SUMMER BREEZE 2018

11.09.2018
 

 

Das Summer Breeze hat sich im Laufe der Jahre zum Herzensfestival der schwermetallischen süddeutschen Allschools Belegschaft entwickelt. Auch im Jahre eins nach der großen Jubiläumssause 2017 blieb das Summer Breeze beispielsweise bei der großen Hauptbühne die innen gedreht werden konnte, was die gefühlten Umbaupausen deutlich verkürzt. Das Summer Breeze blieb bei seinem musikalischen Konzept, möglichst viele Spielarten des Metal im Line Up zu haben und man merkte deutlich, dass die Veranstalter einige Kritikpunkte des Vorjahres aufgenommen und faktisch abgestellt haben. Kristina und Michael berichten für Euch.

 

Mittwoch

Any Given Day

Gleich nach offizieller Festivaleröffnung durch die allseits bekannte Blasmusik Illenschwang folgte direkt das erste Brett des Tages mit ANY GIVEN DAY: Nach dem Intro schmetterte “Endurance”, einer der bekanntesten Songs der Band, aus den Boxen der T-Stage und kann absolut bezeichnend für den Rest des Sets verwendet werden. Trotz brennender Hitze volle Begeisterung im Publikum, das auch ohne großen Bühnen-Schnickschnack feiern kann. Natürlich darf an dieser Stelle auch das “Diamonds”-Cover nicht unerwähnt bleiben. Funktioniert als krönender Abschluss eben immer noch wahnsinnig gut. ANY GIVEN DAY gehen ins Ohr und bleiben dort - nicht umsonst eine meiner Live-Favoriten, die beständig abliefern. (Kristina)

Auðn

Das Summer Breeze 2018 startete für die eine Hälfte des Allschools Team (Michael) mit den isländischen Black Metallern von Auðn. Die schon anständig mit Besuchern gefüllte und neu mit einem tollen Vordach ausgestattete Camel Stage konnte so früh am Abend ihren Vorteil ausspielen: Sonne und Black Metal passen nicht so recht zusammen, aber ein wenig Schatten hilft ungemein. So lieferten Auðn ein spannendes Set ab, welches stark vom Kontrast aus Black Metal Geballere und wunderschönen Melodiebögen lebte. Wie ihre Landsmänner von Sólstafir singen Auðn auf isländisch, letztere machten aber auch alle Ansagen in ihrer Landessprache die natürlich kaum jemand verstand. Starkes Konzert einer Band, die man als Fan des melodiösen Black Metal auf dem Radar behalten sollte. (Michael)

Ram

Hellbent for Leather könnte das Motto von RAM sein, welche nach Auðn auf der Camel Stage spielten und in Sachen Outfit komplett auf Leder und Nieten setzten. Auch in Punkto Musik ist das eben genannte Motto ein passender Vergleich: RAM wildern musikalisch stark im Old School Judas Priest Sound. Beobachterinnen und Beobachtern des eher klassischen Metals dürften RAM keine Unbekannten sein, denn die letzten Alben “Svbversvum” und “Rod” wurden absolut zu Recht sowohl von der einschlägigen Presse als auch von den Fans abgefeiert. RAM setzten bei ihrer Setlist auf eine ausgewogene Mischung aus schnelleren Nummern und Songs, die eher melodiös aufgebaut sind. Hervorzuheben ist in der letzten Kategorie “Gulag” vom letzten Album “Rod”, welches live für Gänsehaut sorgte. Starker Auftritt einer der besten klassischen Metal Bands dieser Tage. (Michael)

Sepultura

Wer erinnert sich noch an das fantastische SEPULTURA Konzert am Summer Breeze 2015, welches fast dem Regen zum Opfer gefallen wäre? Damals waren Sepultura die ersten, die nach der Geländeevakuierung wieder die Hauptbühne bespielen konnten und somit auf ein sehr euphorisches Publikum trafen. Anno 2018 lief alles nach Plan und Sepultura spielten vor einer knallevollen T-Stage ein Set welches sowohl neues wie auch altes Songmaterial beinhaltete. Im Gegensatz zur reichlich phlegmatischen “Max & Iggor Roots Tour” lieferten die Herren Kisser, Greene, Junior und Casagrande eine energiegeladene Show ab, die sich sehen lassen konnte. Gerade letzterer, der 26 Jahre junge Eloy Casagrande, glänzte über das ganze Set hinweg mit einer beeindruckenden Drum-Performance und wird nicht umsonst als einer der derzeit ganz großen Talente unter den Metal Drummern gehandelt. Dereck Greene feierte just an diesem Tag sogar sein 20. (!) Jubiläum als Sepultura Frontmann, welches standesgemäß mit dem Track “Against” des gleichnamigen Albums gefeiert wurde. (Michael)

