Plattenkritik

The Underground Railroad To Candyland - Know Your Sins

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Release Date: 06.06.2006
Datum Review: 29.06.2011

The Underground Railroad To Candyland - Know Your Sins

 

Warum zur Hölle führt dieser Schnösel mit der adretten Kurzhaarfrisur, Button-Down-Hemd und Kaschmirpullover Miniatur-Frankenstein am Strand spazieren? Was hat Gott damit zu tun? Ist es eine Sünde, seine Eltern zu hassen? THE UNDERGROUND RAILROAD TO CANDYLAND verhandeln nur die ganz großen Fragen. Schön, dass ihr TOYS THAT KILL-Background dafür sorgt, dass wir auf einer sehr viralen Ebene auch was davon haben.

Das wusste doch schon dieser eine von der hässlichen Realität schlichtweg überforderte Überläufertyp aus dem ersten Matrix-Film: Unwissenheit ist ein Segen. Wir nehmen jetzt einfach mal die weiß-rote Pille. THE UNDERGROUND RAILROAD TO CANDYLAND (URTC, diese Verkürzung sei erlaubt), die früher einmal zu Teilen TOYS THAT KILL gewesen waren, treiben dieses Credo auf die Spitze. „It makes sense with patience but that I dunno.“ Geduldig allerdings sind sie. Und beharrlich: jede zu Beginn der insgesamt fünfzehn Songs vorgestellte Melodie weiß, dass sie durchgängig beibehalten wird. Jedes noch so nachlässig angeschlagene Riff weiß etwas von den Verfehlungen dieser Welt. In tragenden Rollen: Satan (sehr oft), der Papst (eher selten) sowie ein galoppierendes Würstchen. Und die Idee, mäßig ätzende Obrigkeitskritik, Schwachsinnstexte, Comic-Affinität und Power-Pop-Surf-Punk mit einer Lo-Fi-Dringlichkeit zu versehen, war auch nicht die schlechteste. Die Mischung aus JAPANTHER, TOYS THAT KILL (logisch) und MAN OR ASTRO MAN? macht auf eine Art Spaß, die sich nicht schert um technisches Können, um Trends gar oder Zielgruppentauglichkeit. Das Praktische: Sänger Todd Conge gehört das Label (Recess Records), auf dem die Band veröffentlicht. Ein gutes Label übrigens. Die kommen auch noch damit durch. Unfassbar.

URTC haben auf Albumlänge dabei stets diese überbreite Grinsen in der Fresse, das eigentlich nur Typen in der Fresse haben können, die soeben den Leibhaftigen höchstselbst getroffen haben, der ihnen verklickert hat, wie er sich dieses ganze Jesus- und Glaubensding vor Äonen ausdachte, damit NOFX irgendwann mal Songs schreiben können, in denen sie sich über die Idee des Intelligent Design und dessen Auswüchse hämisch lustig machen können. Geistige Hinterwäldler auslachen, das schönste aller Hobbys. Zwischendurch rumpelt und poltert es konsequent, es wird fröhlich gepfiffen ('That I Dunno') oder darauf spekuliert auf dem Soundtrack des nächsten Tarantino-Streifens zu landen ('Animals! RUN!'). Langweilig wird das selten. Wirklich spektakulär auch nicht. Allein: dieses gediegene Unspektakulär-Spektakuläre zeichnet die Platte aus. Neben einer Wagenladung Surfgitarren, Todd Conges hohem schnoddrig-egalem Gesang bleibt schließlich immer noch Platz für instrumentale Vergangenheitsbewältigung mit Gebläse ('2010') und kongeniale PIXIES-Verneigungen ('We Aren’t The World'). „I only write "ha" when it makes me laugh.“ Ha!

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René

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