Plattenkritik

The Knife - Tomorrow In A Year

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Release Date: 05.03.2010
Datum Review: 25.02.2010

The Knife - Tomorrow In A Year

 

Liebe Leser, ihr und ich, wir haben ja alle denselben Background. Wir mögen harte Musik. Ob Punk oder Hardcore, ob Metal oder Stadionrock. Und jeder hat seine persönlichen Lieblingsbands, die einen oftmals auf eine harte Probe stellen. Eben deshalb verfasse ich diesen Text, denn für jene Bands sollte endlich mal eine Lanze gebrochen werden. Ihr meckert darüber, dass das ALKALINE TRIO auf einem Majorlabel ein recht glattes Album produziert hat? Nichts im Vergleich zu dieser Platte. Ihr meckert, weil MADBALL auf ein Metallabel wechseln? Dann passt mal auf! Ich mecker, weil JIMMY EAT WORLD irgendwann nicht mehr nach „Clarity“ klangen? Ich Dummerchen.

Jede Band vollzieht eine Entwicklung. Das ist völlig normal, nicht nur für Bands. Und jede Band hat ihre Anhänger, die sie bis in den Tod verfolgen. THRICE hatten nach ihrer elementaren Reise in die Abgründe der Natur ihre Schwierigkeiten, konnten sich aber fangen. Auch das ALKALINE TRIO ist nicht mehr beim Major sondern erfreut sich allergrößter Popularität. Warum ich das alles erzähle? Ich fange mal in 2006 an. Die Bayern von SLUT verabschieden sich von ihrem Image und vertonen die „Dreigroschenoper“ neu. Bestandsaufnahme für den Fan. Die Musik war größtenteils typisch SLUT, jedoch die Texte eben eine Geschichte und weit entfernt von typischen Vorgaben. 2009 dann der nächste Schock. Mit JULI ZEH vertont die Band den Roman „Corpus Delicti“ und stößt auf mittelprächtige Begeisterung. Na, was wenn MINOR THREAT das mal gemacht hätten? Ihr werdet mir doch bis hierher zustimmen, dass es uns mit unserer harten Nische recht gut geht, oder? THE KNIFE, das sind eine recht angesehene Elektropop-Gruppe, die ebenfalls 2006 mit ihrem Album „Deep Cuts“ mächtig an Popularität gewannen. Nicht zuletzt war das Cover zu „Heartbeats“ daran ausschlaggebend. Nun, vier Jahre nach dem Erfolg veröffentlichen THE KNIFE mit „Tomorrow In A Year“ ein Doppelalbum, welches im Grunde nichts mehr mit ihnen selbst zu tun hat. Man vertont einzelne Passagen aus dem Leben von Charles Darwin. Um wenigstens einmal auf den Punkt zu kommen: Unhörbar! Aber mit diesem Ergebnis macht man es sich zu leicht.

Dass es derzeit angesagt ist, verschiedene Theaterstücke oder Kunstobjekte mit orchestralem Elektro zu vertonen, das wissen wir schon länger. Dass es aber gleich so extrem sein muss? Auch OWEN PALLETT (ehemals FINAL FANTASY) widmete sich einer Geschichte und ließ sich elektronisch untermauern. Auch wenn es sich in seinem Fall um reine Fiktion handelte kann man sein „Heartland“ sehr wohl mit „Tomorrow In A Year“ vergleichen. Der opernartige Duktus von PALLETT ist zwar nicht halb so speziell wie der von THE KNIFE, dafür aber im Ansatz zumindest ähnlich. THE KNIFE werden von Opernsängerinnen unterstützt und von elektronischen Finessen viel zu arg in die Kunstmusik gedrängt. Aber vielleicht wollten sie das so. Kommen wir also konkret zur Platte: „Tomorrow In A Year“ traut sich was. Monotone Soundschichten wölben sich über lange Minuten und unter großspurigem Gesang, sodass man gerne mal ungläubig aus der Wäsche schaut. THE KNIFE riskieren ihren Status, ihre Fans, ihre Vorgängerwerke. Und das auf bemerkenswerte Art und Weise. Wer ein solches Werk aufnimmt, der weiß, was er sich damit antut. Und das muss nicht zwangsläufig etwas schlechtes sein. Muss auch nicht der Drang sein, unbedingt selbst als Kunstobjekt angesehen zu werden. THE KNIFE meinen das, was sie hier veranstalten sehr ernst und deshalb wäre es unfair ein Urteil zu bilden. Daher meine bescheidene Wertung: Keine Wertung. Alles andere, ob nun 10 oder 1 Punkt, wäre ungerecht.
Tracklist:
CD1
1. Intro
2. Epochs
3. Geology
4. Upheaved
5. Minerals
6. Ebb Tide Explorer
7. Variation Of Birds
8. Letter To Henslow
9. Schoal Swarm Orchestra
CD2
1. Annies Box
2. Tumult
3. Colouring Of Pigeons
4. Seeds
5. Tomorrow In A Year
6. The Height Of Summer
7. Annies Box (alt. Lyrics)

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Raphael

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