Donnerstag

Exhorder

Der erste Haupttag des Festivals begann für uns mit niemand geringerem als EXHORDER, die in den frühen 90ern mit “Slaughter in the Vatican” und “The Law” wahrlich wegweisende Alben veröffentlichten. Die Band, die sich kurz danach im Jahre 1993 aufgelöst hatte fand 2019 wieder zusammen und spielt seitdem immer wieder Shows mit dem alten Material. So gab es dann gleich am frühen Summer Breeze Nachmittag eine gehörige Portion an Old School Metal Klassikern, die von der Band um Kyle Thomas mit viel Spielfreude gezockt wurden. Tolle Show, die Laune machte und die Vorfreude auf neues Material weckt! (Michael)

Jasta

Eigentlich sollte auf dem Summer Breeze ja das Metal All Star Sammelsurium METAL ALLIANCE spielen, diese sagten ihren Auftritt jedoch vor einigen Monaten wieder ab. Aber zum Glück tourt derzeit Jamey Jasta von HATEBREED mit seinem Soloprojekt JASTA durch die Lande und hatte am Summer Breeze ebenfalls diverse Promis der modernen Metal Spielrichtungen dabei. So fanden sich im Laufe des höchst unterhaltsamen JASTA Sets unter anderem Dino Cazares von FEAR FACTORY, Kirk Windstein von CROWBAR und Howard Jones von LIGHT YOUR ANKER bzw ex-KILLSWITCH ENGAGE auf der Bühne ein. So gab es im Laufe des Konzerts eher unspannende Songs von Jamey’s Soloprojekt zu hören aber die Spannung lag natürlich bei den gespielten Covers und derer gab es viele. So wurden beispielsweise zusammen mit Dino “Body Hammer”, “Edgecrusher” und “Replica” von FEAR FACTORY gespielt. Zusammen mit Kirk gab es “All I Had I Gave” von CROWBAR und ebenfalls mit Kirk “Enlightened To Extinction”, “Bury Me In Black” und “Lead The Ghosts Away” von KINGDOM OF SORROW. Gerade letztere Songs waren etwas Besonderes weil das Projekt von Jamey und Kirk terminbedingt so gut wie nie tourt. Im Laufe der Show holte Jamey dann noch die Newcomer von UNCURED auf die Bühne, die zusammen mit Ihm eine eher weniger überzeugende Darbietung von HATEBREEDs “Destroy Everything” spielten. Höhe- und zugleich krönender Schlusspunkt des Sets war dann das DOWN Cover “Bury Me In Smoke” zudem dann noch Kyle Thomas (EXHORDER, TROUBLE) als absolut überzeugender Gastsänger auf die Bühne kam.

Summa Summarum war das Ganze eine absolut unterhaltsame Sache, die über die gesamte Spielzeit hinweg richtig Spass gemacht hat. Toll gemacht, Jamey und co! (Michael)

Tragedy Of Mine 

Newcomer auf der Ficken Party Stage - und sogleich wird es interessant. TRAGEDY OF MINE überzeugen nicht nur mit durchdachtem Outfit und gutem Stageacting, sondern liefern auch richtig soliden Melodic Death Metal ab. Obgleich man den Weg von Infield zu Campground auf sich nehmen musste, versammelte sich dennoch eine kleine Gemeinde an Fans und Interessierten vor der Bühne. Die Band aus Osnabrück kombiniert gekonntes Geballer mit treffenden Liveansagen von Sänger Steven: “Ihr kennt die Dinge, die einen privat beschäftigen und nicht aus dem Kopf wollen, weil man sich verdammt nochmal nicht traut, sie herauszulassen.” Den Song “Broken” kann ich nur wärmstens empfehlen - befindet sich im Übrigen auf der kürzlich erschienenen Platte “Tenebris” (2018). (Kristina)

