Plattenkritik

The Black Dahlia Murder - Everblack

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Release Date: 07.06.2013
Datum Review: 31.05.2013

The Black Dahlia Murder - Everblack

 

Wer THE BLACK DAHLIA MURDER schon immer für ihre grandiosen Melodien liebte, wird sie für „Everblack“ vergöttern. Wer jedoch immer die brutalen Facetten und die kompromisslose Härte der Amis schätzte, könnte mit dem sechsten Album ein Problem haben.

Fast auf den Tag genau veröffentlichten THE BLACK DAHLIA MURDER vor zehn Jahren ihr Metal Blade Debüt „Unhallowed“. Fünf Alben später sind die Amis und ihr melodischer Death Metal mittlerweile zu den Lieblingen der Metal Szene mutiert. Das lag zum einen daran, dass sie nicht nur einen Ruf als zuverlässige und äußerst unterhaltende Liveband hatten, der Fünfer schaffte es auch trotz regelmäßiger Besetzungswechsel qualitativ hochwertige Alben abzuliefern. Auch „Everblack“ reiht sich unumstritten in diese Tradition ein.
Obwohl die Amis ihre komplette Rhythmussektion auszutauschen hatten, konnten sie dies dank gleichwertigem Ersatz, wie mit Bassist Max Lavelle (ex-Despised Icon) und dem erst 23 Jährigen Schlagzeugtalent Alan Cassidy (ex-Abigail Williams), so gut wie verlustfrei auffangen. Dass sie dazu noch ihren hohen Standard halten konnten, lag ausserdem daran, dass ihnen mit Ex. Basser Ryan "Bart" Williams ein enger Vertrauter als Album-Produzent zur Seite stand.
Beim Erstkontakt klingt „Everblack“ wie eine typische TBDM-Platte. Es ist ein Album, welches sich das Beste aus melodischem Death und zu Teilen aus dem Black Metal herauszieht und zu einer homogenen Masse formt. Angetrieben von einem rasenden und variantenreichem Drumming und einem hochmelodischen und stets nach den ultimativen Hooks suchendem Gitarrenspiel bewegen sich die Amis auf einem Level, welches sich im Laufe der Zeit schon zur Normalität entwickelt hat. Besonders Saitenvisionär Ryan Knight scheint endgültig im düsteren Klangkosmos von TBDM angekommen zu sein und demonstriert sein Können in unglaublich melodischen Soli. Und vorne an der unvergleichliche Stimmakrobat Trevor Strnad, der in gewohnter Art seine Horrorgeschichten hörbar wild gestikulierend ins Mikro brüllt. Im Vergleich zum Vorgänger „Ritual“ klingen die neuen Songs eingängiger, melodischer und wesentlich kompakter. Hier wurde jede noch so kleine Lücke mit den passenden Noten gefüllt.
Das Problem, welches „Everblack“ aber hat, ist seine fehlende Griffigkeit. Selbst nach dem zweiten oder dritten Durchlauf bleibt nicht viel hängen. Die Songs sind so harmonisch, dass sie schon fast harmlos aus den Boxen rauschen. Die groben Ecken und Kanten mit denen man früher noch überraschte, fehlen gänzlich. Sicherlich haben THE BLACK DAHLIA MURDER auf ihrem sechsten Album ihr ganzes Können in Perfektion ausgespielt. Dennoch wirken sie auf „Everblack“ so routiniert, wie ein Zombie in der Geisterbahn, der seid Jahren immer an der gleichen Stelle steht und auf seine Opfer wartet.

Trackliste:
1. In Hell Is Where She Waits for Me
2. Goat of Departure
3. Into the Everblack
4. Raped in Hatred by Vines of Thorn
5. Phantom Limb Masturbation
6. Control
7. Blood Mine
8. Every Rope a Noose
9. Their Beloved Absentee
10. Map Of Scars

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Mulder

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