet aus seinen Narben)
3. Das Labyrinth (In einer Welt voll Spaß und Glück)
4. Warum willst du dich zerstören (Deine schönen Hände haben lang genug gezittert)
5. Cola trinken (Wir lachten und war´n glücklich)
6. Nachts (Das erste Mal Küssen mit Zunge)
7. Blass und jung und gut (Wir hielten uns am Leben)
8. Die Spucke auf deiner Zunge (Wer den ersten Stein wirft)
9. Die Hochzeit (Du bist meine Frau)
10. Das Mädchen ohne Hände (Sie wuchs auf bei den Wölfen)
11. Anna räumt von Hollywood (Dein Wunsch ist ein rotes Band)
12. Selbstbetrug (Keine Ahnung ob das hält) – Liebe & Rock´n´Roll

Alte Kommentare

von :) 18.03.2012 18:52

Also Unterhaltungsniveau hat es in jedem Fall ;) ;) ;) Großes Tennis! Über die Qualität sollen sich andere den Mund zerreissen! Aber "...Normativitätsverständnis vs. Individualisierung; rammen den quietschenden Bohrer voll in den von Karies ausgehölten Backenzahn, um ihm anschließend die Amalgamfüllung zu verpassen. Privat oder Kasse? Das tut an dieser Stelle keinen Unterschied. ..." sprechen für sich!

von fail 19.03.2012 13:23

xDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDD

Autor

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Jule

Autoren Bio

wäre gern teil einer postfeministischen emopunkband/ verbalprimatin/ kuchenveganerin/ ich kann mir keine songtitel merken, selbst die meiner lieblingssongs vergesse ich.../ ich bin nicht betrunken, ich bin immer so/ fraujule.blogspot.de

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