Necrotted

NECROTTED avancieren langsam aber sicher zu den Abtsgündnern Lokalmatadoren des Festivals und sind wie immer eine sichere Bank in Sachen “brutaler Abriss” auf der Camel Stage. Die von Festival zu Festival größer werdende Publikums Resonanz der modernen Death Metaller / Corler spült die Band absolut zu Recht auch immer weiter nach oben im Line Up. Toller Auftritt, einer sehr sympathischen Band! (Michael)

The Black Dahlia Murder

Auch bei den Death Metallern von THE BLACK DAHLIA MURDER wird auf bewährt hohe Qualität bei möglichst wenigen Überraschungen gesetzt. Trevor Strand präsentierte sich dabei als gewohnt technisch guter und agiler Frontmann, der das wechselnde Spiel zwischen Growls und Screams absolut perfektioniert hat ohne dabei die ganze Zeit künstlich einen auf böse zu machen. Schwerpunkt des Sets war das neue Album Nightbringers, welches sich gut in Klassiker von Nocturnal oder Miasma einfügte. (Michael)

Behemoth

Zu meiner allergrößten Schande muss ich gestehen, dass ich BEHEMOTH auf dem Summer Breeze 2018 zum ersten Mal live sah. Wie habe ich eigentlich mein bisheriges Leben ohne verbringen können? Um diese Sinnkrise kümmere ich mich jedoch später - “It doesn’t get more blasphemous than this.” Zugegeben, Klischees werden hier en masse bedient: Haufenweise Sprühfeuer, Eimer an Kunstblut und Theaterschminke, Nieten, Totenschädel und Renaissancefiguren schmücken das sehr üppige Bühnenbild BEHEMOTHs. Im Fotograben herrschte jedenfalls eine sehr wohlige Kaminatmosphäre. “I Loved You at Your Darkest” soll das neue Album heißen, erscheinen wird es am 05. Oktober 2018. Bis dahin gelobe ich Besserung und werde mich eingehender mit dem Kult um Frontmann Nergal beschäftigen (Instagramstories macht er sehr viele). Spielerisch - und das sollte wirklich jeder bemerkt haben - schindet die Show jedenfalls großen Eindruck, da ist Wumms dahinter. Amen. (Kristina)

Pallbearer

Während drüben auf der Hauptbühne BEHEMOTH den Weltuntergang zelebrierten, setzten PALLBEARER auf der Camel Stage auf vergleichsweise beschauliche Klänge: basslastiger Doom Metal mit melodiösem Gesang war angesagt. Im Laufe ihres Sets schafften es Pallbearer gerade einmal 5 ihrer tendenziell langen Songs zu spielen und konnten dabei unterstreichen, dass sie derzeit zweifellos zu den talentiertesten Doom Metal Bands gehören. Jedem Fan dieser Musikrichtung sei zudem das letzte Pallbearer Album “Heartless” ans Herz gelegt. (Michael)

Celeste

Die Franzosen von CELESTE sollten das diesjährige Kleinod im Line Up des Summer Breeze Festivals sein. Die Band spielt sehr selten Konzerte und um so schöner ist es, dass es dem Summer Breeze Team gelungen ist diese bemerkenswerte Band auf den Acker nach Dinkelsbühl zu locken. Celeste machten aus ganz wenig ganz viel: mit wenig Licht, viel Rauch und je einer roten LED auf den Köpfen jedes Musikers schafften es die Musiker eine perfekt zur Musik passende düstere Stimmung zu erzeugen. Musikalisch gab es primär Material vom aktuellen Album “Infidèle(s)”. Das Wechselspiel zwischen Doom Metal, Sludge und Black Metal und ebenso die Tempowechsel sorgten für gar andächtige und faszinierte Simmung im Publikum. Es sollte eines der besten Konzerte des Festivals sein. (Michael)

