Plattenkritik

Revolving Door - Milk & Honey

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Release Date: 26.10.2012
Datum Review: 20.02.2013

Revolving Door - Milk & Honey

 

Und? Heute schon was total Verrücktes gemacht? Einen ganzen Schokoriegel auf einmal gegessen? Und währenddessen noch telefoniert? Oder Eure Rockband "Drehtür" genannt? Nicht schlecht. Heiße Milch mit Honig - trinkt man das nicht zum Einschlafen? Wem nicht mal das X-Factor-Finale inklusive warmem Dosenbier zu crazy ist, der darf bei "Milk & Honey" aufatmen: Liesa, Sabse, Rügi und Litz halten sich trotz ihrer Spitznamen an alle Regeln.

Außer der Geschichte mit dem Bandnamen eben. Zu spät. REVOLVING DOOR kommen aus Erfurt in Thüringen und außerdem ein paar Jahre zu spät: Mit Abklingen der GUANO APES und Neuanstiftung durch PARAMORE hätte dieser freche Alternativeverschnitt vielleicht noch die nullachtfuffzehn Radiofestival-Mutti zum Mitklatschen und jung fühlen bewegt. Oder auch nicht. Mit "Life´s A Bitch" oder "Selachophobia" kommt der Nachfolger zu "Break The Line" mässig in Bewegung - trotz aalglatter Produktion und handwerklichem Schwung fehlen Power und Durchsetzungsvermögen. Das Dutzend Songs arbeitet sich systematisch durch die Checkliste eines vorhersehbaren Poprockalbums: Mitschleifen im ersten Drittel, dann darf Zeit für "Extravaganza" oder Ausbrüche geopfert werden, die im Kapitel REVOLVING DOOR mit "Ode To Champagne" oder "Insane Jealousy" nicht nur textliche Höhepunkte finden. Hier ein "Bitch", da ein "Fuck" - würden wir alles brav schlucken ohne zu kichern, aber "Hey, Hey I Awake In Fear / My Baby Is A Rock Believer" muss doch genauso wenig sein wie "I´m Your Hell / Hate Is All You Pray / I Don´t Give A Fuck If You Die Today".

Auch "Marilyn", hier mal unverhofft auf Melancholie zwischen Hayley Wiliams und einer jungen Amy Lee gestützt, weiß mit lauwarmem Refrain eher zu langweilen als zu applaudieren. Produzent Eike Freese (u.a. CHRISTINA STÜRMER, CALLEJON) erwürgt Trittbrettfahrer und Besserwisser lieber - bevor "Milk & Honey" am Ende noch real rebellisch oder zu lebendig wird sorgt man hier vereint dafür, dass bei den Songmarken brav die "3" vorne stehen bleibt, die Publikumssmartphones mit "My Better Days" ihren niedlichen Lufteinsatz abbekommen und der Titelsong zum Abzappeln und angesäuseltem "Hey Hey!"-Mitgröhlen gleichermaßen geeignet ist. Sängerin Liesa schlägt sich vorneweg am Besten, zerbricht aber an den zu durchsichtigen und vorhersehbaren Songstrukturen, die nach zehn Minuten so spannend klingen wie das Frontcover aussieht. Wem das Tageslicht nicht zu schade für SUNRISE AVENUE oder DIE HAPPY ist, der kann mit REVOLVING DOOR mal schön ein paar Türen eintreten gehen. Dem übrigen meckernden Gespann bleiben imaginäre Highfives mit Rügi, Liesa und Co. - oder der Griff zum aktuellen SILBERMOND-Album, denn schlimmer - auch als "Milk & Honey" - geht immer.


Trackliste:

01. Life's A Bitch
02. Bring Me Down
03. Down Down Down
04. Selachophobia
05. Ode To Champagne
06. Milk & Honey
07. Insane Jealousy
08. Marilyn
09. Swallow
10. Suicidal Rail
11. My Better Days
12. The End

Alte Kommentare

von Batzen 20.02.2013 22:05

Bei den Songtexten rollen sich einem ja echt die Zehennägel auf. Absolute Fremdscham.

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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