Plattenkritik

Steve Harris - "British Lion"

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 24.09.2012
Datum Review: 02.12.2012

Steve Harris - "British Lion"

 

Ich hatte mir wirklich vorgenommen, dieses Album so unvoreingenommen zu bewerten, wie nur irgend möglich. Auch wenn STEVE HARRIS natürlich einer der größten Namen ist, die in der Rock und Metal (oder NWOBHM) Historie auftauchen. Kaum ein anderer Musiker hat derartige Erfolge weltweit zu verzeichnen und kann auf ein derart imposantes Sammelsurium an Megahits stolz sein, wie der IRON MAIDEN Basser, der ja nun bekanntlich DER kreative Kopf hinter der Eisernen Jungfrau ist. Die Anzahl der Fans auf dem gesamten Globus liegt längst im sieben, wenn nicht sogar achtstelligen Bereich. Ausgedehnte Tourneen in Länder, in denen andere Leute nicht mal Urlaub machen und einer DER Einflüsse von unzähligen Bands, die wiederum selbst längst zu Einflüssen und lebenden Legenden geworden sind, wie zum Beispiel METALLICA. So eine Instanz wie MAIDEN kann einen wahrhaft immer noch unbefriedigt lassen, sodass man sich musikalisch doch noch neu erfinden muss?
Allem Anschein nach: Ja.
„This is my God“ beginnt und ich bin alles andere als überzeugt. Der typische STEVE HARRIS Fender Bass Sound (klickerklicker) ist hier einfach deplatziert und es fehlt somit an Tiefe im Fundament. Auch wenn klar ist, dass der englische Bassist nicht auf einmal beginnt seinen Verstärker grundlegend anders einzustellen, nur weil er auf einmal andere Musik macht. Bei der orientalisch angehauchten Nummer „Karma Killer“ passt der Sound aber wieder und stimmt versöhnlich. Sind die Songs nun aber stark basslastig, sprich: Alle Instrumente räumen dem Viersaiter mehr Raum ein, als es in anderen Bands der Fall wäre? Nee. Eigentlich nicht. „British Lion“ ist natürlich eine Platte, auf der man hört, wer da die Strippen zog, doch ist der Epic Rock der Formation nicht wirklich vergleichbar mit den Platten anderer Bassisten die auf Solopfaden wandeln, wie die des (genialen) Ex-Bassisten von THE WHO John Entwistle. Nee, hier rockt es ganz amtlich. Nicht wirklich vertrackt, aber schon mit gewissem Seventiesflair, was für mich heißt, dass die Songs etwas ausladend sind, das viel mit Skalen, Keyboards und Polyrhythmen experimentiert wird, wobei es stets überschaubar bleibt. Auch wenn Songs wie „Us Against The World“ in Nuancen an MAIDEN erinnern, muss man sagen: Das hier ist NICHT MAIDEN, das hier ist HARRIS der einfach eine andere Facette seiner musikalischen Vorlieben zum Besten gibt. Opulent, ohne zu viel Schnickschnack zu haben (ich hätte mir mehr Gitarrensoli gewünscht, aber dann hätte manch ein Kritiker wohl wieder auf den Schatten von IM verwiesen). Ich weiß nicht, ob HARRIS sich überhaupt aus einem Schatten befreien wollte, aber Fakt ist: Jeder Musiker, egal ob OZZY, HETFIELD, JOHNSON und wie sie alle heißen, wird ewig mit dem einen Namen seines Flaggschiffs verbunden sein und muss sich mit seinen dortigen musikalischen und kommerziellen Erfolgen messen lassen. Doch ich weigere mich dies zu tun. Ein Soloalbum ist nun mal ein Soloalbum und sollte auch Anerkennung finden, wenn es denn welche verdient. Hier wäre das zum Beispiel der 'Gute-Laune-Song' „The Chosen Ones“, der mich ein bisschen an WHITESNAKE erinnert (also ich mag die, daher ist das als Kompliment zu sehen). Stücke wie das schwergewichtige und bedrückende „Judas“ oder das epische „The Lesson“ geben einen wunderbaren Einblick in eine musikalisch vielschichtige Persönlichkeit, die neben der großen Band immer noch eine Menge zu sagen hat.
Doch bewerten will ich HARRIS ganz subjektiv. Wäre er nämlich nicht der der er ist, würde er auch keinen 'Bekanntheitsbonus' einheimsen. Also soll er ihn auch nicht bekommen. Die Songs sind gut. Solide. Nett arrangiert. Mehr aber auch nicht. Die Basslinien sind toll und es werden mit Sicherheit auch 'Nicht-Bassisten' den Rock des Altmeisters gut finden. Ich finde ihn zu schnörkellos. Es fehlt mir das gewisse Etwas. „Karma Killer“ und „The Chosen Ones“ stechen raus, der Rest ist irgendwie schon mal irgendwo eingespielt und gehört worden (was vielleicht doch am eher dünnen Sound, dem eher wenig überraschenden Gesang und den fehlenden Gitarrensoli liegt). Es ist also nicht wirklich ein Album, das mich umhaut und von dem ich persönlich sagen würde, das es Hitpotential hätte. Eine gute Rockplatte, die nicht weh tut. Und vielleicht wäre das dann doch schöner gewesen....

5 Punkte

Linc
Trackist

1. This Is My God
2. Lost Worlds
3. Karma Killer
4. Us Against The World
5. The Chosen Ones
6. A World Without Heaven
7. Judas
8. Eyes Of The Young
9. These Are The Hands
10. The Lesson

Autor

Bild Autor

Linc

Autoren Bio

Singer-Songwriter bei "Linc Van Johnson & The Dusters" (Folk´n´Roll) Singer @ Supercharger (DK) Part of the ALLSCHOOLS family since 2006.

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