Eskimo Callboy 

ESKIMO CALLBOY halten sich konstant im Bizz und sind mittlerweile so etwas wie der Inbegriff von Hüpforgien und Hip Hop-Moves im Publikum. Ende 2011 wurde sich auf der offiziellen Summer Breeze-Seite noch die Frage gestellt, ob die Jungs die ersten Stars des Genres Elektrocore werden würden: “Und eines steht fest: Diese unbekümmert und frisch auftretende Truppe wird gehörig polarisieren. [...] Einzig Traditionalisten sollten einen großen Bogen um diese Musikrichtung im Allgemeinen machen. Aber auch sie werden ihren unaufhaltsamen Erfolgszug nicht unterbinden können.” - Könnte man aus heutiger Sicht wohl so abhaken. Für meinen Geschmack nach wie vor zu viel vom Band und zu wenig Liveperformance an den Vocals. Man muss ESKIMO CALLBOY allerdings zugute halten, dass ihr vorgelegtes Marketingkonzept voll und ganz aufgeht und die Band sich einen festen Platz innerhalb der Coreszene gesichert hat. Gleich neben MC Thunder. (Kristina)

Cannibal Corpse

Eigentlich könnte man den Auftritt von CANNIBAL CORPSE am Summer Breeze mit zwei Worten zusammen fassen: wie immer.

Wie immer gut, wie immer brutal, wie immer die härteste Band, wie immer die beste Death Metal Band... Cannibal Corpse waren wie immer absolut herausragend, wenn auch frei jeglicher Überraschungen, aber wer will denn schon Überraschungen von den sympathischen Herren aus Florida? Die Setlist bestand aus einer gelungenen Mischung, die zwar einen leichten Schwerpunkt auf die neue Platte “Red Before Black” setzte, aber dennoch fast alle Schaffensphasen der Band abdeckte. (Michael)

 

Freitag

Annisokay 

Annisokay Summer Breeze 2018

Happy Release-Day! “Arms” (2018) heißt die brandneue Platte, die am 17.08. veröffentlicht wurde und 12 Tracks umfasst. Zum persönlichen Erstaunen wurden an diesem Tag allerdings nur zwei Songs des Albums live performt: “Coma Blue” und “Unaware”, zugleich die beiden Singleauskopplungen der Scheibe. Nichtsdestotrotz eine solide Show so früh am Tag (pünktliche Eröffnung der Hauptbühne durch ANNISOKAY war um 11 Uhr). Ich werde mir “Arms” nun jedenfalls etwas näher zu Gemüte führen, das aktuelle und sehr sehenswerte Musikvideo zu “Sea Of Trees” wurde während der USA-Tour der Band gedreht und am 21.08. veröffentlicht. (Kristina)

Ancst 

Ein wenig Blackened Crust/Hardcore Fusion/Black Metal an sonnigen Nachmittagen hat noch Niemandem geschadet. Zugegeben, ich lief selbst mehr oder minder zufällig an der Camel Stage vorbei und blieb stehen (das Konzept dieser Bühne geht wirklich mehr als auf). ANCST könnten sich folgendermaßen beschreiben lassen: Treibende Blastbeats gekoppelt mit Hardcoreattitüde, ausreichend Schweiß und Rastlosigkeit auf der Bühne sowie innerhalb ihrer Musik. Die Berliner Band hat keine Lust auf Faschismus, Rassisten, Sexismus oder andere geistige Verirrungen - und das bringt sie auch zum Ausdruck. Live sehr hörenswert und definitiv einen Social-Media-Besuch wert. Schon alleine wegen dem "stepping on lego"-Post. (Kristina)

Saltatio Mortis

Ich muss gestehen: Mittelalter Rock ist eigentlich überhaupt nicht mein Ding, aber dennoch blieb ich bis zum Schluß bei der Show von SALTATIO MORTIS hängen. Die Band spielte ein absolut mitreissendes und abwechslungsreiches Set, welches einfach Laune machte und durch sehr sympathische Ansagen begleitet wurde. Die Band würde ich mir jetzt nicht daheim oder unterwegs anhören, aber auf einem Festival auf jeden Fall wieder anschauen. TOP Konzert und genau für solche Entdeckungen ist das Summer Breeze mit seinem heterogenen Line Up gut. Das war der beste Blick über den Tellerrand des Wochenendes. (Michael)

Beartooth 

BEARTOOTH machen Laune, Songs wie “King of Anything” und “Hated” zählen zu meinen persönlichen Favoriten. Bei der Summer Breeze-Show begann zum Leid aller direkt nach dem dritten Song ein kleiner Weltuntergang vom Himmel zu fallen. Nichtsdestotrotz wurde die Show sauber durchgezogen, die Fans bewaffneten sich mit Regenponchos und weiter ging es. Während im Hintergrund einige Festivalbesucher von der Hauptbühne kommend das Feld räumten, um zu ihren Camps zu gelangen, ballerten BEARTOOTH unentwegt weiter. Eine energiegeladene Show mit Songs, die ins Ohr gehen. Gerne mehr davon! (Kristina)

