Plattenkritik

Tubers - Anachronous

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 08.12.2009
Datum Review: 06.01.2010

Tubers - Anachronous

 

Die Geburt des Surfhardcore aus dem Geiste FUGAZIs: Wenn sich vier Geisteswissenschaftler mit Punkhintergrund zu einer neuen Band zusammenrotten, ist der Hörer schnell gewillt „Kunstkacke!“ zu brüllen. Die Floridianer der TUBERS können jedoch mehr als nur verkopfen.

TUBERS, die alten Semiotiker, haben auf Album Nummer drei die Zeichen der Zeit erkannt. Der moderne Hausmann von heute trägt indianischen Federschmuck, überdimensionierte Cowboystiefel, Milchtüten und Staubsauger. Auf eben jene Weise ausgestattet schafft er Ordnung in der Referenzhölle und biegt klischierte Rollenbilder gerade. Auf leuchtend roten Booten stehen Drumkits, dahinter – debil grinsend – ein Anzugmensch mit Höhlenforscherhelm und Rieseneistüte (sieht nach Erdbeer aus). Weitere Cowboys posen selbstbewusst, die Hände in die Hüften gestemmt mit Motoradhelmen auf Bügelbrettern. Was das soll? Ding und Dinglichkeit im No Idea-Kontext? Interpretationsfreudige fragen die Band. Oder schauen im Booklet von "Anachronous" nach und machen sich ihren eigenen Reim darauf. Oder legen einfach diese Platte auf. Der Konsum sorgt ohnehin für in hoher Konzentration und Frequenz durch die Synapsen gejagte Bilder.

Was sich da alles die Klinke in die heftig durchgeschüttelte Hand gibt: Ausgefranste, überdrehte und quengelnde Gitarren, viriler Bass, ein rastloses Schlagzeug und Sänger mit dem Brustton der Überzeugung. Irgendwo zwischen Ian MacKaye-Nölereien und Bärbeißigkeit Gainesville’scher Provenienz changierend. Allzu aufdringliche Hymnen sind das hier bestimmt keine, dafür gibt es zu viele Haken und Ösen. Eher hektische Momentaufnahmen eingepackt in Spielfreude, die ihren Reiz aus ihrer Rastlosigkeit und wirklich brillanten (kurzen!!!) Momenten beziehen. Manch einer darf das (mit Recht!) nervig finden, würde allerdings die Genialität in den Zwischenräumen verpassen. 'Small Signs Big Posts', diese hervorragende FUGAZI-Verbeugung zum Beispiel. So enervierend, so atmosphärisch, so hektisch. Oder 'Cut The Grease', das sich geriert wie HOT WATER MUSIC mitsamt CLOAK/DAGGER melodieverliebt durch irgendein von der Band häufig zitiertes Wurmloch gejagt. 'Pale Sunbather' nimmt sich dagegen beinahe handzahm und versöhnlich aus. MILEMARKER und (natürlich) FUGAZI-Freunde dürfen gern mal reinhören, zumal die TUBERS auch hervorragend auf einer Meta-Ebene funktionieren. Kleine Wahrheiten, die dann doch den geisteswissenschaftlichen Hintergrund der vier Wahnsinnigen offenbaren, gibt es nämlich gratis obendrauf: “We are context through and through, you too.” Wie richtig sie damit liegen.


Tracklist:

01: High Tide It’s Inside
02: The Expense Of Flight
03: Coconut Thunder
04: In The Snow
05: Unmutual
06: 68
07: Small Signs Big Posts
08: Cut The Grease
09: These Quantum Leaps Are Killing Me
10: Pale Sunbather
11: 40 XL
12: Anachronous

Autor

Bild Autor

René

Autoren Bio

There is plenty to criticize.

Suche

Social Media