Plattenkritik

Only Crime - Pursuance

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Release Date: 16.05.2014
Datum Review: 07.05.2014

Only Crime - Pursuance

 

Seit eh und je benutzt Russ Rankin Musik als Ventil. Romantik, Wut, Trauer, Politik oder Szenepeitschen knotet er gekonnt und leidenschaftlich zu bissfesten Songs zusammen. Als Frontmann von ONLY CRIME macht er das viel zu selten, wie "Pursuance" würdevoll beweist.

Auf dem dritten Album der kalifornischen Punkband wird hoch gepokert: Rankin ist nicht der einzige, der seine eindeutige Signatur in Songs wie "Emptiness And Lies" oder "Drowning" hinterlässt. Deutlich ist auch die übereifrige Drum-Axt von BILL STEVENSON zu identifizieren und sorgt für ein aufregendes wie abspruchsvolles (P-)Fundament. ONLY CRIME erklimmen mit "Pursuance" den perfekten Bastard aus vorlautem Hardcorepunk ("See It Die"), penibel wie direkt geschmetterten Instrumenten ("Absolution") und bloß der nötigen Portion Schmutz ("Contagious"), die GOOD RIDDANCE nicht zu gestriegelt, ALL hingegen jedoch nicht zu poppig aussehen lässt.

Im breiten Opener "We Are Divided" ueberragen Melodie und Spielgeschehen genauso wie im Midtempo-Pruegel "In Blood", der ohne weiteres auch ein Plaetzchen auf "Operation Phoenix" oder "My Republic" abbekommen haette.
Ob die Band um den engagierten Rankin, Aaron Dalbec (BANE), Bill Stevenson (ALL, DESCENDENTS), Matt Hoffman (MODERN LIFE IS WAR) und Basser Dan Kelly sich wirklich abmueht, oder bloss erfolgreich Erfahrung und Herzblut in das Dutzend Songs pumpt, bleibt oft nicht auszumachen. Von den ausfuellenden und trickreich arrangierten Gitarren ueber die umarmende Stimme bis hin zum dynamisch-as-fuck-Drumming von Urgestein Stevenson laeuft "Pursuance" wie in Schmierfett ertraenkt und in Motorenoel aufgewachsen. "One Last Breath" liefert die triefende Refrain-Melancholie, die das GOOD RIDDANCE-Gefolge in den Schlaf streichelt, "No Truth In Love" hangelt sich durch das Dickicht vorbei an jeglichen stumpfen Drei-Akkord-Dampframmen. Das gereifte (erste Songideen kamen bereits vor ueber fuenf Jahren auf den Tisch) Produkt tut dabei alles andere, als sich selbstgefaellig auf die Schulter zu klopfen. Brachte "Virulence" bereits 2007 nicht nur das Abschiedsalbum von Zach Blair (jetzt RISE AGAINST) hervor, setzen ONLY CRIME mit "Pursuance" und neuer Personalrunde alles aufs richtige Pferd.
Machen wir es kurz: Nach einem galoppiermueden Gaul mit knapp sechsundvierzigjaehrigem Saenger klingt auf der Platte hoechstens die Pause zwischen A- und B-Seite. Diese kann gerne zum Staunen oder beeindruckt Nicken genutzt werden.


Trackliste:

01. We Are Divided
02. Contagious
03. In Blood
04. One Last Breath
05. Drowning
06. Absolution
07. No Truth In Love
08. Find Yourself Alone
09. Life Was Fair
10. See It Die
11. Emptiness And Lies
12. Bred To Fail

Alte Kommentare

von R1c0 08.05.2014 01:49

nach dem review hab ich gar keinen bock mehr die scheibe anzuhören.

von Dan 09.05.2014 09:03

Die Platte ist echt geil. Vorallem die melodien sind der Hammer. Könnte auch gut ein besserer Abklatsch von Good Riddance sein, allein schon wegen der Stimme ;). @R1cO: Hör dir die Platte an und lass dich nicht durch Reviews vorbeeinflussen.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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