Doro

Die Grand Dame des klassichen deutschen Heavy Metal war als nächstes auf der Hauptbühne an der Reihe: DORO Pesch. Geboten wurde ein Potpourri aus alten Klassikern, neuem (eher belanglosem) Material und ein paar Cover Songs. Doro selbst präsentierte sich gewohnt souverän und gut gelaunt. Selbstverständlich wurde auch das für Doro typische Denglische Metal Phrasenschwein bei den Ansagen gefüttert. Zusammenfassend war das Doro Konzert eine solide und gute Show, über die man aber ein paar Monate später wohl nicht mehr im Freundeskreis schwärmen wird. (Michael)

Trivium

Mit TRIVIUM sollte dann schließlich der erste Headliner des Freitags auf  der Hauptbühne spielen. Die Männer um Matt Heafy legten mit dem Opener des letzten Albums “The Sin And The Sentence” los und kamen sofort gut beim Publikum an. In der Setlist setzten TRIVIUM einen leichten Schwerpunkt auf ihr starkes aktuelles Album, aber die Hits des Backkatalogs kamen nicht zu kurz. Ein schöner Kontrast zu den übrigen Headliner Shows war die Tatsache, dass Trivium in ihrer Show gänzlich auf Pyros verzichtet haben. Sind wir uns ehrlich: dieses Feuergeballere nutzt sich so langsam auch ab und wirkt bei den meisten Bands etwas austauschbar. (Michael)

Arch Enemy

Wo wir schon beim Thema Feuer sind: das gab es bei ARCH ENEMY dicke und nicht zu knapp. Die derzeit wohl angesagteste Melodic Death Metal Band ließ am Summer Breeze nichts anbrennen und spielte ein herausragendes und routiniertes Set. Auffallend war das Fehlen von Jeff Loumis, der aus erfreulichen familiären Gründen fehlte und durch Joey Concepcion vertreten wurde. Letzterer glänzte das gesamte Set hinüber mit einer selten gesehenen Abgeklärtheit und spielte sogar die ganz schwierigen Parts und Soli anstandslos und in herausragender Harmonie zu Michael Amott. Beim Publikum kamen ARCH ENEMY hervorragend an und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Anzahl der Crowdsurfer wohl den Rekord des Festivals stellen dürfte. Die Setlist bestand wenig überraschend primär aus Songs der beiden Alben mit Alissa White Gluz, aber natürlich fehlten auch die Hits der Vorgänger Alben wie “Ravenous”, “My Apocalypse” oder “We Will Rise” nicht. Im Laufe der Zeit steigerte sich die Pyroshow immer mehr, aber ein kritischer persönlicher Gedanke muss hier sein: Das war nett anzusehen, wirkte aber irgendwie austauschbar und man hatte den Eindruck, dass hier nach dem Motto “Mehr hilft mehr” vorgegangen wurde. Bands wie PARKWAY DRIVE gehen hier bei ihren letzten Shows deutlich kreativer zu Werke. Summa Summarum ein sehr guter Headliner Auftritt, welcher die Vormachtstellung der Band beeindruckend unterstrich. (Michael)

Alcest 

Es hätte an diesem Tag wohl keine bessere Uhrzeit für den Auftritt von ALCEST geben können. Zur lauen, biergeschwängerten Sommernacht betraten die Franzosen um 0:45 Uhr die Bühne. Lichter, Stimmung, Sound - alles war in diesen Momenten stimmig. Selten habe ich ein so harmonisches Gesamtgefüge erlebt. Nur wenige redeten, das Wummern der entfernten Mainstage verschwand im Hintergrund, man folgte den Bühnenlichtern und lies Gedanken schweifen. Die Pioniere des sogenannten “Blackgaze” lassen sich nicht nur live wirklich empfehlen! (Kristina)

