Plattenkritik

Norman Brannon - The Anti-Matter Anthology - A 1990s Post-Punk & Hardcore Reader

Redaktions-Rating

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Release Date: 01.01.2007
Datum Review: 03.01.2008

Norman Brannon - The Anti-Matter Anthology - A 1990s Post-Punk & Hardcore Reader

 

"I´ve never really seen a book about hardcore or post-punk that didn´t somehow wind up a bloated nostalgia trip or an entry into some sort of mythical sweepstakes for credibility [...]. I don´t believe this era had better bands or cooler people, and I´ve never found myself pining to relive it."

- Norman Brannon 2007 -

Steven Blush lag falsch. Zu Teilen zumindest. Der von ihm prognostizierte Tod eines Genres namens Hardcore ist nicht eingetroffen. Für ihn – Autor des ebenfalls essentiellen "American Hardcore: A Tribal History" war ab 1986 alles vorbei. Norman Brannon (geboren Norman Arenas), 33-jähriger Autor und ehemaliger Musiker in solch einflussreichen Bands wie RESSURECTION, 108, SHELTER, TEXAS IS THE REASON und NEW END ORIGINAL lässt seine Gesprächspartner eine andere Geschichte erzählen.

In den Neunzigern begann ein Musikgenre damit sich auszudifferenzieren, sich zu emanzipieren. Vieles wurde neu entdeckt und weiterentwickelt: Melodien zum Beispiel, aber auch technisches Können, introspektive Texte und der Crew-Habitus. "The Anti-Matter Anthology" fasst die Arbeiten Brannons erstmalig in Buchform zusammen und tut dabei das einzig richtige: es lässt die damaligen Protagonisten die Geschichte ihrer Bands aber auch ihre eigene erzählen – ohne dabei auf Vollständigkeit bedacht zu sein. Eine Menge bedeutender Bands fehlen in Brannons Kompendium und der Fokus liegt verstärkt auf Bands aus dem Revelation Records-Umfeld – ein Label, welches stets ein guter Indikator für momentan entstehende Strömungen (man könnte auch sagen: Trends) in der Hardcore-Szene gewesen ist. "The Anti-Matter Anthology" beansprucht nicht für sich pseudo-akademisch unterkühlte Musiktheorie zu sein, der Leser erhält vielmehr mittels kleiner Ausschnitte, unmittelbare Einblicke in das Innerste der Interviewpartner. Diese gestalten sich mal schlicht informativ, mal amüsant und mal berührend. Da ist zum Beispiel dieser kleine charismatische Sänger einer immer noch sträflich unterbewerteten Band, der einfach seine Klappe nicht halten kann und in großspuriger Manier über Ian MacKaye (u.a. TEEN IDLES, MINOR THREAT und FUGAZI) herzieht – im Beisein von dessen Schwester. Oder dieser gedreadlockte Sänger/Rapper mit politischem Sendungsbewusstsein, der sich einmal einem Interviewer - und damit auch in schmerzhafter Konsequenz der Welt - ein Stückchen zu weit öffnet. Mündliche Absprachen sind im Musik-Biz scheinbar nicht viel wert.

Norman Brannon lädt dazu ein auf musikalische Entdeckungsreise zu gehen. Alle diejenigen, die bestimmte Bands aufgrund der Ungnade der späten Geburt verpasst haben, können dies in den entsprechenden historischen Kontext gebettet jetzt nachholen. Alle diejenigen, die besagten Bands ihre musikalische Sozialisation zu verdanken haben, werden das Buch eh schon verschlungen haben. Der Rest kann sich an informativen, teils in sympathisch-naiv entwaffnender Weise geführten (der Autor veröffentlichte sein erstes Fanzine im Alter von 19 Jahren) Interviews und zeitlosen, ästhetischen Schwarz/Weiß-Aufnahmen erfreuen.

Brannon, der die Idee für dieses Werk mehrere Male wieder verwarf, würde "The Anti-Matter Anthology" statt neben "American Hardcore: A Tribal History" lieber neben "Naked" im Bücherregal seiner Leser stehen sehen. Letzteres erzählt die Geschichte eines Twenty-Somethings aus der Perspektive der Leben anderer Personen. Genau das tut Brannons Buch auch. In der Hardcore-Version. Absolut essentiell!


250 Seiten, englisch

Interviews mit und Stories über:

Samiam
Into Another
Quicksand
Rage Against The Machine
Glen E. Friedman
Mike Judge
Sick Of It All
Elliot Smith
Ian MacKaye
Orange 9mm
Mouthpiece
Outspoken
Endpoint
Shelter
Rancid
Ressurection
Jawbox
Garden Variety
Stormy Shepherd
Down By Law
Snapcase
Sunny Day Real Estate
Chris Toliver
Farside
Shudder To Think














Alte Kommentare

von juad 07.01.2008 14:33

vergebliche liebemüh.. seit wann können hc-kids lesen? und noch dazu englisch?

von hammer 18.01.2008 21:32

geil alter!

Autor

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René

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