Plattenkritik

Rocky Votolato - Hospital Handshakes

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Release Date: 17.04.2015
Datum Review: 06.04.2015

Rocky Votolato - Hospital Handshakes

 

Der Anwärter auf die Taschentuch-Endorsements dieser Welt ist zurück und bringt Herzschläge und Tränendrüsen feinfühlig auf Vordermann. ROCKY VOTOLATO ist ein Profi darin, aus Kummer und Schmerz musikalische Tugend zu machen. Die Entstehungsphase von „Hospital Handshakes“ aber legte zunächst Gesundheit und Privatleben des ehemaligen WAXWING-Kopfes auf die Goldwaage.

Von aller Ausgebranntheit und fehlender Kreativität ist auf dem achten Album zumindest musikalisch nichts auszumachen: Warm und sensibel öffnet „Boxcutter“ mit hintergründiger Slidegitarre und funkelndem Chorus. „Trust that everything happening's perfect“ besingt die vertraute Stimme vielleicht die intensive Schaffensbeziehung zwischen VOTOLATO und Produzent Chris Walla, der mit DEATH CAB FOR CUTIE ebenfalls gerade ein Kapitel seines Lebens abschloss. Natuerlich klopft im beinahe woertlich zu nehmenden Albumtitel keine Befreiung an - das schwimmende „Royal“ allerdings klingt ebenso wenig nach glimpflichem Hilferuf wie die saftigen Momente unter den elf Songs: „White Knuckles“ schielt fast in Richtung THE GASLIGHT ANTHEM, „The Hereafter“ ist emotionaler wie tanzbarer Indierock in Reinform.

„Hospital Handshakes“ ist eine Band-Platte, die trotzdem am Lagerfeuer funktioniert. „I am patient with no patience“ erfährt der Hörer im Titelsong - dann hebt ROCKY VOTOLATO sogar stellenweise den Kopf: ""Rumi" bringt die verzerrte Gitarren von VOTOLATO-Bruder Cody und einen vertraeumten Chorus zusammen, auch "A New Son" groovt angenehm und hell. Vor allem aber spielt der Musiker aus Seattle weiterhin sein grosses Emotions-Tennis mit Folk-Touch, Punkband-Shirt und einem wunderbar abgestimmten Kollektiv um u.a. WARPAINTs Emily Kokal. Ob "So Unexpected" die Seele mit warmen Harmonien streichelt, oder man sich zu "The Finish Line" kaum zu atmen traut - wer den leidenschaftlichen Erzaehlungen Votolatos mit Bedacht folgt, haelt die Summe der Regentage in dessen Heimatstadt bloss fuer den Anfang. Fuer alle anderen ist "Hospital Handshakes" eh nicht gemacht.

Trackliste:

01. Boxcutter
02. The Hereafter
03. Hospital Handshakes
04. Royal
05. White-Knuckles
06. Rumi
07. A New Son
08. Sawdust & Shavings
09. So Unexpected
10. This Is My Work
11. The Finish Line

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Moppi

Autoren Bio

Alt, langweilig, tierlieb.

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