Plattenkritik

BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE - All These Fiendish Things

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 08.02.2019
Datum Review: 30.01.2019
Format: CD

Tracklist

 

01. Prelude
02. This Ain’t No Halloween Costume
03. Bela Kiss
04. Good Guy Rag Doll
05. Nice Day For An Exorcism
06. Janet Leigh
07. Night Flier
08. Sleepaway Camp ‘95
09. Rebel Heart
10. Rock’n’Roll Vampires
11. Don’t Answer The Phone
12. Helluzinations
13. Gods Own Mistake

Band Mitglieder

 

Dead "Richy" Gein: Stand-up drums & Vocals
Mr. "Jim" Evilize: Guitars
Dejan Decay: Double bass
Reverend "Bloodbath": Guitars & Keys

BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE - All These Fiendish Things

 

 

Da liest man „BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE“ und denkt sofort an das, was man vordergründig sieht: Horrorpunkpsychobilly, Schminke, zerrissene Klamotten, Nieten, Pomade, abgekratzter Nagellack, Budapester Schuhe und einen Kontrabass. Moment mal – da ist noch ein Sänger, der im Stehen Schlagzeug spielt. Okay.

Zugegeben bin ich kein Profi, was dieses Genre und seine Subkategorien anbelangt – aber man soll ja nicht voreingenommen sein. Anhören musste ich mir die Scheibe „All These Fiendish Things“ (2019) wirklich über Tage hinweg immer und immer wieder, bis ich mich nun traue, ein paar Worte darüber niederzuschreiben. Gleich vorweg: Wird bei jedem Hören besser!

Dieses Bühnenquartett um Dead „Richy“ Gein, Mr. „Jim“ Evilize, Dejan Decay und Reverend „Bloodbath“ könnte man sich gleichwohl auf der Mikrobühne in Harry’s Hinterhofkneipe (die eigentlich den Platz für den zweiten Kickertisch besetzt) vorstellen, aber genauso gut auf fetten Festivalbühnen in lauen Sommernächten zocken sehen. Geht irgendwie beides.

Nach dem Intro „Prelude“, das mit Piano, Gewitterregen und (Kinder)stimmen beginnt, folgt prompt der erste Kracher „This Ain’t No Halloween Costume“ mit einer einprägsamen „Ohh“-Melodie. Die bleibt im Ohr. Sofort. Bis ich allerdings die Feinheiten zwischen Hysterie, Kabarett und Horror einfangen konnte (vielleicht ist es mir auch rein gar nicht gelungen), dauerte es ein wenig. Irgendwie düster, irgendwie aber auch quietschbunt. Vielleicht etwas, das man auch nur als Wiener verstehen kann, denn „[…] mancher behauptet ja sogar, am Zentralfriedhof wäre es lustiger als im urbanen Kabarett“ (krone.at).

Zu Song Nr. 3 „Bela Kiss” existiert ein Musikvideo, das erst am Schluss visuellen Aufschluss des gezeigten Storyboards gibt. Und ja, es gibt wieder Pomade und Co. Anschauen:

 

 

Innerhalb der insgesamt 13 Songs wiederholen sich einige Motive, so beispielsweise der Refrain in „Nice Day For An Exorcism“, der sich mit Song Nr. 7, „Night Flier“, kreuzt und dann zu „Helluzinations“ wird. Klingt erst einmal nach Einöde, ist es aber dennoch nicht. Die Songs bleiben, wenn sie es einmal in die Gehörgänge geschafft haben, definitiv in der Ohrmuschel stecken. Tracks wie „Don’t Answer The Phone“ oder „Bela Kiss“ bezeichnen das, was ich anfangs noch nicht deuten konnte: Kommen unscheinbar daher, saugen sich unter die Haut und bleiben – ob man will, oder nicht.

Einmal durch den Querschnitt mehrerer Alben und EPs, wie beispielsweise „Bloody Unholy Christmas“ (2016) oder „Toxic Terror Trax“ (2014), gescannt fällt sofort auf: Erfrischend reifer Sound bei „All These Fiendish Things“ (2019). Mehr Mainstream, mehr Hooklines, dennoch cool. Reif, jedoch keineswegs klapprig. Das Einzige, das mir persönlich ein wenig fehlt: Der Dialekt. Vielleicht aber auch nur, weil ich Bands, die Lyrics in ihrer Muttersprache zum Ausdruck bringen, für gut befinde. Ein herrliches „Geht’s scheißn! Danke.“ des Songs „LMK“ aus „Mörder Blues 2“ (2015) sei hier als Beispiel angebracht.

„Horrorbilly“ nennt man dieses Genre übrigens, war mir auch neu. Ist aber gar nicht mehr so jung, die BLOOD SUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE gibt es nunmehr seit mehr als 15 Jahren. Einen Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie „Hard & Heavy“ konnte die Band 2015 außerdem abstauben. Mehrere Alben und EPs an Morbidität sind ebenfalls vorhanden. Dass ich den Österreichern Einiges abgewinnen kann, sollte also spätestens jetzt klar sein. Auch, wenn mir die Vocals in den tieferen Passagen ab und an etwas wackelig erscheinen und der dumpfere Drumsound nicht ganz meinen Hörgewohnheiten entspricht, dennoch empfehlenswert. Auch die Mehrstimmigkeiten und der dezidierte Gitarrensound, umrandet vom bauchig einmarschierenden Kontrabass sowie dem gut verständlichen Gesang knüpfen sich zu einem klaren, dennoch stereotypen Klangteppich dieses Genres. Der letzte Song „God’s Own Mistake“ mimt übrigens einen gelungen Plattenabschluss – anfängliche Melancholie gepaart mit instrumentaler Eskalation und verzerrten Vocals zum Ende hin: Siebeneinhalb, ach, was solls, acht Punkte von meiner Seite aus für „All These Fiendish Things“ (2019). Prost!

Autor

Bild Autor

Kristina

Autoren Bio

Kristina lebt Metal, und das nicht nur als Fan und Konzertbesucherin, sondern auch mit ihrer Metalband KAFKAESQUE oder ihrer Underground-Konzertreihe SCHEPPERCORE. Bands, die sie inspirieren: Opeth, Gojira, Meshuggah, Jinjer, The Hirsch Effekt, Callejon, Deserted Fear, While She Sleeps etc. www.kafkaesque.de www.scheppercore.de kristina@allschools.de instagram.com/wolfficial