Plattenkritik

The Destiny Program - Gathas

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 23.04.2010
Datum Review: 07.04.2010

The Destiny Program - Gathas

 

"...und ich hab beim letzten Review schon gesagt, dass sie nicht lange bei Nuclear Blast bleiben werden..."

Viertes Album, viertes Label. Zumindest was die Rosterheimat betrifft, scheinen THE DESTINY PROGRAM nach all den Jahren immer noch auf der Suche zu sein. Konstanz jedoch an anderer Stelle, denn wieder einmal zeigt die Band, dass nach wie guter Metalcore mit eigener Identität und mit Herz und Seele geschrieben werden kann. Die Husumer haben den Vibe ihres (den deutschen Metalcore prägenden) "The Tracy Chapter" Albums aufgegriffen und auf "Gathas" (als Teil des Avestas, der heiligen Schrift des Zoroastrismus, der Lehre des iranischen Religionsstifters Zarathustra, bezeichnen die Gathas die fünf ältesten Hymnen des Werkes; das Wort „Gatha“ bedeutet im Avestischen „Hymne“ oder „Gesang“) leicht modifiziert. Geblieben sind die Schwere, die Dunkelheit und die Intensität, auch die atmosphärische Dichte, die kaum Luft zum Atmen lässt. Geblieben ist zudem die "Gottes Werk und Teufels Beitrag" Melancholie, die es vermag, aus dem Stehgreif Tränen in die Augen schießen oder meterdick die emotionale Hautschicht anschwellen zu lassen. Konstatiert werden müssen auch die songwriterische Reife und die Fähigkeit der Band, Soundtracks für die gewissen Stunden im Leben zu schreiben. Der Anteil der klar gesungenen Abschnitte ist auf "Gathas" im Vergleich zum Vorgänger weniger geworden, erhöht wurde auf der anderen Seite der in letzter Zeit vor allem durch Rise Records Bands praktizierte brachial Mosh (hier ist in erstere Linie als Vergleich FOR THE FALLEN DREAMS zu nennen), der jedoch von THE DESTINY PROGRAM zielsicher in den Gesamtkontext eingebunden wurde. Ein ums andere Mal reißen die tiefergestimmten Gitarren wohlige Sicherheitshäfen weg und entlassen den Hörer in schlagkräftige Piteinlagen, die einen Kontrast zum Credo der Ausgewogenheit und inneren Ruhe schaffen. Insgesamt erscheint "Gathas" sehr homogen und ist von einer bedrückenden Grundstimmung gekennzeichnet, die durch das aggressive Shouting einen weiteren Nährboden erhält. Erweitert wurde der Hörgenuss durch einen optischen Augenschmaus, THE DESTINY PROGRAM haben ihre Kraft auch in das Coverartwork gesteckt und ein Kunstwerk fernab der Klischeesuppe erschaffen lassen. Somit aufgepasst, wer sich zu nah an "Gathas" stellt, wird durch den mächtigen Strom aus Leidenschaft mitgerissen und in das Tal eines der bisher besten Metalcore Releases 2010 gespült.

Tracklist:
1. Spenta Mainyu
2. Avesta
3. Plagiarism Commission
4. Through The Progression Line
5. Road To A Recent Passage
6. Our Notional Possession
7. Trivial Commodity
8. The Current Horizon
9. Convention And Predictability
10. The Illicit Sound
11. Liars Poker
12. Children Of The Earth
13. Yasna
14. The Blackwater
15. Angra Mainyu

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Clement

Autoren Bio

Ich fühle mich zu alt