Plattenkritik

SINGLE MOTHERS - Our Pleasure

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Info

Release Date: 16.06.2017
Datum Review: 24.06.2017
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

01. Undercover
02. High Speed
03. Long Distance
04. A-OK
05. People Are Pets
06. Bile
07. Leash
08. Well Wisher
09. Rollercoaster
10. Bolt Cutters

Band Mitglieder

 

Andrew Thomson
Justis Krar
Ross Miller
Brandon Jagersky

SINGLE MOTHERS - Our Pleasure

 

Erst einmal Probs für den Bandnamen des Jahres. Und das, obwohl die Band SINGLE MOTHERS schon seit 2008 existiert, sich 2011 auflöste und 2013 wieder zusammenfand und mittlerweile auf über 16 teils ehemalige, teil aktive Bandmitglieder zurückblicken kann. Einzige Konstante: Songwriter und Sänger Andrew Thomson, welcher mit seiner Stimme und seinen Texten das Aushängeschild der Band darstellt.

SINGLE MOTHERS kommen aus Kanada und klingen nach England. Woher das kommt? Sicher nicht daher, dass die Band mittlerweile in London lebt. Leben sie zwar, aber nicht im britischen, sondern in dem im kanadischen Bundesstaat Ontario befindlichen. Dennoch scheint der Name der Stadt Einfluss auf die Musik genommen zu haben.

Startet man mit "Our Pleasure" knallen einem erstmal PETE DOHERTY- und LIBERTINES-Vibes entgehen, bis diese irgendwann von THE BRONX-artigen Riffs eingeholt werden. Das Thomson von seinem Vater früher vorgeworfen wurde, er würde zu viel trinken, ist dem Sound der SINGLE MOTHERS nur dienlich: die Stimme, die Art zu singen und die Texte sind ähnlich versoffen wie beim bereits erwähnten DOHERTY, nur in seiner Aggressivität holt er den original-Engländer (mittlerweile) um Längen ein.

Nicht ganz 33 Minuten dauert "Our Pleasure", ausreichend um danach genauso angepisst zu sein, wie der Hauptprotagonist der Band. Musikalisch gibt es lärmbedingt für den Hörer nahezu keine Verschnaufpausen und auch Bandleader Thomson hält nur selten inne und knallt uns seine Lyrics durchgängig und wie ein bockiges Kind auf Speed um die Ohren.

Beim Durchhören einzelner Songs macht das Spaß, auf Albumlänge wär es schöner gewesen, wenn er gelegentlich einen Gang zurückschalten würde und seinen Texten und Liedern dadurch mehr Raum zum Entfalten lässt. Ein etwas nerdiger Bekannter von mir hat mich früher immer vollgetextet mit: "Ein Song wird erst durch Stille lebendig." Naja, irgendwie so. Jetzt weiß ich, was er meinte.

Musikalisch bewegt sich die Band zwischen besagtem Englandstyle, JAPANDROIDS-LoFi und Noise-Post-Punk ala MEAT WAVE. In "Leash" klingen die Singlemütter sogar wie BRAND NEW zu Deja Entendu. Ein großes Herz dafür. Trotz dieser übernicen Referenzen gelingt es der Band nur bedingt zu überzeugen: zu beliebig sind die Songs, zu wenig bleibt selbst nach dem dritten Hördurchlauf hängen.

Andrew Thomson hat sich für das zweite Album überaus talentierte Mitmusiker gesucht. Wenn er diese behält, sich nicht wieder für mehrere Jahre in einer Goldmiene versteckt und sich selbst auf einem etwaigen Nachfolgealbum etwas zurücknimmt, dann landet seine Band vielleicht irgendwann selbst in der "klingt wie..."-Liste. Die Voraussetzungen dafür sind definitiv gegeben.

Autor

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Sebastian

Autoren Bio

Basti // 28 // Berlin // Hiphop bis Blackmetal

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