Plattenkritik

The Hirsch Effekt - Holon: Agnosie

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 24.04.2015
Datum Review: 28.04.2015
Format: CD

Tracklist

 

1. Simurgh
2. Jayus
3. Agnosie
4. [Chelicera]
5. Bezoar
6. Tombeau
7. Emphysema
8. [Defaetist]
9. Fixum
10. Athesie
11. [Tischje]
12. Dysgeusie
13. Cotard

The Hirsch Effekt - Holon: Agnosie

 

Tja / der Mensch / wir sind schon unser größter Feind / aber mal ganz ehrlich / Sind wir nicht auch unser größter Fan? / Und haben wir nicht schon so viel zusammen erlebt? / Und sollten wir jetzt / da es ohnehin zu Ende geht / tatsächlich noch irgendwas ändern?

Die Einen sagen „furchtbare Musik für Menschen, die denken, sie seien was besseres“; andere hingegen sinnieren „Musik, die musikalische Barrieren bricht und einen eigenen Stil hat“. Wie auch immer, ich bin der Meinung, „dass es eine polarisierende Band ist“ und finde sie grandios.

Der dritte Teil der Holon-Trilogie hört auf den Namen „Agnosie“ (philosophisch = Unwissen) und muss als genau das verstanden werden: Als dritter Teil einer Trilogie und damit als Bestandteil und Baustein eines einheitlichen Ganzen. THE HIRSCH EFFEKT vollenden damit ihr 2010 mit Hibernon begonnenes und mit Anamnesis 2012 fortgesetztes Werk. Und perfektionieren es. Die 13. perfekt angeordneten Songs, die hintereinander gehört werden müssen (und das natürlich mehrmals…!), sind eigentlich typisch HIRSCH, allerdings streckenweise noch wahnwitziger, dann aber wieder noch ruhiger, verspielter und vor allem abgeklärter. Gerade einige klar gesungene Refrains könnten aufstoßen, da sie an „harte Passagen münden in zart gesungen“ Metalcore rumfingern und ziemlich kitschig klingen. Aber das ist nur ein Baustein, um wirklich alle Grenzen des Erlaubten auszuloten und richtet im Gesamtkontext so gut wie keinen Schaden an. Es wird geblasen, gestrichen, es wird gejazzt und gefunkt, es wird Melancholie versprüht und immer wieder musikalisch auf die Kacke gehauen. Das spielerische Können ist ziemlich groß, die Texte stehen dem in nichts nach, damit einhergehend aber auch die streckenweise Überfrachtung des intellektuellen Hörers, der aber genau so etwas zum Ausgleich seines ansonsten so faden Alltags braucht. Im Vergleich zum Vorgänger geht „Agnosie“ einen noch krasseren Weg und tobt sich in der Hölle des Mathcores aus. Gerade die explosiven Ausbrüche in die Niederungen des Zugänglichen machen den großen Reiz dieses ambitionierten Albums aus. Die Eröffnung mit „Simurgh“ geht noch auf einem ruhigerem Weg, aber das ist nur Calm before Storm und Calm kommt nicht mehr so oft in diesem Buch vor. Im Herzen eines Storm ist eigentlich die perfekte Bezeichnung dieses Albums, denn beim Komponieren scheint das Trio aus Hannover sich genau da befunden zu haben.

Feingefühl war auf dem letzten Album, jetzt regiert der krude Genremix aus der Feder eines Wahnsinnigen und wenn sich vor Ohren gehalten wird, dass es sich bei der „Agnosie“ um das dritte Mosaiksteinchen eines Gesamtkunstwerks handel, dann ist THE HIRSCH EFFEKT zu attestieren, alles richtig gemacht zu haben. Die Bewertung bezieht sich damit auch auf die Holon-Trilogie als Ganzes!

Danke!

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Clement

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Ich fühle mich zu alt

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