Plattenkritik

Russ Rankin - Farewell Catalonia

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Release Date: 07.08.2012
Datum Review: 01.08.2012

Russ Rankin - Farewell Catalonia

 

Ein paar mehr Falten im sonnengebräunten Gesicht - ein paar weniger gewagte Bühnenmanöver in der Hinterhand. Bis in die Haarspitzen hat sich der Sänger und Kolumnist über die letzten zehn, fünfzehn Jahre bewahren können und ist optisch kaum gealtert. Bevor es eines Tages plötzlich auch mit der Frisurenpracht zu Ende ist, wringt der hockeyverrückte Kalifornier einen neuen alten Lappen im gemütlich gewordenen CaliPunk-Stuhlkreis aus und tritt mit der Akustikgitarre in die Mitte.


Für einen Sprung auf den „Bandwagon“ ist der 44-jährige eigentlich nie der richtige Kandidat gewesen, mit „Farewell Catalonia“ gibt sich Russ Rankin dennoch die Blöße. Die Idee, mit der die Kumpels Sly oder Cape schon vor Jahren um die Ecke kamen, scheint nun auch bis nach Santa Cruz durchgedrungen. Dass von Rankin´s Seite aus jedoch eher unwohlig daran gefeilt wird, ist so beim Stuhlkreis sicher nicht abgesprochen worden: „American Amnesia “ plätschert in Kindergartenpunkmanier und erinnert auffallend an den Kollegen, der seine Stimme hauptberuflich NO USE FOR A NAME widmet. „Pushing Daisies“ hingegen eröffnet das Solodebüt eigentlich angenehm und einladend, wenn stimmlich auch jegliche Dringlichkeit aus GOOD RIDDANCE-Erlebnissen auf der Strecke bleibt.


„Farewell Catalonia“ gleicht oft dem „Nebenherströmen“ im Supermarkt („Departures“) und ist in Momenten wie „Get A Room“ bis auf gelegentliche textliche Mühen so spannend, wie alleine auf den Bus warten. Den Großteil der zwölf Songs durchstreift Russ mit seiner schrammeligen Akustikgitarre, dazu gesellen sich (wie auch sonst) mal countryeske Instrumentierungen wie Slides, leicht verzerrte Gitarren oder seichtes Trommelwerk. „Invisible“ investiert eine Distortionwand, um sich aus dem Dunst hervorzuheben, „This Is What We Get“ lässt hingegen positive Referenzen zu den „echten“ Bands Rankin´s erkennen. Nur in wenigen Momenten klingt das dünne Album herzlich und intensiv – nur gelegentlich nehmen Stimme oder Arrangement das Gehör wirklich in Anspruch oder bei der Hand.

Dass hier nicht bloß die alten Klassiker als gähnende Lagerfeuerversionen verwurstet werden, macht Hoffnung. Die offensichtliche Zustimmung und Überzeugung eines Talent-Kalibers wie RUSS RANKIN, aus der goldenen Vergangenheit in eine banale Gegenwart zu klimpern hingegen schmerzt. Es bleibt die Hoffnung auf persönliche Erfüllung inmitten der wiedervereinten GOOD RIDDANCE, lässt den RANKIN-Jünger eifrig hoffen und winkt „Farewell Catalonia“ mit einem trockenen Auge aus dem Stuhlkreis – keinesfalls aber in den „Recall“.
Oder wie eine „zweite Chance“ sechzehn Jahre nach „A Comprehensive Guide To Moderne Rebellion“ genannt werden möchte.


Trackliste:

01. Pushing Daisies
02. Departures
03. American Amnesia
04. Points Between
05. This Is What We Get
06. Cold Blues
07. Flesh and Bone
08. Get A Room
09. Indivisible
10. When I Pray
11. Shine
12. Under the Hours

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Moppi

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Alt, langweilig, tierlieb.

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