Harakiri For The Sky 

Als letzte Band ein gelungener Tagesabschluss für alle wach gebliebenen Nachteulen. Bis um 03:00 Uhr sollten HARAKIRI FOR THE SKY fortführen, was mit ALCEST begann. Obgleich hier ein wenig mehr Aggression sowie gut eingebettete Blastbeats vorhanden waren, zählen die Österreicher dennoch zu den Bands, die innerhalb des Black Metal atmosphärischer kaum hätten sein können. Musste man sich bei ALCEST die ein oder andere imaginäre Träne verdrücken, zählte bei HARAKIRI FOR THE SKY mehr die Intensität des musikalischen Erlebens - wunderschön. (Kristina)

Samstag

Phil Campbell and the Bastard Sons 

PHIL CAMPBELL, der MOTÖRHEAD Gitarrist tingelt seit einiger Zeit mit seiner Solo Band durch die Lande und machte damit auch am Summer Breeze Halt. Die Band legte mit ein paar Eigenkompositionen los um dann die Stimmung im Publikum mit ein paar Motörhead Songs anzuheizen. Schön war zu sehen, dass bei den Covers auch HAWKWIND (Lemmys erste namhafte Band) bedacht wurden. Das Ende des unterhaltsamen Sets bildete, welch Überraschung, natürlich “Ace Of Spades”. (Michael)

Orange Goblin 

“Raise your fists in the air and get your beers in you” … so lautete eine der vielen prolligen Ansagen der britischen Doom Metal Heroen von ORANGE GOBLIN, die im Laufe der Zeit bewiesen haben, dass sie einfach in jeder Konstellation funktionieren. Diese Band überzeugt eigentlich immer sowohl auf kleinen Club Bühnen, wie auch auf den größeren Festivals. Sänger Ben war bester Laune, welche auch auf das zahlreich erschienene Publikum überschwappte. So wurde während des ORANGE GOBLIN Sets viel gegrölt, Bier getrunken und Crowd gesurft. Die wohl überzeugendste Kreuzung aus Black Sabbath und Motörhead dieses Planeten war bei ihrem Summer Breeze Einstand wie immer eine Bank. (Michael)

Ondt Blod 

Immer wieder erfreulich, neue Bands zu entdecken: ONDT BLOD aus Norwegen lassen sich dem Hardcore-Genre zuordnen, irgendwie aber auch nicht so ganz. Fast schon poppige Refrains und eine dezente Punkattitüde geben ihrer Musik das gewisse Etwas - ganz zu Schweigen von den durchgängig muttersprachlichen Lyrics. Es muss schließlich nicht immer Englisch sein, gefällt mir persönlich sehr gut. Potential haben die Jungs aus Kirkenes (eine der absolut nördlichsten Ortschaften Skandinaviens, dort dauert die Polarnacht von Ende November bis Mitte Januar) auf jeden Fall. Das 2018 erschienene Album “Natur” ist definitiv hörenswert! (Kristina)

Rolo Tomassi 

Selten konnte mich vor einiger Zeit der erste Schein so trügen wie bei ROLO TOMASSI. Diese “süße Frontfrau” namens Eva Spence entpuppte sich als wandelnde Stimmgewalt. Zusammen mit ihrer Band fällt es sichtlich schwer, eine Schublade für diese Musik zu finden - begehbarer Kleiderschrank trifft es wohl am besten. Vergleicht man Songs wie “Aftermath” mit “Rituals”, deren direkter Übergang auf der aktuellen Platte “Time Will Die and Love Will Bury It” (2018) zwischen Song 2 und 3 zu hören ist, bekommt man eine kleine Vorahnung, wie wandelbar diese Musik ist. Erinnert vom Prinzip irgendwie an das Konzeptalbum “Finisterre” (2017) der Black Metal-Band DER WEG EINER FREIHEIT. Erfrischend anders war auch der gelegentliche Shouteinsatz des Keyboarders und Bruders der Sängerin, James Spence. ROLO TOMASSI liegt irgendwo zwischen Mathcore, Atmospheric Pop, Jazz und Black Metal - diese Kombo soll ihnen erst einmal jemand nachmachen. (Kristina)

Kadavar 

Was soll ich sagen, diese Band ist einfach DER Garant für Bewegung, Fußwippen, Kopfnicken und fettem Grinsen im Gesicht. Stoner kennt man ja, was KADAVAR allerdings live bieten, hat man selten gesehen. Sympathische Ansagen, viel, viel Gitarre und noch mehr Haar gepaart mit eingängigem Sound. Das Trio aus Berlin hat das Rad sicherlich nicht neu erfunden, strahlt allerdings schon alleine durch sein bärtiges, von A - Z durchgestyltes äußeres Erscheinungsbild genau das aus, was es ist: Solider Stoner Rock. Um mit den Worten der Band zu schließen: “It is obvious that people like to put you in a box, and it is our job to create our own drawer and label it Kadavar”. (Kristina)

