Plattenkritik

TV Buddhas - Dying At The Party

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Release Date: 12.11.2010
Datum Review: 13.11.2010

TV Buddhas - Dying At The Party

 

Nimm dir die zerschmetterte Bierflasche, welche durch pure Zerstörungswut an der Monitorbox in Brüche ging. Streiche mit der Zungespitze sanft und lasziv über die scharfen Kanten des grünen Glases und ritze dir abstrakte sinnlose Formen in die Brust. Natürlich Lederjacken und fettige verschwitzte Haare, in den sich das Nikotin gefangen hat. Zudem noch Augenringe, die man als Aschenbecher verwenden könnte und eine dunkle Bühne in der Ecke der dreckigsten Kaschemme der Stadt. Ein Stillleben aus den Gründerjahren der Garagenmusik, als Iggy Pop noch keine ledrige Reptilienhaut besaß und Lou Reed noch nicht Edgar Allen Poe vertonte. Auch Jonathan Richman gehörte damals mit seinen Modern Lovers zu diesem illustrem Kreis.

Die TV Buddhas üben sich in der Reinkarnation dieser Zeit und greifen zu sämtlichen vorhanden Farben die ein Nachzeichnen dieses Stilllebens ermöglichen. Viel braucht man dazu natürlich nicht, Bass, Gitarre und Schlagzeug. Die zwei letzteren Instrumente werden von dem Geschwisterpaar Triest bedient, welches, wie auch Juval Haring, aus Tel Aviv stammen, aber mittlerweile Wahlberliner sind. Die Stimme von Mickey Triest erinnert, allein die Intonation, an Jonathan Richman. Vor allem die Modern Lovers haben es dem Trio angetan.
Trockenes Schlagzeug, eine blueslastige dreckige Gitarre und rausgeschnauzter Gesang, der einiges von der Scheiß-Egal-Mentalität der Texte widerspiegelt. Einen Abend dem Ausgehzwang widerstehen und sich nicht dem gesellschaftlichen Druck hingeben, der einem die Illusion aufzwingt etwas zu verpassen. “I wanna watch some TV tonight“ (’TV Tonight’)

Ambitioniert und mit viel Herzblut agieren die TV Buddhas definitiv, aber das alleine will einfach nicht reichen. Irgendwo fehlen dann doch die Melodien, die Ideen und die Energie. Gerade die langsameren Stücke tendieren schnell dazu vom Garagenpunk zu Schunklern oder zum Stehblues zu konvertieren. Bleiben die schnelleren Songs, welche immerhin als Reminiszenz an vergangene Zeiten dienen und einen leicht verruchten Charme versprühen.

Tracklist:
1. Let Me Sleep
2. I Don't Belong In This World
3. My Life On Screen
4. I Want You
5. Long Way Down
6. Dying At The Party
7. TV Tonight
8. No Edge At All
9. It Doesn't Feel Good

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Kilian

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