Plattenkritik

The Chariot - Long Live

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Release Date: 23.11.2010
Datum Review: 18.10.2010

The Chariot - Long Live

 

Bravo THE CHARIOT, die Hirne sind soweit.
Plitsch-Platsch, Hirnmassenmatsch,
Ihr macht sie alle breit.
Sie wollen fliehen, sie wollen fliehen
doch keiner kann sich Euch entziehen.
„Long Live“ heißt das Spiel
und Hirnmassenmatsch das Ziel!


(frei nach dem Werbejingle von Bravo Traube)

Es tut immer wieder gut Josh Scogin schreien zu hören. Seit seinem Weggang von NORMA JEAN fehlt da nämlich irgendetwas. Zum Glück gibt es THE CHARIOT, die vielleicht nicht genau da weiter machen wo Scogin bei NORMA JEAN aufhörte, dennoch dafür sorgen, dass die Hirnmasse nach dem Genuss einer jeden Platte vor Überforderung kocht und blubbert. Warum das so ist? Nunja, THE CHARIOT sind Chaoten vor dem Herrn und das vom Feinsten. „Long Live“ stellt da mit Sicherheit keine Ausnahme dar. Alleine schon „Evan Perks“, der Opener, zeigt ganz klar, mit was man es in der nächsten Zeit zu tun bekommen wird. Chaotisch. Laut. Auch übersteuert. Struktur? Wohin denkt Ihr? Und irgendwann schreit Scogin unaufhörlich: „Disappointed I know you are!“. Ich antworte: „Nein, ich glaube nicht!“

Starker und durchtriebener Einstieg also, der den Hörer nach mehr lechzen lässt. Und genau das bekommt er. Ein Mehr an Chaos, ein Mehr an Gequietsche, ein Mehr an abgefucktem und verzweifeltem Geschrei. Eigentlich genau das, was man erwartet, wenn man THE CHARIOT in den Player wirft. Dabei werden sie sogar eingängig und bringen die Rock And Roll Maschine ein wenig ans Laufen („Calvin McKenzie"). Bevor man sich aber daran zu sehr gewöhnt, zerlegen sie ihren Song recht schnell wieder in seine Einzelteile und treiben es mit eingespielten Jingles gen Ende absolut auf die Spitze. Amüsant und verwirrend zugleich. Unberechenbarkeit siegt also und so rasen THE CHARIOT um jede Ecke, die sich ihnen bietet. Wenn man sie dann wieder gefunden hat, sitzen sie dort, wie kleine Jungs, die versuchen unpassende Legosteine immer wieder aufeinander zu stapeln. Das Faszinierende ist, es gelingt Ihnen. Man muss nur feste genug drauftrümmern, dann passt alles – oder eben auch nicht. Ganz egal, Hauptsache es knallt und das tut es. Und wie episch ist in dem Zusammenhang bitte der Endpart von „The City“ mit folgendem wunderbaren Chorus und allem was dazu gehört, wenn man vorher eigentlich gar nichts verstanden hat?!

Mehr Spaß haben sie natürlich am Chaos und so ballert man sich gut und gerne durch den Rest des Albums, übt sich in bester THE DILLINGER ESCAPE PLAN Manier an vereinzelt eingestreuten musikalischen Seitenhieben (sehr abgefahren ist hier der „Spoken Word“ Part bei „David De La Hoz“), bis man als Hörer schlussendlich einfach nur noch am Boden liegt – teilweise vor Lachen (das Hip Hop lastige „The Heavens“), dann doch wieder vor Faszination und Bewunderung. „Long Live“ verlangt viel von seinem Hörer ab, das ist klar. Es ist anstrengend, es ist brachial und vor allen Dingen folgt es keinem roten Faden. Aber was ist schon ein roter Faden? Wer braucht den schon? THE CHARIOT nicht, denn die wissen, wie man auch ohne einen solchen alles richtig macht!


Tracklist:


01. Evan Perks
02. The Audience
03. Calvin McKenzie
04. The City
05. Andy Sundwall
06. The Earth
07. David De La Hoz
08. The Heavens
09. Robert Rios
10. The King

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Alex G.

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