Papa Roach

Was wurde im Vorfeld auf Facebook nicht streckenweise über die Ankündigung von PAPA ROACH als Headliner gezetert. Ich fasse den Tenor der kritischen Stimmen wie folgt zusammen: “mimi die passen nicht aufs Breeze”. Bullshit. Es war vor der Hauptbühne knallevoll als PAPA ROACH die Bühne betraten und es wurde während des Sets nicht leerer. Die Band kam mit ihrem Set, bestehend aus neuen Songs und bewährten Klassikern wie “Between Angels And Insects”, “Broken Home” oder “Getting Away With Murder”, richtig gut an. Sogar einige Death Metaller konnten hüpfend erspäht werden. Rauswerfer war natürlich “Last Resort” und man muss feststellen, dass PAPA ROACH allen Unkenrufen zum Trotz eine der wohl am heftigsten abgefeierten Shows des Summer Breeze 2018 hingelegt haben. (Michael)

Jinjer 

JINJER - Vielleicht DER Act des Summer Breeze 2018. Es ist schier erstaunlich, wie sich diese Band mittlerweile hochbuchsieren konnte und meiner Meinung nach noch immer zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Nicht nur Frontfrau Tatiana, sondern auch Basser Eugene sind die Aushängeschilder der Band: Vielseitige Vocalrange von Clean- zu gutturalem Gesang und das tighteste Bassgefriddel, das ich je gesehen habe. Natürlich dürfen auch Gitarrist Roman und Drummer Vlad keineswegs unerwähnt bleiben - in der jetzigen Besetzung scheint die Band wunderbar zu funktionieren. Wollen wir hoffen, dass das noch lange so bleibt. Im Übrigen war die Camel Stage über das komplette Summer Breeze hinweg nicht so brechend voll wie bei dieser Show. Bitte 2019 erneut, dieses Mal auf der T-Stage, wird locker auch dort kuschelig. (Kristina)

Sólstafir

“Man soll gehen wenn es am schönsten ist”. Dieses Motto passte perfekt zu meiner letzten Summer Breeze 2018 Band: Sólstafir aus Island waren unbeschreiblich schön und sorgten für den erwartungsgemäß melancholischen Ausklang des Festivals. Die T-Stage war gut gefüllt und das anwesende Publikum liess sich von der Musik dahintragen: Es wurde wenig rumgequatscht und auch wenig mit den Handys fotografiert. Sólstafir spielten auf dem Summer Breeze gerade einmal sechs Songs, mehr hätte man in einer Stunde Spielzeit auch nicht untergebracht. Highlights im Set waren selbstredend “Ótta” und “Goddess of the Ages”. Bei letzterem ging Sänger Aðalbjörn wie immer über die Absperrung balancierend auf Tuchfühlung mit dem Publikum. So schön und toll das Konzert war, aber Sólstafir könnten so langsam mal wieder ein wenig Varianz und Abwechslung in Ihre Setlists bringen. Die identische Setlist habe ich in den letzten 12 Monaten nun drei mal sehen dürfen. (Michael)

Carpenter Brut 

Ladies and Gentlemen, ich präsentiere CARPENTER BRUT. So gar nicht wirklich Metal, so gar nicht wirklich Summer Breeze. Zumindest im ersten Moment - bis sich die Mainstage dann zu füllen begann und in einem Lichtermeer mitten in der Nacht zu Synthwave tanzte. Erstaunlich, wie das manchmal laufen kann. Auch mir war dieses Kollektiv um Franck Hueso bislang unbekannt, allerdings muss ich hierbei wirklich den Hut ziehen. Keine Ansagen der Musiker, trashige 80er-B-Movie-Sequenzen auf den Bildschirmen und vor allem viel buntes Licht in sämtlichen Variationen (der Livemischer hatte offensichtlich Spaß). Zu guter Letzt gab es nach 12 Songs noch den Klassiker “Maniac”, bei dem die Tanzwütigen voll auf ihre Kosten kamen. (Kristina)

