Plattenkritik

ASKING ALEXANDRIA - s/t

Redaktions-Rating

Info

Release Date: 15.12.2017
Datum Review: 22.12.2017
Format: CD Digital

Tracklist

 

01. Alone In A Room
02. Into The Fire
03. Hopelessly Hopeful
04. Where Did It Go?
05. Rise Up
06. When The Lights Come On
07. Under Denver
08. Vultures
09. Eve
10. I Am One
11. Empire (feat. Bingx)
12. Room 138
13. Into The Fire (radio edit)

Band Mitglieder

 

Ben Bruce – lead guitar, vocals, keyboards, programming
Danny Worsnop – lead vocals, keyboards, programming
James Cassells – drums
Cameron Liddell – rhythm and lead guitar
Sam Bettley – bass guitar

ASKING ALEXANDRIA - s/t

 

 

Wir erinnern uns: grade mal zwei Jahre ist es her, da hat Danny Worsnop mit Pauken und Trompeten seinen Ausstieg bei ASKING ALEXANDRIA verkündet, um sich seiner Solokarriere zu widmen. Unter ähnlich großem Getöse wurde kurz darauf der ukrainische Shouter Denis Stoff als neuer Frontmann der britischen Shootingstars angekündigt. Nach nur einem Album, welches teilweise sehr durchwachsen aufgenommen wurde, ist Denis Stoff (unter etwas undurchsichtigen Umständen) auch schon wieder raus. Zurück ist dafür kein geringerer als Danny Worsnop. Der hat in der Zwischenzeit seine Alkohol- und Drogensucht überwunden, ein Soloalbum und ein ziemlich gutes Hard-Rock-Album mit seiner neuen Truppe WE ARE HARLOT veröffentlicht und war allgemein ziemlich umtriebig. Nun scheinen er und Bandleader Ben Bruce sich wieder versöhnt zu haben und so steht der bärtige Brite nun wieder bei ASKING ALEXANDRIA hinterm Mikro.

 

Aber hatte Danny Worsnop nicht groß bekundet, dass er das Interesse an Screaming und härterer Musik verloren habe und war nicht grade das auch einer der Gründe für seinen Ausstieg? Nun, ein großes Problem stellt das auf dem neuen, selbst betitelten Album schlichtweg nicht mehr da. Statt einer Rückkehr zu alter Stärke ist ASKING ALEXANDRIA nämlich vielmehr ein Neuanfang, der mit einer konsequenten stilistischen Neuorientierung einhergeht. Die von einem eingängigen Sample und Worsnops warmem Gesang dominierte, aber tatsächlich noch gelegentlich eruptiv ausbrechende Single "Into The Fire" hat die Marschrichtung dabei schon ganz gut angedeutet und wer hier an die jüngere Entwicklung von BRING ME THE HORIZON denkt, der liegt definitiv nicht ganz falsch. Oli Sykes und seine Rabauken scheinen eine Art Trend losgetreten zu haben und so lassen auch ASKING ALEXANDRIA ihre Metalcore-Vergangenheit weitestgehend hinter sich und wenden sich insgesamt seichteren, deutlich in Richtung Charts schielenden Tönen zu.

 

Dabei bedienen sich die Herren fröhlich bei den Pop- und Rocktrends der letzten Jahre. Die Gitarren finden dabei vornehmlich im hintergründigen Alternative-Spektrum statt, braten nur selten mal so richtig drauflos und üben eher eine zweckmäßige Rolle aus, das Klangbild ist fast durchweg großzügig mit verträumten Samples und jeder Menge Elektronik durchzogen. Spätestens bei dem von Gast-Rapper BINGX begleiteten "Empire" kommt man eigentlich an Vergleichen mit LINKIN PARK nicht mehr vorbei und auch der Name FALL OUT BOY geistert im Hinterstübchen umher.

 

Eine starke Leistung liefert aber vor allem Danny Worsnop ab, dem der Entzug und seine Soloeskapaden offensichtlich sehr gut getan haben. So arbeitet er sich souverän durch das neue Material, säuselt poppig ("Alone In A Room"), schmachtet, raunt tief, feuert ein künstlich eingespieltes Publikum an ("When The Light Come On") und gibt dabei einen auf Stadion gebürsteten Refrain nach dem anderen zum Besten. Das Highlight zwischen all diesen mitunter etwas überladenen Chartbustern ist ganz klar die saustarke Akustikballade "Vultures", die instrumental aufs Nötigste reduziert ist und bei der Worsnop mit rauchiger Whiskystimme und eindringlichem Gesang für Gänsehaut sorgt. Allein seine kernigen Shouts und Screams finden nur noch selten Einsatz und dienen eher der Auflockerung, Zugeständnisse an ihre Metalcore-Vergangenheit machen ASKING ALEXANDRIA eigentlich nur bei "Eve".

 

Dass das ganze extrem professionell hochgezogen ist, braucht man wohl kaum zu erwähnen. Genau hier sehe ich allerdings auch das Problem der Scheibe, in dieser Professionalität, die sich heuer scheinbar im gesamten Handeln der Band widerspiegelt. Nichts auf ASKING ALEXANDRIA kommt spontan rüber, alles wirkt gut durchkalkuliert und auf maximalen Erfolg gestreamlined. Das muss nicht zwingend etwas über die Qualität der Musik aussagen und ASKING ALEXANDRIA haben durchaus gutes Mainstreammaterial am Start, mir persönlich fehlt aber die Seele (außer bei "Vultures"), die Energie und die Spontanität.

 

Wer mit den letzten Alben von BRING ME THE HORIZON, CALLEJON oder IMMINENCE warm geworden ist und mit der neuen Ausrichtung von ASKING ALEXANDRIA grundsätzlich klarkommt, der wird mit dem Album sicherlich seine Freude haben und darf gerne noch zwei Punkte auf meine Bewertung draufschlagen.

 

Autor

Bild Autor

Hans

Autoren Bio

Meine großen Leidenschaften: Literatur und laute Musik. Plattenkritiken liegen nahe.