Plattenkritik

DEAF HAVANA - Rituals

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 03.08.2018
Datum Review: 26.07.2018
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Wake
2. Sinner
3. Ritual
4. Hell
5. Holy
6. Saviour
7. Fear
8. Pure
9. Evil
10. Heaven
11. Worship
12. Saint
13. Epiphany

Band Mitglieder

 

James Veck-Gilodi - voc
Lee Wilson - bass
Tom Ogden - drum
Matthew Veck-Gilodi - git
Max Britton - keys

DEAF HAVANA - Rituals

 

 

DEAF HAVANA sind bereits nach 1,5 Jahren mit neuem Material zurück und veröffentlichen mit “Rituals” ihr fünftes Studioalbum. Wie der Vorgänger “All These Countless Nights” erscheint auch “Rituals” via So Recordings. Auch die Entwicklung vom Vorgängeralbum wird aufgegriffen. Mehr Pop, weniger Rock. Eingängig, aber auch austauschbar.

Das Intro “Wake” leitet in zwölf weitere Songs ein mit denen sich DEAF HAVANA immer mehr von ihren Wurzeln abwenden. Das Gesamtwerk DEAF HAVANA wird in den Hintergrund gerückt, Sänger James Veck-Gilodi und seine - zweifelsfrei schöne - Stimme schieben sich in den Vordergrund. Mit “Sinner” startet das Album, gleichzeitig ist der Song auch die erste Single des Albums. Einer der Songs, der noch am ehesten an die Vergangenheit DEAF HAVANAs erinnert. Bereits mit dem anschließenden “Ritual” wird aber deutlich, wo der Weg hinführen soll. Mid-Tempo, Pop-Appeal und Effekthascherei dominieren den Song, der einen sommerlich-positiven Vibe versprüht.

Sommerlich geht es in “Hell” nicht zu. Ein dröhnender Bass und eine insgesamt düstere Stimmung machen den Song zu einem der besten der Platte. Gleichzeitig passt diese Stimmung deutlich besser zu den insgesamt sehr (selbst)kritischen Texten (die man bereits von Sänger James kennt). Auffallend ist, dass die Texte auf “Rituals” ähnlich selbstkritisch besetzt sind wie auf anderen Alben der Band. Musikalisch hat die Band dieses Mal aber eine andere Umsetzung gewählt und verpackt die Texte in oftmals positiv anmutende Pop-Rock-Nummern, die - wie bereits angeschnitten - recht austauschbar sind. DEAF HAVANA haben spätestens mit diesem Album ihre Ecken und Kanten verloren. Für die Massentauglichkeit sicherlich ein Gewinn, für den Musikliebhaber ein Verlust. Als Negativbeispiel sei an dieser Stelle “Fear” angeführt. Auch textlich sicherlich kein Sahnestück der Bandgeschichte (garniert mit einem “Oh-oh” hier und einem “Oh-oh” dort):

“You know you’re killing me with love
And I’m just using up your trust
I treat your love like it’s a drug
Cause I’m addicted to the rush.”

Dafür sind die Nummern auf “Rituals” unheimlich eingängig und setzen sich schnell in den Gehörgängen fest. Doch diese Eingängigkeit hatten DEAF HAVANA (zumindest teilweise) auch mit Ecken und Kanten.

“Evil” ist neben “Hell” einer der wenigen starken Songs der Platte. Die Ballade rückt James’ Stimme in das richtige Licht, die teilweise von einem Chor unterstützt wird. Dieser Song schafft es die Emotionen und den Schmerz des Sängers auszudrücken ohne diese hinter positiv-sommerlichen Vibes zu verstecken.

Fans der ersten Stunde werden DEAF HAVANA mit diesem Album sicherlich nicht zufriedenstellen. Ob neue Fans hinzu kommen ist fraglich, da der Pool an Pop-Rock-Bands, die ähnlich klingen wie das was auf “Rituals” geboten wird, mehr als gut gefüllt ist. Mit “Hell” und “Evil” bietet das Album aber auch zwei Lichtblicke einer nur mäßig gelungenen Neuausrichtung.

Autor

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Peter

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