Fazit

Erneut ging ein erfolgreiches Summer Breeze zu Ende, mit einigen Neuerungen wurde auch in diesem Jahr gearbeitet. Unser persönlicher Favorit war der Ausbau der Camel Stage als überdachte Bühne, ohne zur Indoorbühne zu werden. Zusätzlicher Schatten schadet einem Festival ja bekanntlich nie, gerne beibehalten! Auch der Wegfall des Zirkuszeltes schien die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Interessant war das Hinzukommen der Party Stage, die sich inmitten des Campgrounds befand und den Ersatz des Zirkuszeltes stellte. Auch sollten die Partypeople spät nachts vom Infield nach dort “verlagert” werden, um noch weiter ungestört feiern zu können (ungünstig vielleicht nur für die direkten Nachbarn). Wollte man jedoch schnell vom Infiel zu dieser Bühne gelangen, um die nächste Band zu sehen, war die Wegzeit doch verhältnismäßig lang. Möglicherweise wäre es eine Idee, diese Bühne im nächsten Jahr schlicht und ergreifend näher an das Infield zu bauen. 

Die große Mainstage wurde 2018 bereits zum wiederholten Male errichtet, dieses Mal allerdings unter verbesserten Umständen: Gab es 2017 lediglich eine Seite, von der aus man in die vorderen Reihen gelangte und entsprechend auch mit nur einem Ausgang, wurde der Platz vor der Bühne in diesem Jahr durch eine klassische Wellenbrecherunterteilung geformt. Schien in unseren Augen reibungslos funktioniert zu haben, offensichtlich haben sich auch die Besucher an den Wegfall von Main- und Pain Stage gewöhnen können. 

Der Versuch, in der VIP-Area sowie im Artistbereich ausnahmslos cashless bezahlen zu können, störte mich persönlich nicht. Man hatte die Möglichkeit, sich Geld vorab auf seinen Chip am Bändchen zu überweisen oder aber bar vor Ort aufzuladen. Ein Vorteil des Ganzen: Geld verlieren war so eigentlich nicht mehr möglich. Die Chipnummer sollte allerdings bei Erhalt des Bändchens direkt abfotografiert werden, um den Chip im Falle eines Verlusts sofort sperren lassen zu können. Wie auch bereits in der Pressekonferenz vom Breeze-Samstag erwähnt wurde, werden sich wohl so einige Festivals innerhalb der nächsten Jahre ausschließlich auf dieses Prinzip berufen. Sollte sich dieses System auch beim Summer Breeze durchsetzen, wäre es schön, wenn auch überall cashless bezahlt werden könnte (Shit’n’Shower sowie Merch inbegriffen).

All-in kann ich nicht großartig klagen, von der sehr breitgefächerten Bandauswahl hin zu verbesserter Sauberkeit im Infield großes Lob meinerseits. An alle Leser dieses Artikels und Besucher des Summer Breeze und Festivals allgemein möchte ich allerdings noch eine Sache loswerden: Dinge in einen Müllsack zu packen ist kein Hexenwerk. Es gibt glücklicherweise aber schon Einige, die mit sehr gutem Beispiel vorangehen. Sollten eure Nachbarn Sofas oder anderweitige Großgerätschaften mit auf den Campground bringen müssen, dürfen sie diese auch gerne wieder mitnehmen. Im gleichen Atemzug möchte ich auch Niemanden über steigende Ticketpreise klagen hören, der selbst aber Ommas Sessel vom Reinigungsteam entfernen lässt. Selbst das Fliesentisch-Imperium nimmt sein Zeug wieder ordentlich mit. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon jetzt auf das Summer Breeze 2019! (Kristina)

 

Ich (Michael) kann mich Kristians Meinung weitestgehend anschließen. Das Summer Breeze ist und bleibt das beste große Festival in Deutschland. Die Art und Weise wie hier zwischen Veranstaltern und Gästen auf Augenhöhe kommuniziert wird findet man selten. So wird Feedback der Vorjahre konstruktiv aufgenommen, kommentiert und wenn praktikabel auch konsequent umgesetzt. Ich muss als kritischer Geist gestehen, dass mir nur mit Mühe ein paar Sachen in den Sinn kämen, die man 2019 verbessern sollte. Die Organisation und das Konzept von 2018 würde ich im Folgejahr direkt so wieder nehmen, das war top. (Michael)