Plattenkritik

Psyopus - Odd Senses

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Release Date: 13.02.2009
Datum Review: 09.03.2009

Psyopus - Odd Senses

 

Du hattest einen anstrengenden Vormittag und kommst ziemlich genervt nach Hause. Du brauchst jetzt Ruhe, einen guten Wein und den tiefen, bequemen Sessel. Und Musik, gute Musik. Du nimmst dir PSYOPUS, denn was kann schlimm aus einem Zusammentreffen von Psyche und Opus sein? Du legst „Odd Senses“ genussvoll in die Anlage und lehnst dich mit einem tiefen Seufzen zurück...“Ach du große Scheiße, was ist das denn?“ sind deine ersten Gedanken. Deine ersten schönen Gedanken. Hat eine Gruppe endlich mal versucht, die letzten Gedanken des Spermas nach Verlassen des Schachtes und vor Ankunft im Taschentuch zu komponieren? Du bist völlig entsetzt und suchst verzweifelt des Off-Schalter. Aber halt, ein beschissen begonnener Tag soll bitte auch beschissen enden. Christopher Arp ist für dieses Gerhirnfick verantwortlich. Die ganze Mannschaft wechselte der Quälgeist aus, um bloß nicht so etwas wie Wiederholung zuzulassen. Völlig krank kommen dir die Sprachsamples vor, die immer wieder auftauchen und immer wieder wiederholt werden. Bald bist du soweit, dass du dich umdrehst und mit Angstschweiß auf der Stirn feststellst, dass keines deiner Opfer hinter dir steht. Wie auch, die sind doch lange tot. Diese völlig irren und abgedrehten Gitarrenläufe, dieses abartig querschießende Bassgezupfe wecken in dir die Erinnerungen an Augenblicke, in denen du dicht vor ihnen gestanden hast und voller Erregung zuschlagen wolltest. Aber wie eine Katze, die mit ihrer Maus spielt hast auch du mit ihnen gespielt. Wie PSYOPUS, die mit jetzt mit dir spielen und genau dann das machen, womit du nicht gerechnet hat. Wenn du auch bisher glaubtest, verrückt zu sein, scheint es doch noch Leute zu geben, die mehr als das sind. Und jetzt merkst du, wie du am ganzen Körper kribbelig genau das gesucht hast, was dir PSYOPUS in „Odd Senses“ bieten, etwas völlig Verstörtes, das einem völlig Verstörten so etwas wie Befriedigung und seelische Ausgeglichenheit beschert. Selten warst du so ruhig nach einem Album, selten war dein Nervenkostüm so glattgebügelt. Genau das hast du anscheinend gebraucht, jemand, der deine zahllosen wirren Enden im Kopf zusammenfügt und die zusammengefügten richtig verknotet. „Es stimmt also doch“ denkst du zum Abschluss, PSYOPUS sind das Werk der Psyche, PSYOPUS sind die Offenlegung von völlig kranken Gedankengängen, die gezeigt haben, dass nicht nur du alleine damit auf der Welt bist. Mit diesem warmen Gefühl im Bauch und einem instrumentalen, sehr ruhigen Schlusssong erhebst du dich aus deinem Sessel und gehst wieder in deine Praxis. Denn der nächste Patient wartet bereits und du bist sicher, was du mit ihm anstellen wirst.

Tracklist:
01. .44
02. Medusa
03. The Burning Halo
04. Duct Tape Smile
05. X And Y
06. Boogeyman
07. Imogen`s Puzzle Pt. 3
08. Choker Chain
09. Ms Shyflower
10. A Murder To Child

Alte Kommentare

von Bumsgeburt 09.03.2009 22:16

sehr sehr geiles album. insbesondere der track choker chain. total krank!

von as6zsa36 09.03.2009 22:38

natürlich hat das album seine irrsinnigen momente, ist aber in gegensatz zum bisherigen stoff teilweise recht straight geworden. das heisst nicht mehr so viel gefrickel. ansonsten aber noch immer typisch psyopus.

von xRISEx 03.01.2010 02:40

Definitiv eins meiner Alben des Jahres und top Review Clement.

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Clement

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Ich fühle mich zu alt

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