Plattenkritik

DREAM NAILS - Dream Nails

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Info

Release Date: 21.10.2020
Datum Review: 21.10.2020
Format: Vinyl Digital

Tracklist

 

1. Affirmations (Skit)
2. Jilian
3. Do You Want to Go to Work (Skit)
4. Corporate Realness
5. Text Me Back (Chirpse Degree Burns)
6. Women and Non-Binary People to the Front (Skit)
7. Vagina Police 2.0
8. DIY
9. People are Like Cities
10. Swimming Pool
11. This Is the Summer
12. Fighting Tips (Skit)
13. Payback
14. In Other News (Skit)
15. Kiss My Fist

DREAM NAILS - Dream Nails

 

 

Fürchterlich. Und dabei wollte ich eigentlich nur das neue NEÀNDER-Album rezensieren - geile Platte übrigens. Da dieser Job allerdings bereits vergeben war, willigte ich ein, stattdessen etwas über das selbstbetitelte Debüt der 4 Britinnen von DREAM NAILS zu schreiben. Ich werde daraus lernen.

Leider habe ich mit mir selbst die Vereinbarung, dass ich über keine Veröffentlichung urteile, die ich nicht mindestens 3 Mal angehört habe – aus Respekt vor dem Schaffen der Künstler. Es fiel mir schon seit Jahren nicht mehr so schwer, das einzuhalten, wie bei DREAM NAILS. Vermutlich war es doch eine gute Idee, nicht mehr blind irgendwas zu rezensieren, das ich nicht kenne oder wenigstens grob einordnen kann. Diese Musik grenzt wirklich an Körperverletzung, der Tatbestand der Lärmbelästigung ist für mich subjektiv jedenfalls fast durchgehend erfüllt. Die vier selbsternannten „punk witches“ klingen deutlich jünger, als sie aussehen, nämlich ziemlich stark nach früher Pubertät. Penetrant, nervig, laut und einfältig. Wer drauf steht: Bitteschön. Der andauernde Kinderchor will mich für meinen Teil einfach nur sofort abschalten lassen. Die Melodien klingen teilweise, als hätte man dieselbe schreiende Horde Blagen wahllos rumdudeln lassen und könnten, allerdings mit viel Wohlwollen, maximal als schlechtes Intro für eine Kinderserie dienen. Dann wäre jeder Elternteil mit funktionierendem Ohrenpaar in den Nebenraum vertrieben. Auch das, was die Frontfrau stimmlich allein auf die Beine stellt, klingt, als ob es jederzeit und problemlos von einer Teenagerin zu reproduzieren wäre. Dass es instrumentell auch anders geht, zeigt allerdings der Beginn von „Text Me Back“, der mit seinem funk-angehauchten Riff bis zum unvermeidlichen Wiedereinsetzen der Penetranz auch als Song aus der goldenen Indie-Zeit Mitte der 2000er hätte durchgehen können. Ansonsten gilt „People Are Like Cities“ noch als Lichtblick. Hier zeigt sich die Sängerin von ihrer bislang besten Seite. Allerdings entsteht aufgrund der deutlichen Diskrepanz im Sound der Eindruck, als wären die Songs des Albums in verschiedenen Aufnahmesessions entstanden.

Schade, dass die nach wie vor wichtigen – und vor allem deutlich ausgesprochenen - Messages der queeren und feministischen Band durch die schreckliche Performance übertüncht wird. Ähnlich wie hierzulande von DEUTSCHE LAICHEN, nur sogar nochmal schlechter. Aber machen wir uns nichts vor: Zum Glück gibt es genug andere Bands mit einem ähnlichen Hintergrund, die das besser vertont haben, siehe PETROL GIRLS.

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Marcel M.

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