Plattenkritik

HEISSKALT - Idylle

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 23.05.2018
Datum Review: 26.07.2018
Format: CD Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Bürgerliche Herkunft
2. Wiederhaben
3. Tapas und Merlot
4. Idylle
5. Fest
6. Du denkst ich lächle dich an doch mich blendet die Sonne
7. Tassenrand
8. Wie Sterne
9. Herbstlied

Band Mitglieder

 

Mathias Bloech - voc, git, bass
Philipp Koch - git, bass
Marius Bornmann - drum

HEISSKALT - Idylle

 

 

Lange hat es gedauert! Nicht bis HEISSKALT ihr aktuelles Album “Idylle” veröffentlicht haben, sondern bis ich mit dem neuen Sound warm geworden bin und die richtigen Worte dafür gefunden habe. In Eigenregie und nur noch zu dritt haben HEISSKALT still und leise “Idylle” aufgenommen und am 23. Mai 2018 überraschend veröffentlicht.

Nur neun Songs befinden sich auf der Platte. Trotzdem ist diese dritte Platte die abwechslungsreichste der noch jungen Bandgeschichte. Mit “Bürgerliche Herkunft” steigt man ein in die Idylle und fühlt sich zu Hause. HEISSKALT klingen wie, na, wie HEISSKALT eben. Alternative Rock, der nach vorne geht. Leichte Screams, druckvolles Schlagzeug und ein starkes Gitarrenfeuerwerk.

Doch bereits das zweite Stück “Wiederhaben” macht deutlich, dass sich im Hause HEISSKALT nicht nur etwas an der Besetzung geändert hat. Es geht ruhiger zu, zumindest musikalisch. Mehr Klargesang, weniger Screams, mehr Abwechslung. “Wiederhaben” und “Tapas und Merlot” machen das deutlich. “Idylle” unterstreicht das Ganze. Dabei hat es mir besonders der Song “Idylle” angetan, der in 4 Minuten und 19 Sekunden jederzeit ausbrechen könnte. Ausbrechen in einen großen Refrain, in ein druckvolles Schlagzeugspiel, in ein ausuferndes Gitarrensolo oder einen Urschrei. Doch “Idylle” tut das nicht, und irgendwie macht genau das den Song besonders. Etwas Unerwartetes. Der Kopf nickt trotzdem.

“Du denkst ich lächle dich an doch mich blendet die Sonne” erinnert mit “Bürgerliche Herkunft” und “Wie Sterne” am ehesten an die früheren HEISSKALT. Ein Song in ungewöhnlichem Tempo, schwer zu greifen und wenig eingängig, trotzdem besonders und hörenswert.

Sowohl beim ersten Mal als beim 15. Mal “Tassenrand” muss ich unweigerlich an VAN HOLZEN denken. Der Hall in der Stimme und auch der Rest des Songs könnten mit etwas mehr Dampf unter dem berühmten Kessel durchaus auch vom Ulmer Trio stammen.

“Wie Sterne” ist neben “Herbstlied” und “Bürgerliche Herkunft” wohl der stärkste Song der Platte (auch hier am Anfang ein VAN HOLZEN-Vibe). Der Song geht (wie wenige auf der Platte) nach vorne und macht Lust zu sich zu bewegen, im staubigen Festivalpit oder im schwitzigen Club.   

"Mach dir keine Sorgen, es wird morgen wieder heII
Ich kann dir ein Lächeln borgen, wenn du wiIIst, zieh
Schnell, schnell, schneII
Unsere Augen leuchten
Grell, grell, grell
Wie Sterne"

Das abschließende, bereits angesprochene “Herbstlied” beschließt die neun Songs und 37 Minuten Spielzeit. Für das “Herbstlied” braucht es nur eine Akustikgitarre, einen Bass und die Stimme von Matthias Bloech, um eine beklemmende Stimmung zu erzeugen. In diesen besonders ruhigen Momenten sind HEISSKALT ebenso stark wie in ihren großen, hymnenhaften Rocksongs. Ein gelungener Abschluss einer Platte, für die man Zeit braucht. Eine Platte, die sehr divers ist, obwohl sie nur neun Songs umfasst. Eine Platte, die HEISSKALT vor neue Herausforderungen gestellt hat, da sie einen Instrumentalisten verloren haben. Eine Platte, die man sich anhören sollte. Egal, ob man HEISSKALT bereits kennt, oder nicht.

Die Band ist im November/Dezember 2018 sowie im Februar 2019 auf Tour:

30.11.2018 Bremen - Schlachthof
01.12.2018 Münster - Sputnikhalle
02.12.2018 Erlangen - E-Werk
05.12.2018 Essen - Weststadthalle
06.12.2018 Kiel - Die Pumpe
07.12.2018 Jena - Kassa Blanka
08.12.2018 Marburg - KFZ
09.12.2018 Dresden - Beatpol
11.12.2018 München - Backstage
12.12.2018 Bielefeld - Forum
13.12.2018 Hannover - Musikzentrum
14.12.2018 Freiburg - Jazzhaus
21.12.2018 Stuttgart - LKA (Jahresabschlusskonzert)
14.02.2019 Leipzig - Werk 2
15.02.2019 Frankfurt a.M. - Sankt Peter
16.02.2019 Köln - Live Music Hall

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Peter

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