Plattenkritik

Propagandhi - Failed States

Redaktions-Rating

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Release Date: 03.09.2012
Datum Review: 31.08.2012

Propagandhi - Failed States

 

Liebe Kinder: Ska doof finden ist einfach. Das Köpfchen einsetzen und an Stift und Instrument überzeugen nicht zwingend. Mit „Failed States“ unterstreichen vier eingesessene Stehaufmännlein daher ihren Status als nimmersatte Rohrbombe unter den Hardcorepunkmetallern. Aber nein, liebe Kinder: Nicht die, vor denen Euch Mama und Papa immer gewarnt haben.


Niemand denkt mehr ans Aufräumen. Und mit Album Nummer sechs holt weder Chris Hannah noch einer der drei anderen Köpfe hinter PROPAGANDHI den Wischmopp aus dem Schrank. Auch wenn „Note To Self“ Zeit zum Überpolieren ließe: Gemächlich spannen die Kanadier den Bogen zunächst und stoßen erst dann in vertraute Gefilde vor. „Devil´s Creek“ oder „Cognitive Suicide“ haben nicht mehr soviel Mitleid und erinnern daran, dass es im Politpunk-Camp keine Sommerferien gibt. PROPAGANDHI sind noch immer wunderbar angepisst, roh und laut - und auf „Failed States“ progressiver und düsterer, als es ihnen manchmal steht. „Rattan Cane“ zum Beispiel ist einmal alles bitte: Melodisch, brutal, kompromisslos, verworren und zu Beginn zögernd. „Status Update“ stammt von anderen Eltern: Geriffe, Hannahs empörte Lyrics und kein Klamüsern: Ein fünfundsechzig Sekunden lang erfolgreiches Energieventil.
PROPAGNDHI wissen nicht erst seit gestern, was sie da tun – und wie sie es möglichst geschickt erst zusammenfrickeln und dann flächendeckend übermitteln. Aus „Things I Like“ spritzen Energie und Volumen, die sofort in Richtung Winnipeg zeigen. Auch „Dark Matters“ fällt positiv ins Gewicht – lebendige Akzentuierungen und Tempiwechsel treffen hier auf eine melancholische Zwischenebene, der David, Chris, Todd und Jord ihr ganz eigenes Level von Punkrock und Abrissbirne einhauchen.

Die Pause nach „Potemkin City Limits“ beförderte mit „Supporting Caste“ ein donnerndes Handzeichen in alle Wohnzimmer, die der Band nach den frühen „verspielten“ PROPAGANDHI noch einen Platz warm hielten. „Failed States“ ist genauso anspruchsvoll und braucht seine Anlaufphase - wie ein Neuwagen, der anfangs nach Plastik und Entfremdung riechen mag. Entlohnungen in Form von „Lotus Gait“ oder dem brennenden Titelsong sorgen jedoch schnell für wieder hochkochende Sympathie und Vertrautheit. Und für das familiäre Gefühl, welches 1994 mit Offbeatbeschimpfungen und freundlicheren Songgerüsten loderte.
Also keine Angst vor PROPAGANDHI, liebe Kinder: Die wollten damals schon und wollen heute es heute immer noch: bloß spielen.

Trackliste:

01. Note To Self
02. Failed States
03. Devil’s Creek
04. Rattan Cane
05. Hadron Collision
06. Status Update
07. Cognitive Suicide
08. Things I Like
09. Unscripted Moment
10. Dark Matters
11. Lotus Gait
12. Duplicate Keys Icaro (An Interim Report)

Alte Kommentare

von wunder- 01.09.2012 11:22

schön geschrieben!

von Derp 02.09.2012 10:10

Jepp, wirklich schhön geschrieben. Leider fehlt mir ein wenig die Bemerkung, welche innovativen Akzente diese Platte setzt. Es ist immer wieder ein Genuss, Propagandhi zu hören, da diese nicht dem üblichen Songconcept folgen. Und das macht diese Platte so wertvoll wie die 3 Vorgänger. Für mich klar 10 Punkte.

von Marcel 02.09.2012 12:51

Wirklich gut, Moppi! Mal reinhören in die Platte.

von thx allschools 02.09.2012 13:14

10 Punkte? Das ist für mich immer so eine genregenerierende oder über allen Maßen herausstechende Platte. Ich würde ich hier irgendwas zwischen 8 und 9 geben. Propagandhi fügen hier "nur" die üblichen Zutaten zusammen. Das dies bei ihnen zu einer überragenden Platte reicht, macht diese Band eben aus.

von fail 02.09.2012 13:34

was ham Propagandhi mit metal am hut? oÔ

von @fail 02.09.2012 16:01

weiß ich nicht, aber erstmal sollte man sich doch fragen, warum sie überhaupt metall am hut haben?

von PillePalle 02.09.2012 17:19

Spätestens seit der Letzten (eigentlich auch schon seit "Potemkin...") ist der Metaleinfluss doch nicht mehr zu leugnen. Auf der Neuen genauso wenig.

von Metal? 03.09.2012 06:58

dann mal reinhören

von noch 05.09.2012 15:24

klasse platte. dass es nichts sonderlich neues gibt, stimmt sicher (und steht musikalisch sehr in _supporting caste_'s tradition). @thx allschools: seh ich ähnlich.

von Tobe 07.09.2012 16:20

eines der besseren cover-artworks dieses jahr.

von Alex 07.09.2012 20:47

Stimmt. Sagt viel aus...

von Alex 19.09.2012 22:08

Falls es jemanden interessiert, hab ein Interview mit Chris Hannah gemacht: http://borderlinefuckup.wordpress.com/2012/09/19/interview-mit-chris-hannah-von-propagandhi/

von Alex 21.09.2012 00:06

Ich fick gern Männerärsche zu Billy Talent.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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